100 Kölnerinnen und Kölner feiern 75 Jahre Menschenrechte

In der Antoniterkirche und in der anschließenden Eröffnung der Ausstellung „Mein Name ist Mensch“ würdigte der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum die Geschichte und die Vorgeschichte der Charta der Vereinten Nationen. Moderiert von Martin Stankowski diskutierte in der Karl-Rahner-Akademie mit ihm die Sprecherin von Amnesty International Köln, Kim Horstmann. Erst durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 sind Friedenssicherung und der Schutz der Menschenwürde unlösbar verbunden.
https://www.karl-rahner-akademie.de/neuigkeiten/detailansicht?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=228&cHash=72a49da8c74e63978c9019e50c287f80

Im Begleitheft zur Ausstellung schreibt Gerhart Baum: „Dem Recht auf Menschenwürde und Freiheit stand in der Geschichte stets das Recht des Stärkeren im Weg. Menschenrechte mussten erkämpft werden gegen die Machtinteressen und Beharrungskräfte ihrer jeweiligen Zeit. Trotz Verfolgung und unter großen Opfern. Die Idee, dass alle Staatsgewalt vom Volk und nicht von Gott und Königen von Gottes Gnaden auszugehen hat, wurde im Zeitalter der Aufklärung gegen den heftigen Widerstand der Herrschenden, der Kirchen, des Adels erstritten.“

Die aktuellen Machtinteressen kamen nicht zur Sprache, weder die des Adels und der Kirchen heute, noch die der transnationalen Konzerne, Banken und Investmentgesellschaften.

In dem Lied „Mein Name ist Mensch“ von Rio Reiser/Ton Steine Scherben, das der Ausstellung den Titel gab, und dessen Text im Begleitheft vornweg zitiert wird, heißt es „Wir haben einen Feind, er nimmt uns den Tag. Er lebt von unserer Arbeit und lebt von unserer Kraft“

Jochen Stankowski, Jahrgang 1940, Drucker, Fotograf, Grafikdesigner und Maler; hat zum „Jahr der Menschenrechte 2023-2024“ seiner Ausstellung mit 30 visuellen Interpretationen der Artikel der Menschenrechts Charta im Bewusstsein dieser Zeilen den Titel „Mein Name ist Mensch“ gegeben.
http://www.atelier-stankowski.de/aktuell.php?cat=8

Wie viele andere, die sich über die zunehmenden Umfragewerte für die AfD Sorgen machen, fragt Gerhart Baum nicht nach den Ursachen dieser Entwicklung – die zunehmende soziale Ungleichheit bleibt außen vor. Seine Partei, die FDP, steht für Verteidigung der Interessen der besitzenden Klasse, der Finanzminister fordert offen Sozialabbau. Die FDP steht damit genau für das, was Adorno in seiner Rede zu den Aspekten des neuen Rechtsradikalismus als eine Hauptursache für einen neuen Faschismus ausgemacht hat: die mit dem Konzentrationsprozess des Kapitals verbundene steigende Angst vor Deklassierung in den Mittelschichten.

Da ist selbst Spiegel online weiter als das heutige Gedenken in Köln. Das Magazin hat Wolfgang Kaleck, Rechtsanwalt und Gründer der Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) zu einem Gastbeitrag zu 75 Jahren Menschenrechen eingeladen. Sein Schlusssatz:„Aber es wird auch um Umverteilung gehen müssen, denn die grassierende wirtschaftliche Ungleichheit zerreißt unsere Gesellschaften sozial und allenthalben sind die Rechtspopulisten auf dem Vormarsch.“
https://www.spiegel.de/ausland/75-jahre-allgemeine-erklaerung-der-menschenrechte-gastbeitrag-von-wolfgang-kaleck-a-3857a1d3-5d79-470d-9508-555b1aab61c1

Bei der Gelegenheit sei auch an Wolf Dieter Narr erinnert:

Wolf Dieter Narr: Weltmarkt und Menschenrechte. https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/141_142_narr.pdf

Klaus Jünschke
10.12.2023