Aufarbeitung der Vergangenheit

„Geschichtsmanipulation ist die älteste Form von Machtmißbrauch. Wer die Macht hat, die Vergangenheit in seinem Sinn zu interpretieren, auch falsch darzustellen, verfügt über Gegenwart und Zukunft. Demokratien sind also gut beraten, dafür zu sorgen, dass ihre Bürger Bescheid wissen.“ (Tony Judt / Timothy Snyder: Nachdenken über das 20.Jahrhundert, München 2013, S.270)

Am Schluss seines Vortrags „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“ sagte Adorno 1959: „Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt werden. Nur weil die Ursachen fortbestehen, ward sein Bann bis heute nicht gebrochen.“


Die Vergangenheit ist nicht vergangen:

„Es war einer der großen, mit dem Dogma nicht unmittelbar identischen Impulse des Christentums, die alles durchdringende Kälte zu tilgen. Aber dieser Versuch scheiterte; wohl darum, weil er nicht an die gesellschaftliche Ordnung rührte, welche die Kälte produziert und reproduziert.“  (Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit, Frankfurt a.M. 1982, S. 102. In seinem am 18.4.1966 gesendeten Vortrag im Hessischen Rundfunk „Erziehung nach Auschwitz“)

1855
Der Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen (französisch Essai sur l’inégalité des races humaines) ist das bekannteste Werk des französischen Diplomaten und Schriftstellers Joseph Arthur de Gobineau. Das Buch, 1853–1855 erstmals erschienen, stellt die Theorie einer arischen Herrenrasse auf und gilt als ein Hauptwerk des Rassismus. https://de.wikipedia.org/wiki/Versuch_%C3%BCber_die_Ungleichheit_der_Menschenrassen

1871
Ab 1871 waren Juden im Deutschen Reich rechtlich gleichgestellt und auch in den Parlamenten vertreten, wurden aber nur im linksliberalen und linken Lager akzeptiert. Vor 1914 gabn es bei den Sozialdemokraten die meisten jüdischen Abgeordneten, währen die Mehrheit der jüdischen Wähler für konservative Parteien stimmte.
https://taz.de/Antisemitismus-in-Muenchen-1918-23/!5654560&s=Michael+Brenner/

„Der Völkermord hat seine Wurzel in jener Resurrektion des angriffslustigen Nationalismus, der seit dem Ende des 19.Jahrhunderts in vielen Ländern sich zutrug.“ (Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit, Frankfurt a.M. 1982, S. 89. In seinem am 18.4.1966 gesendeten Vortrag im Hessischen Rundfunk „Erziehung nach Auschwitz“)

1899
Houston Stewart Chamberlain: Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts
Enhält den Satz: „Köperlich und seelisch ragen die Arier unter allen Menschen empor; darum sind sie von Rechtswegen die Herren der Welt.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Houston_Stewart_Chamberlain

1918
Als sich Kurt Eisner am 7.November 1918 zum Ministerpräsidenten Bayerns ernannte und den Freistaat begründete, wurde er damit überhaupt zum ersten jüdischen Repräsentanten an der Spitze eines deutschen Landes. Sofort wurde er mit antisemitischer Hetze überzogen.
Warum Juden so zahlreich in den Räten aktiv waren, hat mit ihrer gesellschaftlichen Diskriminierung zu tun: „Viele von ihnen erblickten im Sozialismus eine Möglichkeit, ihrer eigenen sozialen Notlage zu entkommen.“
https://taz.de/Antisemitismus-in-Muenchen-1918-23/!5654560&s=Michael+Brenner/

„Eher ist anzunehmen, daß der Faschismus und das Entsetzen, das er bereitete, damit zusammenhängen, daß die alten etablierten Autoritäten des Kaiserreichs zerfallen, gestürzt waren, nicht aber die Menschen psychologisch schon bereit, sich selbst zu bestimmen. Sie zeigten der Freiheit, die ihnen in den Schoß fiel, nicht sich gewachsen.“ (Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit, Frankfurt a.M. 1982, S. 91f. In seinem am 18.4.1966 gesendeten Vortrag im Hessischen Rundfunk „Erziehung nach Auschwitz“)

1919

Von den Blutbädern im Januar und März 1919, bei denen neben Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht Tausende Arbeiter starben, meist bis heute namenlos, führt eine direkte Linie zu den Massenmorden des NS. Es war der linksliberale Historiker Sebastian Haffner, der in seiner Geschichte der Novemberrevolution darauf aufmerksam gemacht hat.
Der Berliner Historiker Dietmar Lange hatte bereits 2012 im Verlag Edition Assemblage ein Buch veröffentlicht, das bereits im Titel zutreffend die Situation im Frühjahr 1919 zusammenfasst: Massenstreik und Schießbefehl. Die Arbeiter wollten mit einem Generalstreik verhindern, dass nach der Wahl eines Parlaments nun endgültig die alten Verhältnisse wiederherstellt werden. Die Sozialdemokratie an der Macht ließ ihre Bluthunde, die Freikorps los und verübten in ganz Berlin Blutbäder an Arbeitern. https://non.copyriot.com/9-november-1918-es-ging-um-raete-als-alternative-zur-buergerlichen-demokratie/?fbclid=IwAR1pLCSxMqtNQVFb2DSUJ-a3lVLR6lCvTQDdioCwXJSX6QubATT0rCOMVsk


Mark Jones: Der Antisemitismus radikalisierte sich 1918
Die Radikalisierung des Antisemitismus, die im Völkermord an den europäischen Juden gipfelte, begann mit der gegenrevolutionären Gewalt der Freicorps. Der Schießbefehl, den Sozialdemokraten am 9. März 1919 erteilten („Jede Person, die mit der Waffe in der Hand gegen Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erschießen“), zog Gewaltexzesse nach sich. Es sollte kein Tabu sein, darauf hinzuweisen, dass der von Gustav Nos­ke erteilte Schießbefehl auf gezielt lancierten Falschmeldungen über Gräueltaten linksradikaler Aufständischer fußte. So wurde im März 1919 erprobt, was in den nächsten zwei Jahrzehnten zum oft benutzten Mittel wurde: extreme Brutalität mit Fake News und Propaganda vorzubereiten.
https://www.taz.de/Archiv-Suche/!5546707&s=Mark%2Bjones/

1920
1920 erlebte Elsa Bruckmann Adolf Hitler bei einer Parteiveranstaltung im Zirkus Krone. Völkisch und revisionistisch gesinnt, suchte sie den persönlichen Kontakt zu ihm und zog ihn bald in ihren gesellschaftlichen Kreis. Sie besuchte ihn mehrmals im Gefängnis Landsberg, wo er wegen des Hitler-Ludendorff-Putsches in Festungshaft saß. Über ihren ersten Besuch am 22. Mai 1924[4] schrieb sie: „Nun trat mir – in der bayerischen kurzen Wichs und gelbem Leinenjöpperl – Adolf Hitler entgegen: einfach, natürlich und ritterlich und hellen Auges!“[5] Ähnlich wie bereits früher zu Hofmannsthal und zu ihrem Neffen Norbert von Hellingrath begann sie eine schwärmerische Beziehung und fühlte sich berufen, den wesentlich jüngeren Mann in jeder Hinsicht zu fördern. Unmittelbar nach seiner vorzeitigen Haftentlassung stattete Hitler am 23. Dezember 1924 den Bruckmanns einen Besuch ab.[6] Elsa Bruckmann führte ihn in ihren Salon ein, wo von nun an er und weitere Nazigrößen wie Rudolf Heß, Alfred Rosenberg und Baldur von Schirach den Ton angaben.
Bald war sie neben Helene Bechstein die wichtigste gesellschaftliche Förderin Hitlers, die ihm auch wertvolle wirtschaftliche Kontakte verschaffte. Sie stattete ihn mit Abendgarderobe und modischen Schuhen aus und bemühte sich, ihm gesellschaftlichen Schliff zu geben, indem sie ihm z. B. erklärte, wie man eine Artischocke oder einen Hummer aß oder wie man einer Frau die Hand küsste.[7] Sie beschaffte die Möbel für die im Juni 1925 eröffnete neue Parteizentrale der NSDAP in der Schellingstraße 50, ebenso wie sie später einen Teil der Möbel für Hitlers repräsentative Wohnung am Prinzregentenplatz 16 beisteuerte, für die das Ehepaar Bruckmann auch eine Bürgschaft übernommen hatte.[8]
Ihre Erfahrung als Autorin nutzte sie, um Hitler beim Abfassen des zweiten Bandes von Mein Kampf zu unterstützen.[9] Immer wieder stellte sie Hitler ihr Palais zur Verfügung, so im Juli 1927 für ein Treffen mit der Abiturklasse seiner Nichte Angela Raubal und im gleichen Monat für ein Treffen mit dem Industriellen Emil Kirdorf, bei dem die Grundlage für die finanzielle Unterstützung der NSDAP durch die Großindustrie gelegt wurde.[10] Am 20. Dezember 1927 wurde im Palais Bruckmann die Hochzeit von Rudolf Heß gefeiert.[11[KJ1] ] https://de.wikipedia.org/wiki/Elsa_Bruckmann

1922

Am 8. Dezember 1921, am 29. Mai 1922 und im Juni 1922 sprach Adolf Hitler vor dem Klub. Über den Inhalt und Verlauf dieser Ansprachen ist wenig bekannt geworden.
Über den Auftritt am 29. Mai 1922 schrieb Wilhelm Weicher, dass „sich die Clubräume mit einer ungewöhnlich stattlichen Besucherzahl“ gefüllt hätten. Die Versammlungsleitung habe in den Händen des Prinzen Karl zu Loewenstein gelegen. Mit „hinreißender Beredsamkeit und formvollendet“ sei Hitler auf sein Parteiprogramm eingegangen, nach der Rede „bildeten sich kleine Gruppen, die den Vortrag lebhaft erörterten“.[3]
In derselben Zeit schrieb Hitler eine Denkschrift an industrielle Gönner, so dass die historische Forschung davon ausgeht, dass Hitler ähnliches vor dem Berliner Klub ausführte. In dieser Denkschrift vom 22. Oktober 1922 schrieb Hitler:
„Die Bolschewisierung Deutschlands jedoch bedeutet die Vernichtung der gesamten christlich-abendländischen Kultur überhaupt. In der vorauszusehenden Erkenntnis dieser Katastrophe und der Unzulänglichkeit der Mittel zu ihrer Abwehr wurde vor drei Jahren, am 5. Januar 1919, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei gegründet. Ihr Ziel heißt ganz kurz: Vernichtung und Ausrottung der marxistischen Weltanschauung. – Mittel hierzu soll 1. eine unvergleichliche, genial aufgezogene Propaganda- und Aufklärungsorganisation, alle Möglichkeiten der menschlichen Beeinflussung erfassend; 2. eine Organisation rücksichtlosester Kraft und brutaler Entschlossenheit, bereit, jedem Terror des Marxismus einen noch zehnfach größeren entgegenzusetzen.“[4]
Bei einem dieser Auftritte wurde auch der Präsident der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände Ernst von Borsig auf Hitler aufmerksam. Laut einem Schreiben des Privatsekretärs Borsigs, Fritz Detert, an Borsigs Sohn, war Borsig „durch das Erlebnis dieses Abends so stark gepackt“, dass er begann, die NSDAP zu finanzieren.[5]
https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Nationalklub_von_1919


 [KJ1]

1922
Emil Julius Gumbel (geboren 18. Juli 1891 in München; gestorben 10. September 1966 in New York) war ein deutsch-amerikanischer Mathematiker, politischer Publizist und Pazifist.
Bekannt wurde er vor allem durch sein in der Erstauflage 1922 veröffentlichtes Buch Vier Jahre politischer Mord. Darin wies er durch vergleichende Analyse der statistischen Erhebungen die politische Rechtslastigkeit der Justiz im Deutschland der Weimarer Republik zwischen 1919 und 1922 nach, indem er die Urteile bei politisch motivierten Morden durch rechte und linke Täter einander gegenüber stellte und so zum Ergebnis kam, dass die 354 Täter aus dem republikfeindlichen rechten Spektrum − wenn überhaupt − mit äußerst milden Strafen tendenziell geschont wurden, wohingegen die 22 Täter aus dem Spektrum der politischen Linken zu unverhältnismäßig harten Strafen verurteilt wurden.
Emil Julius Gumbel: Vier Jahre politischer Mord. Reprint der Originalausgabe von 1922.
Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg, 1980. 360 Seiten, 12,80 Euro

Wohl infolge der Analysen politischer Morde wurde Gumbel auch ein Fachmann für nationalistische Geheimorganisationen, die sich aus den Freikorps entwickelten und für viele Morde aus dem rechten Spektrum verantwortlich waren. Insbesondere interne sogenannte Fememorde waren in diesen Organisationen zeitweise an der Tagesordnung. In seinen Büchern Verschwörer (1924) und Verräter verfallen der Feme (1929) (der Titel ist ein Zitat aus dem Statut der Organisation Consul) analysierte er deren Strukturen und machte auch auf die Schwarze Reichswehr aufmerksam. Er war „der zeitgenössische Kenner“ des „nationalen Lagers“, einem rechtsradikalen Milieu (Ulrich Herbert) und Netzwerk ideologisch nicht voneinander abgegrenzter „vaterländischer“ Verbände, völkischer Zirkel, studentischer Korporationen und Bünde, von Reichswehrführern und Bildungsgrößen wie Martin Spahn oder Moeller van den Bruck.[7]
https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Julius_Gumbel


1923

„Im Kaiserreich war München demokratisch und das Asyl all derjenigen im Norden als revolutionär verschrienen Elemente, die der Unduldsamkeit norddeutscher Polizeiorgane weichen mussten. Jetzt ist wiederum München deutscher Asylort. Aber nun für die Vertreter jener alten preußischen Junkerherrschaft, gegen die die Bayern früher nicht genug Sturm laufen konnten.“ (Vossischen Zeitung vom Oktober 1923)
https://taz.de/Antisemitismus-in-Muenchen-1918-23/!5654560&s=Michael+Brenner/


1929

Die Berliner Arbeiter- und Angestelltenerhebung aus dem Jahr 1929/1930 ist ein herausragendes, aber heute weitgehend vergessene sozialwissenschaftliches Forschungsprojekt in der Phase vor der Machtergreifung des Nationalsozialismus.
Erich Fromm, der zu jener Zeit Leiter der Abteilung Sozialpsychologie des Frankfurter Institut für Sozialforschung war, führte diese umfangreichen Untersuchungen zusammen mit Hilde Weiss durch, um die Häufigkeit verschiedener politisch-sozialer Einstellungen zu erfassen. Es ist die erste empirische Untersuchung zum Thema Autoritärer Charakter bzw. Autoritäre Persönlichkeit.
https://de.wikipedia.org/wiki/Berliner_Arbeiter-_und_Angestelltenerhebung

1932

Die Industrielleneingabe war ein von neunzehn oder zwanzig Vertretern der Industrie, der Finanzwirtschaft und der Landwirtschaft unterzeichneter Brief, der am 19. November 1932 an den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg gerichtet wurde mit der Aufforderung, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Der Reichspräsident kam dieser Aufforderung nicht unverzüglich nach, sondern berief am 2. Dezember 1932 zunächst Kurt von Schleicher zum Reichskanzler. Die Industrielleneingabe wurde erstmals 1956 in der Zeitschrift für Geschichtswissenschaft veröffentlicht[1] und galt lange als Beweis dafür, dass die Großindustrie beim Aufstieg der NSDAP zur Macht eine zentrale Rolle gespielt habe.

https://de.wikipedia.org/wiki/Industrielleneingabe

1933

Wilhelm Reich hatte 1933 mit seiner Massenpsychologie des Faschismus die erste größere Auseinandersetzung mit dem Faschismus bzw. dem Nationalsozialismus aus psychoanalytisch-gesellschaftskritischer Sicht geliefert. Er behauptet darin einen fundamentalen Zusammenhang zwischen autoritärer Triebunterdrückung und faschistischer Ideologie. Die patriarchalische (Zwangs-)Familie als Keimzelle des Staates schaffe die Charaktere, die sich der repressiven Ordnung, trotz Not und Erniedrigung, unterwerfen. Das später von Erich Fromm erstellte Konzept des „autoritären Charakters“ sah Reich als verwässerndes Plagiat seiner Theorie an.[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4rer_Charakter

1934

Ignacio Silone: Der Fascismus. Seine Entstehung und seine Entwicklung. Zürich
Geschichte und Entwicklung des italienischen Faschismus. https://de.wikipedia.org/wiki/Ignazio_Silone

Während eines Forschungsaufenthaltes in Deutschland schrieb Abel 1934 in Zusammenarbeit mit der NSDAP einen Wettbewerb aus, um Lebensgeschichten von Nationalsozialisten zu erhalten, die vor 1933 in die NSDAP eingetreten waren. Er sammelte 683 biografische Berichte, die die Grundlage seiner Untersuchung Why Hitler came into power bildeten.[2] Sie sind heute als Digitalisate bei der Hoover Institution zugänglich. Sven Felix Kellerhoff machte die von Abel gesammelten Erzählungen zum Fundament seines Buches Die NSDAP. Eine Partei und ihre Mitglieder (2017).
https://de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Abel

1936

Studien über Autorität und Familie ist ein Gemeinschaftswerk des Instituts für Sozialforschung, das als Sammelband 1936 in Paris publiziert wurde.[1] Es enthält die folgende Widmung: „Seinen ersten Bericht über gemeinsame Forschungen widmet das Institut FELIX WEIL, dem treuen Freunde“. Unter den zahlreichen und zumeist emigrierten Autoren, die der Kritischen Theorie zuzurechnen sind, waren Max Horkheimer, Erich Fromm und Herbert Marcuse. Ihre theoretischen Beiträge bilden die erste Abteilung: „Allgemeiner Teil“ (Horkheimer); „Sozialpsychologischer Teil“ (Fromm); „Ideengeschichtlicher Teil“ (Marcuse). Eingeleitet von Erich Fromm, werden in der zweiten Abteilung Ergebnisse empirischer Erhebungen (unter Arbeitern und Angestellten, über Sexualmoral etc.) mitgeteilt. Die dritte Abteilung enthält Einzelstudien und Literaturberichte unter Anderem von Karl A. Wittfogel (Wirtschaftsgeschichtliche Grundlagen der Entwicklung der Familienautorität), Paul Honigsheim (Materialien zur Beziehung zwischen Familie und Asozialität von Jugendlichen), Kurt Goldstein (Bemerkungen über die Bedeutung der Biologie für die Soziologie, anlässlich des Autoritätsproblems), Marie Jahoda (Autorität und Erziehung in der Familie, Schule und Jugendbewegung Oesterreichs) und Hans Mayer (Autorität und Familie in der Theorie des Anarchismus). Auch der Soziologe und später führende Historiker Alfred Meusel war mit einem Beitrag an diesem Werk beteiligt. Rolf Wiggershaus bezeichnet das Werk als „Fragment eines kollektiven work in progress“.[2] https://de.wikipedia.org/wiki/Studien_%C3%BCber_Autorit%C3%A4t_und_Familie

1938
Theodore Abel: Why Hitler came into power. An answer based on the original life stories of 600 of his followers. Prentice-Hall, New York 1938.
https://de.wikipedia.org/wiki/Theodore_Abel

1940
Der große Diktator (Originaltitel: The Great Dictator) ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Charles Chaplin und eine Satire auf Adolf Hitler und den deutschen Nationalsozialismus. Die Uraufführung fand am 15. Oktober 1940 statt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gro%C3%9Fe_Diktator

1940 präsentierte Witold Pilecki seinen Vorgesetzten den Plan, sich ins KZ Auschwitz I in Oświęcim einschleusen zu lassen, aus dem Inneren Informationen über das Lager zu sammeln und den Widerstand der Insassen zu organisieren. Bisher wusste man wenig über die deutschen Aktivitäten im Lager, das man für ein Internierungslager oder ein großes Gefängnis hielt. Seine Vorgesetzten stimmten dem Plan zu und besorgten ihm einen falschen Pass mit dem Namen „Tomasz Serafiński“. Am 19. September 1940 ging er freiwillig bei einer Razzia  in Warschau auf die Straße und wurde zusammen mit 2.000 Zivilisten (darunter Władysław Bartoszewski) von den Deutschen gefangengenommen. Nach zwei Tagen der Folter in einer Baracke der Wehrmacht wurden die Überlebenden ins KZ Auschwitz geschickt. Auf Pileckis Unterarm wurde die ihm zugewiesene Häftlingsnummer 4859 tätowiert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Witold_Pilecki

1941

Ab Oktober 1940 schickte die ZOW Berichte nach Warschau, und ab März 1941 wurden Witold Pileckis Berichte über die polnische Widerstandsbewegung zur britischen Regierung in London geschickt, die den westlichen Alliierten neben den Berichten von Jan Karski als wichtigste Informationsquelle über Auschwitz dienten. Pilecki hoffte, dass entweder die Alliierten Waffen oder Truppen ins Lager bringen würden oder dass die Heimatarmee einen Angriff von außen organisieren würde. 1943 erkannte er jedoch, dass keine derartigen Pläne existierten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Witold_Pilecki

Die Furcht vor der Freiheit (original Escape from Freedom) ist ein Buch des Sozialpsychologen Erich Fromm, welches 1941 veröffentlicht wurde.
Mit diesem Buch beabsichtigte Fromm, neben seinen Charakterstudien des modernen Menschen, die Wechselwirkungen zwischen psychologischen und soziologischen Faktoren zu untersuchen.
Ziel der Untersuchung war es, „die Gründe für die totalitäre Flucht vor der Freiheit“ zu erkennen.[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Furcht_vor_der_Freiheit

Arthur Koestler „nahm schon bald den publizistischen Kampf für die Rettung der Juden Europas auf. Seit 1941 wusste er von der Deportation deutscher Juden in Lager in Polen, Ende 1941, Anfang 1942 entwickelte er einen Rettungsplan  für die Juden in den von Deutschland besetzten Gebieten in provisorische Auffanglager in Nordafrika, Zypern oder Kenia. Im Lauf des Jahres 1942 verdichteten sich die Berichte von der planmäßigen Vernichtung der europäischen Juden, seine Verzweiflung wuchs, auch angesichts der Gleichgültigkeit der Weltöffentlichkeit. Im Januar 1944 schrieb er im ‚New York Times Magazin‘: ‚Bis jetzt sind drei Millionen gestorben. Es ist der größte uns überlieferte Massenmord der Geschichte; und es geht täglich, stündlich weiter, so regelmäßig wie das Ticken einer Uhr…Ein Hund, der von einem Auto überfahren wird, erschüttert unser emotionales Gleichgewicht  und unseren Verdauungsapparat, doch ein Million in Polen ermordeter Judenversursachen nichts als ein leichtes Unwohlsein. Statistiken bluten nicht, es ist das Detail, das zählt.‘ Und im Juli 1944 schriebt er in sein Tagebuch: ‘Für fünf Millionen Juden gibt es keine Zeitungsschlagzeile, aber was für ein Geschrei wegen 50 brit. Offiziere.‘“
Volker Weidermann: Zum Teufel mit der Mäßigung. Der Spiegel, 21.07.2018, S. 116

1942

OSS erstellt ein Psychogramm von Hitler
https://www.heise.de/tp/news/Hitlers-Torten-4198827.html?fbclid=IwAR0SVPxkHjEyiZPekyju9_k54dU5mlX6AuJDgDCkj4RSNrZwJ1AJQz5Yh8k

Wannseekonferenz
Auf der Wannseekonferenz kamen am 20. Januar 1942 in einer Villa am Großen Wannsee in Berlin 15 hochrangige Vertreter der nationalsozialistischen Reichsregierung und SS-Behörden zusammen, um unter dem Vorsitz des SS-Obergruppenführers Reinhard Heydrich in seiner Funktion als Chef der Sicherheitspolizei und des SD den begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu organisieren und die Zusammenarbeit der beteiligten Instanzen zu koordinieren.

Entgegen verbreiteter Meinung war es nicht Hauptzweck der Konferenz, den Holocaust zu beschließen – diese Entscheidung war mit den seit dem Angriff auf die Sowjetunion (22. Juni 1941) stattfindenden Massenmorden in vom Deutschen Reich besetzten Gebieten faktisch schon gefallen –, sondern in den Grundzügen die Deportation der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas zur Vernichtung in den Osten zu organisieren und die erforderliche Koordination sicherzustellen.[1] Die Teilnehmer legten den zeitlichen Ablauf für die weiteren Massentötungen fest, grenzten die dafür vorgesehenen Opfergruppen genauer ein und einigten sich auf eine Zusammenarbeit unter der Leitung des Reichssicherheitshauptamts (RSHA), das Heydrich führte.

Dies war das Hauptanliegen Heydrichs, den der Reichsmarschall Hermann Göring am 31. Juli 1941 mit der Gesamtorganisation der „Endlösung der Judenfrage“ beauftragt hatte. Daraufhin hatte Heydrich im Dezember 1941 zu der streng geheimen Konferenz eingeladen, an der Staatssekretäre aus verschiedenen Reichsministerien und dem Generalgouvernement, ein Ministerialdirektor der Reichskanzlei sowie leitende Beamte der Sicherheitspolizei (SiPo), des Sicherheitsdienstes (SD) und der Parteikanzlei teilnahmen. Protokollant war der SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, Heydrichs Referent für „Judenangelegenheiten“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wannseekonferenz

Das siebte Kreuz ist ein Roman von Anna Seghers über die Flucht von sieben Häftlingen aus einem Konzentrationslager während der Zeit des Nationalsozialismus. 1938 begann Anna Seghers die Arbeit an ihrem Roman im Exil in Südfrankreich. Bereits 1939 erschien das erste Kapitel in der Moskauer Zeitschrift „Internationale Literatur“.[1] 1942 wurde der komplette Roman in den USA in englischer Sprache und im mexikanischen Exilverlag „El Libro Libre“ („Das Freie Buch“) in deutscher Sprache veröffentlicht. Ebenfalls
https://de.wikipedia.org/wiki/Das_siebte_Kreuz

Casablanca ist ein US-amerikanischer Spielfilm von Michael Curtiz aus dem Jahr 1942. Er verbindet Stilelemente eines Melodrams mit denen eines Abenteuer- und Kriminalfilms. Casablanca entstand unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs und enthält eine starke politische Komponente durch den Einsatz Hollywoods gegen das nationalsozialistische Deutschland.
https://de.wikipedia.org/wiki/Casablanca_(Film)

Behemoth. Struktur und Praxis des Nationalsozialismus 1933–1944 ist ein staatstheoretisches Werk des deutschen Juristen und Politologen Franz Neumann. Es wurde in den Jahren 1941 bis 1944 während seines Exils in den USA verfasst und erschien zuerst 1942, in erweiterter Form 1944. Die deutsche Übersetzung ist von 1977.
Eine Neuauflage erschien 2018 in der Europäischen Verlagsanstalt
https://de.wikipedia.org/wiki/Behemoth_(Franz_Neumann)


Die Widerstandsgruppe Weiße Rose
Weiße Rose nannte sich eine in ihrem Kern von Studenten dominierte, sich wesentlich auf christliche und humanistische Werte aus der Tradition der bündischen Jugend berufende deutsche Widerstandsgruppe gegen die Diktatur des Nationalsozialismus. Sie entstand in der Zeit des Zweiten Weltkriegs auf Initiative eines Freundeskreises um Hans Scholl und Alexander Schmorell ab Juni 1942 in München. Zwischen Ende Februar und April 1943 wurde sie mit der Enttarnung, Verhaftung und schließlich der Hinrichtung ihrer prägenden Mitglieder nach – heute als rechtswidrig geltenden – Todesurteilen des Volksgerichtshofes unter dem Vorsitz Roland Freislers zerschlagen.
Die Gruppe verfasste, druckte und verteilte auf verschiedenen klandestinen Verbreitungswegen zunächst in der Region München selbst, später über Kuriere auch in einigen anderen Städten des Deutschen Reiches – vor allem in Süddeutschland – insgesamt sechs Flugblätter in unterschiedlicher, tendenziell steigender Auflage von zuletzt bis zu 9000 Exemplaren. In diesen Veröffentlichungen thematisierten sie Verbrechen des Regimes und riefen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus auf. In der Schlussphase ihres Bestehens versuchte die Weiße Rose über Falk Harnack ihre Kontakte zu weiteren Widerstandsgruppen bis in die Reichshauptstadt Berlin und zu systemoppositionellen Kreisen der Wehrmacht auszuweiten. Nach dem Ende der Schlacht von Stalingrad bemalten ihre Mitglieder in nächtlichen Aktionen zusätzlich auch öffentliche Fassaden in München mit Parolen gegen Hitler und die NS-Herrschaft.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wei%C3%9Fe_Rose

1943

19.4.1943 Beginn des Aufstands im Warschauer Ghetto
https://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_im_Warschauer_Ghetto

1944

Jan Karski: Mein Bericht an die Welt. Auf englisch.
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/type=rezbuecher&id=24200&view=pdf

1.August 1944 Beginn des Warschauer Aufstands der polnischen Heimatarmee
https://de.wikipedia.org/wiki/Warschauer_Aufstand

Dialektik der Aufklärung
Die Erstausgabe erschien 1944 im Herstellungsverfahren der Mimeographie unter dem Titel Philosophische Fragmente mit der Widmung „Friedrich Pollock zum 50. Geburtstag“ im New York Institute of Social Research. 1947 wurde das Werk in seiner endgültigen Fassung im Querido Verlag in Amsterdam in Druckform herausgegeben. Die in der Buchfassung vorgenommenen Änderungen ersetzten einige Marxsche Termini (wie Kapital, Monopol, Profit) durch „weniger belastete Ausdrücke“.[6] 1966 erschien eine italienische Ausgabe mit 29 Textänderungen gegenüber der Ausgabe von 1947, die von Pollock aus Bedenken gegen einen allzu offenen marxistischen Soziolekt vorgeschlagen worden waren.[7]

Ursprünglich waren die Fragmente als „Flaschenpost“ gedacht, die vielleicht in ferner Zeit gefunden und als brauchbar erkannt werden würde. Eine breitere Rezeption der Dialektik der Aufklärung stellte sich auch erst 20 Jahre nach Erscheinen des Buches ein, bewirkt durch die 68er-Bewegung. Seither gilt es als grundlegendes Werk der Kritik der Rationalität und nach Günter Figal als „Programmschrift“ der Kritischen Theorie.[5] Gerhard Schweppenhäuser sieht in ihr eine „negative Universalgeschichte der abendländischen Zivilisation“ mit einer „problematischen Tendenz zur Abgeschlossenheit“, ohne „Benjamins ‚messianische Revolutionshoffnung‘“.[45] Albrecht Wellmer nennt es „das schwärzeste Buch der Frankfurter Schule“.[46] Jan Philipp Reemtsma deutet Motiv und Analyserahmen dahingehend, dass die Autoren das gegenwärtige historische Unheil, das totalitäre Naziregime, „aus seinen historisch fernsten – Mythos – und seinen aktuellsten – Kulturindustrie – Quellen“ analysieren und aufzeigen, wie sich beide verbinden.[47]

Im Philosophischen Diskurs der Moderne hält Jürgen Habermas Horkheimer und Adorno vor, sie hätten sich in der Problemlage Anfang der vierziger Jahre einer „hemmungslosen Vernunftsskepsis überlassen, statt die Gründe zu erwägen, die an dieser Skepsis selber zweifeln lassen“.[48] Aus der Sicht Habermas’ übergehen sie die vernünftigen Gehalte der Aufklärung wie die Ausdifferenzierung von Recht, Moral und Wissenschaften und die Institutionalisierung der Demokratie.[49]

„Wie können die beiden Aufklärer, die sie immer noch sind, den vernünftigen Gehalt der kulturellen Moderne so unterschätzen, daß sie in allem nur eine Legierung von Vernunft und Herrschaft, Macht und Geltung wahrnehmen?“– Jürgen Habermas: 1985, Der philosophische Diskurs der Moderne. Zwölf Vorlesungen, S. 146.
https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik_der_Aufkl%C3%A4rung

1945

19.4.1945
Am Ende des Schwurs von Buchenwald hieß es:
„Wir führten in vielen Sprachen den gleichen harten, erbarmungslosen, opferreichen Kampf, und dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen! Noch leben die Mörder unserer Kameraden! Noch laufen unsere sadistischen Peiniger frei herum!
Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens:
Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig. Zum Zeichen Eurer Bereitschaft für diesen Kampf erhebt die Hand zum Schwur und sprecht mir nach:
,WIR SCHWÖREN! ,
Buchenwald/Weimar 19.April 1945
https://dasjahr1945.de/der-schwur-von-buchenwald/

Die SPD forderte am 15. Juni 1945 im Aufruf zum Neuaufbau ihrer Partei u.a.: „Verstaatlichung der Banken, Versicherungsunternehmen und der Bodenschätze, Verstaatlichung der Bergwerke und der Energiewirtschaft. Erfassung des Großgrundbesitzes und der lebensfähigen Großindustrie und aller Kriegsgewinne für die Zwecke des Wiederaufbaus. Beseitigung des arbeitslosen Einkommens aus Grund und Boden und Miethäusern.“ (Gebhard Diemer: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland: Auf dem Wege zur Republik 1945-1947, Schöningh, 1979, S. 170)

17. Juli – 2. August 1945
Potsdamer Abkommen
• Der antifaschistisch-demokratische Neubeginn sollte sich an den „großen D’s“ orientieren: Demokratisierung, Demilitarisierung, Demonopolisierung, Denazifizierung, Dezentralisierung.
Bei den Festlegungen der Grundsätze zur Behandlung Deutschlands wurden Kriterien für eine antifaschistische und friedliche Perspektive dieses Landes formuliert, wie z.B. Forderungen nach Auflösung hegemonialer Wirtschaftsstrukturen, Forderungen nach wirklicher demokratischer Partizipation, Entmilitarisierung u.a., die bis heute visionären Charakter besitzen.
https://dasjahr1945.de/das-potsdamer-abkommen/

Nakam (he: Rache; eigentlich Dam Yehudi Nakam, auf Deutsch etwa Das jüdische Blut wird gerächt werden) war eine jüdische Organisation, die sich seit 1945 das Ziel gesetzt hatte, Rache für den Holocaust zu üben und der Welt zu zeigen, dass die Juden in der Lage seien, sich zu wehren und Vergeltung zu üben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Nakam

JCS 1067 bezeichnet eine Direktive der US-amerikanischen Joint Chiefs of Staff zur Besatzungspolitik an den Combined Chiefs of Staff (CCS) in Deutschland. JCS 1067 legte die Grundlinien der US-amerikanischen Besatzungspolitik für die erste Zeit nach der Kapitulation Deutschlands fest. Ihre Bestimmungen blieben bis zum Inkrafttreten der Direktive JCS 1779/1 im Juli 1947 gültig.
https://de.wikipedia.org/wiki/JCS_1067

Marek Edelmann: Getto walczy. Udział Bundu w obronie getta warszawskiego. Nakładem Centralnego Komitetu Bundu, Warschau 1945 (polnisch).
Das Ghetto kämpft. Ingrid Strobl (Vorwort); Ewa Czerwiakowski, Jerzy Czerwiakowski (Übersetzung). Harald-Kater-Verlag, Berlin 1993
https://de.wikipedia.org/wiki/Marek_Edelman


Die Nürnberger Prozesse umfassen den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof sowie zwölf weitere sogenannte Nachfolgeprozesse vor einem US-amerikanischen Militärgerichtshof, die nach dem Zweiten Weltkrieg im Justizpalast Nürnberg zwischen dem 20. November 1945 und dem 14. April 1949 gegen führende Repräsentanten des Deutschen Reichs zur Zeit des Nationalsozialismus durchgeführt wurden[KJ1] .
https://de.wikipedia.org/wiki/N%C3%BCrnberger_Prozesse


Das Berlin Document Center (BDC) wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin errichtet, um zentral Unterlagen aus der Zeit des Nationalsozialismus zu sammeln, die zur Vorbereitung für die Nürnberger Prozesse gegen Kriegsverbrecher benötigt wurden. Bis 1994 stand das BDC unter US-amerikanischer Verwaltung und wurde dann vom Bundesarchiv übernommen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_Document_Center

1946

Der SS-Staat – Das System der deutschen Konzentrationslager ist ein 1946 zuerst erschienenes Werk des Soziologen Eugen Kogon, der selbst als Gegner des Nationalsozialismus sechs Jahre lang Häftling im KZ Buchenwald war. Es ist eine umfassende Darstellung des deutschen KZ-Terrors und gilt als die erste historische Analyse des NS-Terrorsystems.
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_SS-Staat

OMGUS – OFFICE MILITARY GOVERNMENT FOR GERMANY; UNITED STATESFINANCE DIVISION – FINANCIAL INVESTIGATION SECTION Militärregierung der Vereinigten Staaten für Deutschland  Finanzabteilung – Sektion für finanzielle Nachforschungen
Ermittlungen gegen die Deutsche Bank 1946/1947
KAPITEL I
Empfehlungen
Es wird empfohlen, daß:
1. die Deutsche Bank liquidiert wird,
2. die verantwortlichen Mitarbeiter der Deutschen Bank angeklagt und als Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden,
3, die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen und politischen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden.(1)
http://www.glasnost.de/hist/ns/omgus1.html


Die Mörder sind unter uns ist der erste deutsche Spielfilm der Nachkriegsgeschichte und der erste deutsche Trümmerfilm. Regie und Buch stammten von Wolfgang Staudte
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_M%C3%B6rder_sind_unter_uns


Die sogenannte Hoffnungsrede für Deutschland, Rede der Hoffnung oder Stuttgarter Rede, Offizieller Name Restatement of Policy on Germany, wurde am 6. September 1946 vom amerikanischen Außenminister James F. Byrnes in Stuttgart gehalten. Sie wurde von vielen Deutschen als Wendepunkt der Nachkriegsgeschichte empfunden, der ihnen Mut machte. Trotz vorsichtiger Kritik an der sowjetischen Deutschlandpolitik eröffnete sie eine gesamtdeutsche Perspektive. Deutschland sollte sich künftig nach Abschluss eines Friedensvertrages wieder selbst regieren. Es war die erste offizielle Verkündung alliierter Regierungspolitik, bei der auch Deutsche, die Ministerpräsidenten der deutschen Länder[1], anwesend waren.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hoffnungsrede

1947

Truman-Doktrin
Am 12. März 1947 gab der US-amerikanische Präsident Harry S. Truman vor dem US-Kongress eine Erklärung ab, die als sogenannte Truman-Doktrin in die Geschichte einging. Nach dieser Doktrin sollte es zum außenpolitischen Grundsatz der Vereinigten Staaten von Amerika werden, „freien Völkern beizustehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen“. Truman erklärte, dass die USA bereit seien, dem dringenden Appell der griechischen Regierung um wirtschaftliche und militärische Unterstützung im Griechischen Bürgerkrieg nachzukommen. Auch die Türkei, die sich in einer ähnlichen Situation wie Griechenland befand, solle amerikanische Hilfe erhalten.
Die Truman-Doktrin bedeutete das Ende der amerikanischen Kriegskoalition mit der Sowjetunion und markiert den Beginn des Kalten Krieges. Mit ihr beginnt das finanzielle Engagement der USA in der Containment-Politik.
https://de.wikipedia.org/wiki/Truman-Doktrin

JCS 1779 bezeichnet in Kurzform die Direktive 1779 der Joint Chiefs of Staff (JCS) an den Oberbefehlshaber der US-Besatzungstruppen in Deutschland.[1] In ihrer Revision 1 (JCS 1779/1)[2] löste sie am 15. Juli 1947 die Direktive JCS 1067/6[3] ab, die noch während der Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs entstanden war und seit April 1945 galt. Die Direktive JCS 1779/1 war dagegen bereits vom Ost-West-Konflikt geprägt. Sie wurde ihrerseits am 21. September 1949 durch das Besatzungsstatut für die Trizone bzw. das „Kleine Besatzungsstatut“ für die drei Westberliner Sektoren ersetzt. https://de.wikipedia.org/wiki/JCS_1779

Simon Wiesenthal gründete 1947 in Linz die Jüdische Historische Dokumentation, die sich unter anderem zum Ziel setzte, von Zeugen erhaltene Informationen auszuwerten sowie Karteien zu Tätern und Tatorten anzulegen. Das Büro in Linz schloss er 1954, da sich auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges kaum eine staatliche Organisation für seine Ermittlungen einsetzte und er daher keine Unterstützung bekam. In dieser Zeit arbeitete er in der Weiterbildung für jüdische Flüchtlinge, die ohne Beruf kaum eine Chance zur Auswanderung hatten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Wiesenthal

LTI – Notizbuch eines Philologen ist ein 1947 erschienenes Werk von Victor Klemperer, das sich mit der Lingua Tertii Imperii befasst, der Sprache des Dritten Reiches
https://de.wikipedia.org/wiki/LTI_%E2%80%93_Notizbuch_eines_Philologen

Rechtsanwalt Otto Küster wurde 1947 der verantwortungsvolle Auftrag eines Staatskommissars für die Wiedergutmachung zuteil. Als solcher hatte er sich aller der Menschen anzunehmen, denen während des  ,Dritten Reiches‘ aus weltanschaulichen oder politischen Gründen Schaden zugefügt worden war. Damit übernahm er die schwierige Aufgabe, nicht nur an der Wiedergutmachung zu arbeiten, sondern auch unserem Volk, dem niemand mehr in der Welt glauben wollte, neues Vertrauen zu erwerben.
http://www.freiburger-rundbrief.de/de/?item=1000

Der Prozess gegen das Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA) fand als vierter von insgesamt zwölf Nürnberger Nachfolgeprozessen gegen Verantwortliche des Deutschen Reichs zur Zeit des Nationalsozialismus vom 13. Januar bis zum 3. November 1947 im Nürnberger Justizpalast vor einem US-amerikanischen Militärgericht statt. Die Anklageschrift nannte vor allem die gemeinsame Begehung von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit als Mitglied in einer verbrecherischen Organisation.
Von den 18 Angeklagten wurde mit Oswald Pohl nur einer hingerichtet, zwei wurden freigesprochen und fast alle anderen 1951 amnestiert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Prozess_Wirtschafts-_und_Verwaltungshauptamt_der_SS

Der Flick-Prozess war der fünfte von insgesamt zwölf Nürnberger Nachfolgeprozessen gegen Verantwortliche des Deutschen Reichs zur Zeit des Nationalsozialismus, die im Nürnberger Justizpalast vor einem US-amerikanischen Militärgericht durchgeführt wurden. Der Prozess richtete sich gegen den Großindustriellen Friedrich Flick und fünf seiner Führungsleute. Flick wurde Ende 1947 zu sieben Jahren Haft verurteilt und Anfang 1950 vorzeitig freigelassen.
Flick, dem es gelang, in der Zeit des Nationalsozialismus noch vor den Nazi-Größen und anderen Industriellen das bedeutendste deutsche Privatvermögen anzusammeln, wurde insbesondere wegen der Zwangsarbeit in seinen Betrieben angeklagt. Für Flick arbeiteten zwischen 40.000 und 60.000 Arbeiter. Die Arbeitsbedingungen in seinen Lagern waren selbst unter den damaligen Zeitumständen ausgesprochen grausam.
Flick weigerte sich bis zu seinem Tod, den Zwangsarbeitern eine Entschädigung zukommen zu lassen, da dies seiner Meinung nach einem Schuldeingeständnis gleichgekommen wäre. https://de.wikipedia.org/wiki/Flick-Prozess

Medizin ohne Menschlichkeit. Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses ist seit 1960 der Titel eines Werkes, das von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke erstmals 1947 als Das Diktat der Menschenverachtung. Der Nürnberger Ärzteprozeß und seine Quellen kommentiert herausgegeben und im Verlag Lambert Schneider in Heidelberg publiziert worden ist. Die Herausgeberschaft kam zustande, weil der junge Mitscherlich mangels Bereitschaft seitens etablierter Standesvertreter den Vorsitz der sechsköpfigen Kommission der Westdeutschen Ärztekammern zur Beobachtung des Nürnberger Ärzteprozesses für die Dauer von zehn Monaten übernommen hatte – unter der Bedingung, dass von allen Universitäten in Deutschland die medizinischen Fakultäten der Teilnahme der Ärztekommission am Prozess zustimmen.[1]
https://de.wikipedia.org/wiki/Medizin_ohne_Menschlichkeit


Bertolt Brecht: Der anachronistische Zug oder FREIHEIT und DEMOCRACY
http://www.alfa1.de/az-ged.html

Nun denke man sich einen Menschen, dem man, zusammen mit seinen Lieben, auch sein Heim, seine Gewohnheiten, seine Kleidung und schließlich alles, buchstäblich alles nimmt, was er besitzt: Er wird leer sein, beschränkt auf Leid und Notdurft und verlustig seiner Würde und seines Urteilsvermögens, denn wer alles verloren hat, verliert auch leicht sich selbst […]“, schreibt Levi. Er erlebte das Lager als einen Ort, an dem das Mensch-Sein oft bereits endete noch bevor das Leben biologisch erloschen war. Seine Frage „Ist das ein Mensch?“ beantwortet er am Ende des Buches folgendermaßen: „Mensch ist, wer tötet, Mensch ist, wer Unrecht zufügt oder leidet; kein Mensch ist, wer jede Zurückhaltung verloren hat und sein Bett mit einem Leichnam teilt.“
Primo Levi: Ist das ein Mensch? Ein autobiographischer Bericht. München: dtv, 2000. [Se questo è un uomo; 1947]
https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/bildung-und-habitus-im-konzentrationslager/

Ehe im Schatten basiert auf dem Schicksal des Schauspielers Joachim Gottschalk. Als Vorlage für das Drehbuch diente die Novelle Es wird schon nicht so schlimm von Hans Schweikart.[1]
Gedreht wurde der Film im Atelier Berlin-Johannisthal sowie in Berlin und Umgebung.[2] Es ist der einzige DEFA-Film, der in allen vier Berliner Sektoren gleichzeitig Premiere hatte, nämlich am 3. Oktober 1947. Im sowjetischen Sektor fand die Aufführung im Filmtheater am Friedrichshain, im amerikanischen Sektor im Cosima-Filmtheater in Friedenau, im britischen Sektor in der Kurbel in Charlottenburg und im französischen Sektor im Prinzenpalast in Gesundbrunnen statt.[3] Der Film fand auch im Westen hohe Anerkennung. Innerhalb kürzester Zeit sahen ihn zehn Millionen Zuschauer. Mit insgesamt mehr als zwölf Millionen Besuchern wurde Ehe im Schatten der erfolgreichste deutsche Film während der ersten Nachkriegsjahre.
Kurt Maetzig drehte den Film auch im Gedenken an seine Mutter, die am 9. Februar 1944 als Jüdin in den Freitod ging.[4]
https://de.wikipedia.org/wiki/Ehe_im_Schatten

Draußen vor der Tür
Für Jan Philipp Reemtsma ließ sich die Identifikation der Kriegsgeneration mit Beckmann auch in dessen Umgang mit seiner persönlichen Kriegsschuld erklären: Beckmann strebe danach, seine Schuld abzugeben. Er frage nicht, wie er hätte anders handeln können, sondern wolle lediglich nicht länger Träger von Verantwortung sein. Das Stück zeichne ihn als Opfer; selbst als er im Krieg zum Täter geworden sei, habe er bloß Befehle ausgeführt. Zudem verenge das Drama die Sicht auf eine Seite des Krieges: die deutschen Gefallenen, die deutschen Kriegsversehrten, die deutschen Witwen und Waisen. Lediglich ihnen gegenüber fühle Beckmann Verantwortung. Im Gespräch mit Frau Kramer trete in besonderem Maße die Verdrängung der Holocausts hervor: Der Text bleibe unklar bezüglich der Antisemitismusvorwürfe gegen Beckmanns Vater. So verschmelzen in seiner Person der Mörder und der Mitläufer zum Opfer. Ausgerechnet Gas werde zum Mittel seines Suizids, wobei Frau Kramers Jammern über dessen Verschwendung ein gängiger auf die Vernichtungslager gemünzter Nachkriegszynismus gewesen sei, den Borchert spiegelverkehrt verwende. Beckmanns anschließende Klage, morgen gäbe es womöglich sechs Millionen Tote in Massengräbern, deute die Realität des Holocausts in eine künftige Möglichkeit um. Beckmanns Krieg werde so ein beliebiger Krieg und entferne sich von der Realität des Zweiten Weltkriegs und des Nationalsozialismus.[26] Reemtsma zog das Fazit: „Draußen vor der Tür lieferte die Formeln und Bilder, mit deren Hilfe sich ein deutsches Publikum von seiner Vergangenheit lossagen konnte, ohne die Frage nach Verantwortung und Schuld zu stellen, geschweige denn beantworten zu müssen.“[27] https://de.wikipedia.org/wiki/Drau%C3%9Fen_vor_der_T%C3%BCr

1948

„Wir haben den Nationalsozialismus noch nicht von innen her überwunden. Dies nachzuholen und zwar in raschem Tempo, ist unerläßlich. Ein solcher Kampf einer neuen Gesellschaftsordnung gegen die Reste der alten stellt aber schon an sich ein revolutionäres Element dar“ (Deiters 1948: 84). Was hier Heinrich Deiters, renommierter Professor für Pädagogik an der Ostberliner Humboldt-Universität, 1948 forderte, war in der SBZ anfänglich breiter Konsens. Erziehungsreform und Gesellschaftstransformation, so hieß der einfache Nenner in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus als einer noch gegenwärtigen Vergangenheit.
 https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-322-94201-2_13

Im April 1948 beklagte ein Bericht des amerikanischen Geheimdienstes eine insbesondere auch von den beiden christlichen Kirchen getragene Kampagne, wonach die Entnazifizierung »eine grausame Verfolgung« sei, die selbst naziähnliche Methoden anwende, indem sie Menschen den Prozess mache und sie in »Konzentrationslagern« gefangen halte.
https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945

Im I. G.-Farben-Prozess, dem Verfahren „Vereinigte Staaten vs. Carl Krauch et al.“, mussten sich 23 Leitende Angestellte der I.G. Farbenindustrie AG im Jahr 1947 vor einem US-amerikanischen Militärgericht verantworten. Am 30. Juli 1948 wurden 13 der Angeklagten zu Gefängnisstrafen verurteilt, während die restlichen zehn auf Grund der Beweislage freigesprochen wurden.
Es war der sechste von insgesamt zwölf Nachfolgeprozessen gegen Verantwortliche im Rahmen der Nürnberger Prozesse des Deutschen Reichs zur Zeit des Nationalsozialismus. Mit den Urteilen wurden „Plünderungen“ ausländischer Betriebe in den ehemaligen deutschen Feindländern Polen, Norwegen, Frankreich und der Sowjetunion geahndet. Ein weiterer Straftatbestand war „Versklavung“, der planmäßige Einsatz von Zwangsarbeitern aus dem eigens für den Bau der Buna-Werke errichteten KZ Auschwitz III Monowitz. Auch die Herstellung von Giftgas (Zyklon B) und dessen Lieferung an die SS zu Ausrottungszwecken in Konzentrationslagern wurde im Prozess behandelt.
https://de.wikipedia.org/wiki/I._G.-Farben-Prozess

Der Krupp-Prozess war der zehnte der zwölf Nachfolgeprozesse gegen Verantwortliche des Deutschen Reichs zur Zeit des Nationalsozialismus. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und alle noch lebenden Mitglieder des Direktoriums der Firma Krupp wurden angeklagt und verurteilt.
Die Anklageschrift vom 1. Juli 1947 gegen die Unternehmensverantwortlichen aus den Ebenen Eigentümer, Spitzenmanager, Werks- und Abteilungsleiter und leitenden Angestellten umfasste die vier Anklagepunkte Vorbereitung und Führung eines Angriffskrieges (I), Plünderung (II), Zwangsarbeit (III) und Verschwörung (IV).[4] Die ersten drei Anklagepunkte entsprechen in etwa den heute im Völkerstrafrecht etablierten Verbrechen der Aggression durch einen Angriffskrieg, der Kriegsverbrechen durch Plünderung und Raub in den besetzten Gebieten und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch Verschleppung, Ausbeutung und Missbrauch zur Sklavenarbeit (Zwangsarbeit) und rechtswidrigen Einsatz von Kriegsgefangenen zur Rüstungsproduktion.
Die Eröffnungsrede hielt Anklagevertreter Telford Taylor am 8. Dezember 1947. Bereits nach kurzer Prozessdauer verkündete das Gericht im April 1948 den Freispruch von der Anklage des Angriffskrieges und der Verschwörung (Anklagepunkte I und IV), deren Begründung durch die Ankläger unhaltbar schien. Vorangegangen war Kritik amerikanischer Rüstungsunternehmen und der Protest amerikanischer Kongressabgeordneter, die von „kommunistisch-inspirierten Schauprozessen“ sprachen, was schließlich zu einer Empfehlung des Kriegsministeriums führte, auf diese Anklagepunkte zu verzichten.[6]
Die Verurteilungen wegen „Plünderung“ und „Sklavenarbeit“ wurden am 31. Juli 1948 verkündet.[7] In der Urteilsbegründung wurde der Einwand der Verteidigung, die Vorschriften des Haager Abkommens könnten auf den „totalen Krieg“ nicht mehr angewandt werden, vom Gericht „auf das entschiedenste zurückgewiesen“. Angeführt wurde auch die Beschlagnahme des Elmag-Werkes in Mühlhausen und die völkerrechtswidrige Beschäftigung und Mißhandlung von Zwangsarbeitern. Der Krupp-Konzern habe innerhalb ganz Deutschlands 69.989 ausländische Zivilarbeiter und 4978 KZ-Häftlinge beschäftigt; in den Krupp-Werken waren 23.076 Kriegsgefangene eingesetzt.[8
https://de.wikipedia.org/wiki/Krupp-Prozess

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (A/RES/217, UN-Doc. 217/A-(III)), auch Deklaration der Menschenrechte oder UN-Menschenrechtscharta oder kurz AEMR[1], sind unverbindliche Empfehlungen der Vereinten Nationen zu den allgemeinen Grundsätzen der Menschenrechte. Sie wurde am 10. Dezember 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Palais de Chaillot in Paris genehmigt und verkündet.

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“

Der 10. Dezember als Tag der Verkündung wird seit 1948 als Internationaler Tag der Menschenrechte begangen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Erkl%C3%A4rung_der_Menschenrechte

Lang ist der Weg ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1947/48. Es ist der erste deutsche Spielfilm der Nachkriegszeit, der das Schicksal von Holocaust-Opfern bzw. -Überlebenden in den Mittelpunkt stellt. Es ist auch der bis heute einzige in Deutschland produzierte Film in jiddischer Sprache. Der Film vereinigt Spiel- und Dokumentarszenen zu einer dramatischen Gesamthandlung.
https://de.wikipedia.org/wiki/Lang_ist_der_Weg

Morituri ist ein im Winter 1947/1948 gedrehter deutscher Spielfilm von Eugen York. Er gilt, neben Herbert B. Fredersdorfs Inszenierung Lang ist der Weg, als der erste deutsche Spielfilm, der sich mit dem Holocaust auseinandersetzte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Morituri_(1948)

Dokumentation Die Tötung Geisteskranker in Deutschland (1948) von Alice Ricciardi-von Platen. Sie empfand die Morde an psychisch kranken Menschen als Ausdruck einer Systemkriminalität, in der die Psychiatrie tief verstrickt war und von der die gesamte deutsche Ärzteschaft gewusst hatte.
Der Sozialpsychiater Klaus Dörner entdeckte Ricciardis Werk wieder und veranlasste eine Neuauflage. Nach dem Erfolg des Buches wurde Alice Ricciardi-von Platen 1996 zur Präsidentin des von der IPPNW veranstalteten und von Horst-Eberhard Richter geleiteten Kongresses Medizin und Gewissen[2] ernannt, in dem die Irrwege der Medizin 50 Jahre nach dem Nürnberger Ärzteprozess unter historischen, psychologischen und ethischen Aspekten aufgearbeitet wurden. Der Kongress fand von 25. bis 27. Oktober 1996 in Nürnberg statt, Schirmherrin war Rita Süssmuth, Präsidentin des Deutschen Bundestages.
https://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Ricciardi-von_Platen

1949

Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) ist eine außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die die gesamte deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart in ihren europäischen und globalen Bezügen erforscht. Gegründet wurde das IfZ 1949, um als erstes Institut überhaupt die nationalsozialistische Diktatur wissenschaftlich zu erschließen
https://www.ifz-muenchen.de/das-institut/

Götz Aly kritisiert das IfZ:
https://www.perlentaucher.de/essay/goetz-aly-das-institut-fuer-zeitgeschichte-und-die-verzoegerte-deutsche-ausgabe-von-raul-hilberg.html

Für die Westzonen belegen Studien für die Jahre bis Ende 1949 zunächst beachtliche Erfolge in der justiziellen Selbstreinigung, jedenfalls quantitativ. Insgesamt wurden in der amerikanischen, britischen und französischen Zone von deutschen Gerichten bis zu diesem Zeitpunkt rund 4.400 NS-Täter rechtskräftig verurteilt; die Zahl der eingeleiteten Ermittlungsverfahren lag bei 13.600. Doch auch in dieser Periode wurde trotz des erkennbaren Ahndungswillens bei der deutschen Justiz ein inneres Widerstreben deutlich, das meist mit der Problematik rückwirkender Gesetzesanwendung begründet wurde und sich in freisprechenden Urteilen oder auch zögerlicher Verfahrensführung ausdrücken konnte.
https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945

Das Tagebuch der Anne Frank
Annelies Marie „Anne“ Frank (geb. 12. Juni 1929 in Frankfurt am Main als Anneliese[1] Marie Frank; gest. Februar oder Anfang März 1945 im KZ Bergen-Belsen) war ein deutsch-jüdisches Mädchen, das 1934 mit seinen Eltern und seiner Schwester Margot in die Niederlande auswanderte, um der Verfolgung durch die Nationalsozialisten zu entgehen, und kurz vor dem Kriegsende dem nationalsozialistischen Holocaust zum Opfer fiel. In den Niederlanden hatte sie ab Juli 1942 mit ihrer Familie in einem versteckten Hinterhaus in Amsterdam gelebt. In diesem Versteck hielt Anne Frank ihre Erlebnisse und Gedanken in einem Tagebuch fest, das nach dem Krieg als Tagebuch der Anne Frank von ihrem Vater Otto Frank veröffentlicht wurde.
Das Tagebuch der Anne Frank gilt als ein historisches Dokument aus der Zeit des Holocaust und die Autorin Anne Frank als Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus.
https://de.wikipedia.org/wiki/Anne_Frank

Margarete Buber-Neumann: Als Gefangene bei Stalin und Hitler. Eine Welt im Dunkel. 1. Aufl. 1949, Verlag der Zwölf
https://de.wikipedia.org/wiki/Margarete_Buber-Neumann

Bereits im August 1949 gründete der Senat eine „Forschungsstelle für die Geschichte Hamburgs von 1933 bis 1945“. Ihr Auftrag war es, Quellen und Archivalien aus der Zeit des Nationalsozialismus zu sichern und aufzuarbeiten. Hintergrund war der Skandal um eine Studie über den Hamburger Gauleiter Karl Kaufmann, in der ausschließlich dessen positiv zu wertende Rolle bei der kampflosen Übergabe der Stadt herausgestellt worden war und die zu heftigen Protesten in der Bürgerschaft und den Medien führte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Forschungsstelle_f%C3%BCr_Zeitgeschichte_in_Hamburg
Sitz der FZH (vormals Finanzamt Schlump in Hamburg-Eimsbüttel)
Diese personell unzureichend ausgestattete Forschungsstelle brachte keine wesentlichen Veröffentlichungen hervor und konnte der entlastenden Geschichtsdeutung, nach der es auch während der Zeit des Nationalsozialismus im „stets liberalen Hamburg hanseatisch gemäßigt“ zugegangen sei, nichts entgegensetzen. Das Institut wurde 1956 geschlossen.

9.12.1949 „Gesetz über die Gewährung von Straffreiheit“. Insgesamt 800.000 Menschen profitierten davon, darunter ein großer Kreis von NS-Tätern.
https://www.das-parlament.de/2019/52_1/im_blickpunkt/674876-674876

1950

Das heutige Verständnis der autoritären Persönlichkeit wurde hauptsächlich durch die 1950 von Theodor W. Adorno, Else Frenkel-Brunswik, Daniel J. Levinson und R. Nevitt Sanford veröffentlichte Studie The Authoritarian Personality geprägt. Die Studie war Teil eines großen Forschungsprojektes an der University of California, Berkeley über die psychologischen Grundlagen von Vorurteilen, insbesondere solchen antisemitischer Art.
Die Theorie der Autoritären Persönlichkeit bezeichnet ein typisches Muster von Einstellungen und Persönlichkeitseigenschaften, die ein Potential für antidemokratische und faschistische Einstellungen und Verhaltensweisen bilden sollen. Während die Facetten des autoritären Verhaltens bzw. der Autoritarismus von vielen Autoren ähnlich beschrieben werden, unterscheiden sich die theoretischen Erklärungen, wie diese autoritären Züge durch spezifische psychische Verarbeitungsmuster wichtiger emotionaler Erfahrungen während der Kindheit und Jugend (Pubertät und Adoleszenz) entstehen
https://de.wikipedia.org/wiki/Autorit%C3%A4re_Pers%C3%B6nlichkeit

Vor dem Hintergrund dieses gesellschaftspolitischen Selbstverständnisses in der SBZ war es nur konsequent, daß die SED 1950 offiziell den Nationalsozialismus und dessen Folgen für überwunden erklärte. Im Juli 1950 beschloß der III. Parteitag der SED, daß in der DDR „die Wurzeln des Faschismus ausgerottet worden“ seien (Dokumente 1952: 97). Damit existierte für sie das Problem nur noch mit Blick auf die Bundesrepublik.
https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-322-94201-2_13

1951

Ein wichtiges Indiz für die veränderte Mentalität war die Verabschiedung des Gesetzes betreffend Art. 131 des Grundgesetzes im Jahre 1951, das die Versorgung und Wiedereinstellung der im Rahmen der Entnazifizierung »verdrängten« Beamten in den Staatsdienst regelte, sowie die Straffreiheitsgesetze aus den Jahren 1950 und 1954, die unter bestimmten Bedingungen eine Amnestie auch für untergetauchte NS-Funktionäre zusicherte.
https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945

Nach einer Rede von Konrad Adenauer im deutschen Bundestag im September 1951, in der er die Bereitschaft der Bundesregierung zur Entschädigung für Verbrechen der Deutschen an Juden erklärte, berief Nahum Goldmann, der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, eine Konferenz von 23 jüdischen Organisationen nach New York ein. Die Teilnehmer einigten sich auf eine Organisationsform, die die verschiedenen materiellen Ansprüche bündeln sollte. Diese war bei den Regierungsgesprächen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel weiterer Verhandlungspartner in Wiedergutmachungsfragen. Während der Staat Israel Ansprüche israelischer Bürger geltend machte, vertrat die Jewish Claims Conference die Interessen der außerhalb Israels lebenden Juden oder ihrer Erben, besonders in den USA.
https://de.wikipedia.org/wiki/Jewish_Claims_Conference

Leon Poliakov und François Mauriac veröffentlichen 1951 unter dem Titel Bréviaire de la haine (Saat des Hasses) die erste umfangreiche Studie über den Judenhass und die Vernichtungspolitik der Nazis, sowie deren historische und geistesgeschichtliche Wurzeln.
https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9on_Poliakov

Die Stille Hilfe für Kriegsgefangene und Internierte ist eine 1951 von Helene Elisabeth von Isenburg gegründete Hilfsorganisation, die vor allem durch ihre Unterstützung von NS-Tätern in die Kritik geriet.
Durch Erbschaften und durch regelmäßige Spenden verfügte der Verein seit Gründung durchgängig über beträchtliche Geldmittel. Die Zahlen des Jahres 1993 sind öffentlich bekannt. Demnach hatte die Stille Hilfe 1993 Einnahme von 150.253,81 DM aus Spenden, Erbschaften und Zinsen, Ausgaben in Höhe von 209.507,47 DM und auf Festgeldkonten ein Vermögen von 318.559,45 DM.[3]
Vorsitzende nach von Isenburg (bis 1959) waren bis 1992 die ehemaligen BDM-Führerinnen Gertrud Herr und Adelheid Klug. Geführt wird die „Stille Hilfe“ seit 1992 von Horst Janzen, zuvor Kassenprüfer des Vereins und beim Düsseldorfer Majdanek-Prozess als Betreuer und Beobachter im Auftrag der „Stillen Hilfe“.
1992 wurde der Sitz nach Wuppertal verlegt. 1993/1994 kam es zu einer politischen Debatte im Bundestag über die Gemeinnützigkeit des revisionistischen rechtsradikalen Vereins und zu einer Prüfung durch die Finanzbehörden. Erst im November 1999 entschied der Bundesfinanzhof, dass der „Stillen Hilfe“ die „Gemeinnützigkeit“ abzuerkennen ist.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stille_Hilfe_f%C3%BCr_Kriegsgefangene_und_Internierte

1952

Die innenpolitischen Widerstände gegen eine Wiederbewaffnung waren enorm. Vor allem die beiden großen Parteien SPD und CDU waren völlig gegensätzlicher Meinung über die Frage, ob es moralisch zu verantworten sei, dass die neue Bundesrepublik Deutschland nach der Hitler-Diktatur im vorangegangenen Deutschen Reich über eine Armee verfügen sollte. Trotzdem führte schon die Debatte um die Bewaffnung zur Gründung von Friedensbewegungen wie zum Beispiel der Ohne mich-Bewegung. Der Deutsche Bundestag stimmt gegen die Stimmen der SPD am 8. Februar 1952 einem deutschen Verteidigungsbeitrag grundsätzlich zu.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Bundeswehr

Otto Küster wurde von der  Bundesregierung 1952 zum stellvertretenden Leiter der deutschen Israel-Delegation im Haag ernannt. Mit durch seinen Einfluss kam damals der Wiedergutmachungsvertrag mit dem Staate Israel zustande. Gerade er setzte sich dafür ein, dass die Versöhnung mit Israel dem deutschen Volke und seiner Regierung ein fühlbares Opfer wert sein müsse und dass zugleich der Staat Israel seine Sühnegeldforderung von 4,2 auf 3 Milliarden ermäßigte
http://www.freiburger-rundbrief.de/de/?item=1000

1952 unterzeichnete Kanzler Adenauer ein milliardenschweres Entschädigungsabkommen mit Israel – aus einer „zwingenden moralischen Verpflichtung“ heraus, wie er erklärte. Doch lange zurückgehaltene Kabinettsprotokolle belegen, dass er auch andere Motive hatte. Adenauer sei offenbar nur „aufgrund des Drucks der USA zu den Wiedergutmachungsverhandlungen bereit“ gewesen.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/adenauers-wiedergutmachung-fuer-israel-a-888997.html

Nach Gründung der Bundesrepublik  folgte mit dem Deutschland-Vertrag von 1952 die Übertragung wesentlicher Souveränitätsrechte an die westdeutsche Regierung. Als Voraussetzung hierfür musste sie sich in den Artikeln 3 und 4 des Überleitungsvertrags zu Entschädigungs- und Rückerstattungsleistungen, Ausgangspunkt für die entsprechende Gesetzgebung, verpflichten. (Rolf Surmann, konkret 6/2018 S.32)

Der Prozess gegen Philipp Auerbach
Phillipp Auerbach war ein Überlebender des Holocaust und in der Zeit von 1946 bis 1951 Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte in München. Er war vor allem für die Wiedergutmachung zugunsten ehemaliger Verfolgter des NS-Regimes zuständig. Daneben war er Mitglied des ersten Direktoriums des Zentralrats der Juden in Deutschland. 1951 wurde ein Prozess wegen Veruntreuung und Betrug gegen Auerbach geführt. Das Gericht bestand aus ehemaligen Nationalsozialisten. In der Nacht nach der Urteilsverkündung beging Auerbach Suizid, 1954 wurde er durch einen Untersuchungsausschuss des Bayerischen Landtags rehabilitiert.
https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Auerbach


23.10.1952 Verbot der 1949 gegründeten Sozialistischen Reichspartei
Das Parteiprogramm der SRP basierte in wesentlichen Teilen auf dem der NSDAP.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Reichspartei

1953

Londoner Schuldenabkommen
Die Frage deutscher Reparationen für Verluste und Schäden im Zweiten Weltkrieg war bei den Londoner Verhandlungen kein offizielles Thema. Alle ausstehenden[2] Forderungen auf Reparationen wurden im Londoner Abkommen bis zu dem Zeitpunkt einer endgültigen Regelung zurückgestellt (Artikel 5 Abs. 2[3] LSA); sie sollten bis zum Abschluss eines förmlichen Friedensvertrags – eine wörtliche Bezugnahme auf diesen fehlt allerdings – aufgeschoben werden, der jedoch nie geschlossen wurde: 1990 wurde der Zwei-plus-Vier-Vertrag „anstatt eines Friedensvertrages“ unterzeichnet. Daraus ergibt sich, dass die Reparationsfrage nach dem Willen der Vertragspartner – der vier Siegermächte sowie der beiden deutschen Staaten[4] – nicht mehr geregelt werden sollte.[5]
https://de.wikipedia.org/wiki/Londoner_Schuldenabkommen

Für die Gegner Konrad Adenauers und der CDU ist die Nachricht ein Skandal: Am 27. Oktober 1953 wird Hans Globke Staatssekretär im Bundeskanzleramt. Der promovierte Jurist war schon im „Dritten Reich“ ein hoher Beamter.
Für den damaligen SPD-Abgeordneten Egon Bahr ist rückblickend klar: „Es war die unausgesprochene Amnestie für hohe NS-Funktionäre.“
https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-hans-globke-staatssekretaer-kanzleramt-100.html?fbclid=IwAR0c-WVEWiv_ADSowPJTOoOm2F-ut7VsnC4eaeANVniiyJ3weowZiTTLI4o

1954

Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden
Für sein 1954 fertiggestelltes Hauptwerk The Destruction of the European Jews (Auf Deutsch Die Vernichtung der europäischen Juden) wertete Hilberg zahllose Quellen aus, um die gesamte Geschichte des Holocausts zu analysieren. Erst nach einer Odyssee von sechs Jahren durch fünf Verlage wurde seine Dissertation von dem kleinen amerikanischen Verlag Quadrangle Books (Chicago) verlegt (engl. The Destruction of the European Jews, 1961). Ein wohlhabender Gönner, Frank Petschek,[4] finanzierte eine Auflage von 5.500 Exemplaren, um diese wenigstens Bibliotheken anbieten zu können.[5] Historiker von Yad Vashem beanstandeten Hilbergs kritische Einschätzung des aktiven und passiven jüdischen Widerstandes. Hans Mommsen führt für diese Abwehr folgenden Grund an: „Zu Beginn der 50er Jahre neigten fast alle Überlebenden, auch die jüdischen Verbände in den USA, sowie die internationale historische Forschung dazu, die Erinnerung an den Holocaust herunterzuspielen, ja zu verdrängen.“[6] Auch bei Hannah Arendt, die 1959 ein Gutachten zu Hilbergs Dissertation verfasste, stieß seine akribische Untersuchung zunächst auf Ablehnung.[7] Am 22. Oktober 2012 veranstaltete Yad Vashem ein internationales Symposium anlässlich der Publikation der hebräischen Übersetzung von Hilbergs Hauptwerk.[8]
Der deutsche Verlag Droemer Knaur, der bereits 1963 die Rechte an Hilbergs Werk erworben hatte, entschied sich Ende 1965 gegen eine Veröffentlichung des Buchs. Auch die Verlage Rowohlt und Beck lehnten eine Publikation ab, andere schwiegen zum Thema. Der Spiegel sprach von einer „seit Jahren überfälligen Übersetzung“.[9] Der Berliner Verlag Olle & Wolter brachte das Buch 1982 in einer gebundenen Ausgabe auf Grundlage der Originalausgabe von 1961 mit Korrekturen und Ergänzungen heraus. Trotz guter Rezensionen erreichte das Buch wegen seines hohen Preises nur einen kleinen Leserkreis. Auch die Lizenzausgabe, die im selben Jahr 1982 in der Büchergilde Gutenberg erschien, konnte keine große Verbreitung bewirken. Walter Pehle, Lektor für Zeitgeschichte im S. Fischer Verlag, gelang es 1990 gegen interne Widerstände, Hilbergs Hauptwerk als Taschenbuch aufzulegen. Mommsen urteilt, dass damit ein „Stück skandalöser Einschränkung der Publikationsfreiheit in der Bundesrepublik beendet wurde“.[6] Im Nachruf der Frankfurter Rundschau wurde moniert, dass eine „Publikationsgeschichte von Raul Hilbergs Hauptwerk […] noch nicht geschrieben“ worden sei.[10]
Hilbergs umfassende Darstellung der Shoah gilt weiterhin als Standardwerk zum Thema und wurde vom Autor ständig aktualisiert.[11] Hilberg wies darin auf die vielen mitwirkenden Personen und nationalsozialistischen Organisationen hin, die durch Forderungen und Initiativen zur Entschlussbildung der „Endlösung“ beitrugen.

Hilberg setzte sich damit von intentionalistischen Historikern der NS-Forschung wie Eberhard Jäckel, Helmut Krausnick oder Klaus Hildebrand ab, die behaupteten, Hitler habe mit der Endlösung seine lange vorher gefassten Pläne stringent umgesetzt. Ähnlich wie die Funktionalisten unter den Historikern, namentlich Martin Broszat, Hans Mommsen und Christopher Browning, deutete Raul Hilberg den Entschluss zum Holocaust als prozesshaften Vorgang einer kumulativen Radikalisierung, der allerdings ohne die Person Hitlers nicht denkbar wäre.
https://de.wikipedia.org/wiki/Raul_Hilberg

Robert Lowie: Toward Understanding Germany. University of Chicago Press; Auflage: New edition (Oktober 1976) erste Auflage 1954

Februar 1954: Das zweite Straffreiheitsgesetz
https://www.das-parlament.de/2019/52_1/im_blickpunkt/674876-674876

Bundesentschädigungsgesetz
Die Bedeutung Küsters wird weit über die Grenzen Deutschlands hinaus anerkannt. So schreibt der in New York in deutscher Sprache erscheinende  ,Aufbau‘ (vom 9.7.1954):
„… Küster ist ohne Zweifel das Gewissen Deutschlands in der Wiedergutmachungsfrage. Als im Bundesrat der Küster-Entwurf für ein Bundesentschädigungsgesetz durch zahlreiche Abänderungsanträge so abgeändert war, dass Küster nur noch die Form, aber nicht den Inhalt seines Entwurfes erkennen konnte, stimmte er gegen das Gesetz.
http://www.freiburger-rundbrief.de/de/?item=1000

1955

Nacht und Nebel (Originaltitel: Nuit et brouillard), ein französischer Film, ist der erste Dokumentarfilm nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges über die Vernichtungslager, insbesondere auch das KZ Auschwitz, und den Holocaust in der Zeit des NS-Regimes. Der Film wurde 1955 von Anatole Dauman auf Initiative des Historikers Henri Michel produziert. Regie führte Alain Resnais. Die Filmmusik komponierte Hanns Eisler.
https://de.wikipedia.org/wiki/Nacht_und_Nebel_(Film)

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es zunächst Widerstände gegen die Gründung einer neuen deutschen Armee – sowohl von Seiten der Besatzungsmächte als auch von Teilen der Bevölkerung. In den folgenden Jahren nahmen aber die Stimmen zu, die eine Bewaffnung des 1949 neu gegründeten Staates Bundesrepublik Deutschland forderten. Die Geburtsstunde der Bundeswehr selbst schlug schließlich am 12. November 1955, als den ersten Soldaten ihre Ernennungsurkunden in der Ermekeilkaserne überreicht wurden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Bundeswehr

Leon Poliakov und Joseph Wulf: Das Dritte Reich und die Juden. Dokumente und Aufsätze.  Arani, Berlin 1955
https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Wulf

Plädoyer von Otto Küster 1955 vor dem Oberlandesgericht Frankfurt am Main im Prozess gegen die I. G. Farben gehalten ist, unter dem Titel Das Minimum der Menschlichkeit, in die Rechtsgeschichte eingegangen“.
1955 zählte er zu den Anwälten Norbert Wollheims, der wegen seiner Auschwitzer NS-Zwangsarbeit einen Prozess gegen die I. G. Farben angestrengt hatte. Küster hielt ein Aufsehen erregendes Plädoyer.[5] Das Plädoyer begann mit dem Satz: „Von den Juden, die in den Bunawerken der IG Farben gearbeitet haben, wurden 23 000 wegen „ungenügender Arbeitsleistung“ vergast.“ http://freiburger-rundbrief.de/de/?item=1179

Gegen die übliche Haltung, rohe Meister und Vorarbeiter für die an den ZwangsarbeiterInnen begangenen Grausamkeiten verantwortlich zu machen, unterstrich Küster den Schuldanteil der Eigner und leitenden Angestellten des beklagten Unternehmens und stellte unter anderem fest:
“Die Beklagte hält es für richtig, zu fragen, aus welchem Rechtsgrund sie denn eigentlich den Häftlingen gegenüber verpflichtet gewesen sein solle, ihr Schicksal zu verbessern. Das Landgericht hat ihr darauf schon zur Antwort gegeben: Weil das Recht, das ihr das nicht zur Pflicht machen würde, diesen Namen nicht verdient.“
Hier berührt Küster die grundsätzliche Problematik eines Rechtes, das Formulierungen von Tat- oder Unterlassungsbeständen wichtiger als den Gegenstand des Rechtes nimmt, den Menschen.[6] Im Ergebnis führten die Bemühungen von Wollheim und seinen Anwälten immerhin auch zu gewissen Entschädigungen von zahlreichen anderen ZwangsarbeiterInnen.
https://www.jewiki.net/wiki/Otto_K%c3%bcster

1956

Der Bundesgerichtshof schrieb in seinem Urteil vom 7. Januar 1956 (AZ IV ZR 211/55), Sinti und Roma seien aufgrund ihrer „asozialen“ Eigenschaften und nicht aus rassischen Gründen verfolgt worden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesentsch%C3%A4digungsgesetz

Leon Poliakov und Joseph Wulf: Das Dritte Reich und seine Diener. Berlin 1956
https://de.wikipedia.org/wiki/L%C3%A9on_Poliakov

1958

Der Roman Exodus von Leon Uris erscheint in den USA und Deutschland
https://de.wikipedia.org/wiki/Exodus_(Roman)

Der Ulmer Einsatzgruppen-Prozess begann am 28. April 1958 vor dem Schwurgericht Ulm und richtete sich gegen zehn Gestapo-, SD- und Ordnungspolizeiangehörige, Teile des Einsatzkommando Tilsit, das zwischen Juni und September 1941 laut einem Bericht Walter Stahleckers 5.502 jüdische Kinder, Frauen und Männer im litauisch-deutschen Grenzgebiet ermordet hatte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ulmer_Einsatzgruppen-Prozess

Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen (im Weiteren auch nur „Zentrale Stelle“ genannt) hat ihre Tätigkeit als gemeinschaftliche Einrichtung aller Landesjustizverwaltungen der Bundesrepublik Deutschland am 1. Dezember 1958 aufgenommen.
http://www.zentrale-stelle.de/pb/,Lde/Startseite/Einrichtung/Gruendung+und+Zustaendigkeit

Im Rahmen der Vorbereitungen zur Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ initiierte Reinhard Strecker zwei Petitionen an den Deutschen Bundestag, in denen die mangelhafte juristische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Medizinverbrechen und Justizverbrechen sowie die Weiterbeschäftigung der an den Verbrechen beteiligten Mediziner und Justizjuristen kritisiert wurde. 1958 verabschiedete und unterstützte der Allgemeine Studentenausschuss (AStA) der Freien Universität Berlin die Petition.
https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Strecker_(Aktivist)

Ist das ein Mensch? (Se questo è un uomo) ist Primo Levis (1919–1987) autobiographischer Bericht über seinen elfmonatigen Zwangsaufenthalt im KZ Auschwitz III Monowitz (1944–45), aus dem er als einer der wenigen Überlebenden befreit werden konnte. Das Buch wurde zwischen 1945 und 1947 verfasst. Durch die Sachlichkeit des Berichtes, bei der sowohl auf Urteile als auch auf explizite Gefühlsäußerungen verzichtet wird, unterscheidet sich das Werk von anderen autobiographischen Holocaust-Romanen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ist_das_ein_Mensch%3F

1959

Nachdem er in der FR einen Bericht über die Zustände im Wiesbadener Versorgungsamt veröffentlicht hatte, deren Mitarbeiter die Entschädigungsanträge von Holocaustüberlebenden nur widerwillig bearbeiteten und sich zudem als alte Nazis zu erkennen gaben, bat ihn ein ehemaliger KZ-Häftling aus dem Konzentrationslager Auschwitz um Hilfe bei seinem Wiedergutmachungsantrag. Dieser gab ihm bei der Gelegenheit Teile einer von ihm bei Kriegsende aus den Trümmern des SS- und Polizeigerichts XV. Breslau aufgelesenen Akte, in der es um die bürokratische Abwicklung von 1942 „auf der Flucht erschossenen“ KZ-Häftlingen ging.[8] Gnielka schickte die acht Blätter, die vom Lagerkommandanten Rudolf Höß unterzeichnet waren, am Folgetag, dem 15. Januar 1959, an den hessischen Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, dem daraufhin vom Bundesgerichtshof die Ermittlungen für Straftaten im Konzentrationslager Auschwitz übertragen wurden, was überhaupt erst die Einleitung des Frankfurter Auschwitzprozesses möglich machte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Gnielka

Adorno: „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit?“
Darin sagt er: „Gerade weil der Hunger auf ganzen Kontinenten fortwährt, obwohl er technisch abgeschafft werden könnte, vermag keiner so recht am Wohlstand sich zu freuen.“
In Gedenken des Holocaust wird der Bezug zur Gegenwart, zum Hunger, selten thematisiert.
Am Ende heißt es: Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursachen des vergangenen beseitigt wären. Nur weil die Ursachen fortbestehen, ward sein Bann bis heute nicht gebrochen.“
Vortrag vor dem Koordinierungsrat für christlich-Jüdische Zusammenarbeit, Herbst 1959, gesendet vom Hessischen Rundfunk am 7.2.1960. Veröffentlich in Theodor W. Adorno: Erziehung zur Mündigkeit

Gemeinsam mit Klaus Kinski und Jörg Henle gründete Thomas Harlan 1958 das Junge Ensemble in Berlin. Die Uraufführung seines Theaterstücks „Ich selbst und kein Engel – Chronik aus dem Warschauer Ghetto“ wurde zum Skandal, den der Autor Hans Habe später in seinem Roman Christoph und sein Vater verarbeitete. 1959 erhielt Harlan die ersten einer ganzen Reihe von Verleumdungsklagen, unter anderem von dem damaligen FDP-Bundestagsabgeordneten Ernst Achenbach und Franz Alfred Six

Thomas Harlan trat bei der 50. Aufführung vor die Bühne und erklärte, sichtlich erregt: Vier große Einsatzkommandos hätten die Liquidation der Juden in Polen ausgeführt; zwei Anführer dieser Kommandos, Pohl und Ohlendorf, seien in Nürnberg gehenkt worden; zwei andere, Heinz Jost und Professor Six, jedoch lebten „unter uns“, und zwar in Düsseldorf, der eine als Immobilien-Makler; das „Junge Ensemble“ rufe dazu auf, daß endlich, endlich die deutsche Justiz gegen diese Henker Hitlers vorgehe.
https://www.zeit.de/1959/04/sind-die-henker-noch-immer-unter-uns/seite-2

Ausstellung „Ungesühnte Nazijustiz“ von dem SDS-Mitglied Reinhard Strecker organisiert und von 1959 – 1962 in zehn Universitätsstädten gezeigt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Strecker_(Aktivist)

Thomas Gnielka: Falschspiel mit der Vergangenheit. Rechtsradikale Organisationen in unserer Zeit. – Der Sonderdruck fasst die im Jahre 1959 gestartete Artikelserie der Frankfurter Rundschau zum Thema dokumentarisch zusammen „und vermittelt somit jedem Leser ein geschlossenes Bild der rechtsradikalen Organisationen, ihrer Hintermänner und ihrer Pläne.“ – Aus dem Inhalt: I. „Das deutsche Volk muss wieder auf Vordermann gebracht werden“. Mit Messer und Schulterriemen für Freiheit und Reich / 40.000 rechtsradikale Jugendliche marschieren in der Bundesrepublik. – II. Der wilde Traum vom neuen Reich. Die Verschwörung von Rechts in der Bundesrepublik. – III. Man hebt den rechten Arm zum Gruß. Faschisten aller Länder vereinigen sich unter bekannten Emblemen. – IV. „Aus dem faulen Boden übertünchter Gräber“. – Zahl der NS-Rechtfertiger ist Groß – Verlage geben erfolgreich „Schützenhilfe“. – V. Einen Wall gegen die Zersetzung bilden. NS-Gedanken in bundesbürgerlichen Köpfen – „Hitler ohne Krieg: ein großer Staatsmann.“ – VI. Eine Drachensaat ist aufgegangen. Deutsche Reichspartei und Haus Ludendorff – Geistiger Nährboden der Tat von Köln. – VII. Aufstand der Dummköpfe und Psychopathen? Notwendige Feststellungen zur Frage nach den Hintergründen der neofaschistischen Ausschreitungen.

Die Brücke. Antikriegsfilm von Bernhard Wicki
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Br%C3%BCcke_(1959)

1960

Im Frühjahr 1960 erstattete Strecker gemeinsam mit Wolfgang Koppel im Auftrag des SDS Strafanzeige gegen 49 wiederamtierende ehemalige NS-Richter wegen des Verdachts auf Rechtsbeugung in Tateinheit mit Totschlag. Über diese Aktionen wurde in der lokalen, nationalen und internationalen Presse umfassend berichtet. Zahlreiche Staatsanwaltschaften im gesamten Bundesgebiet nahmen die Ermittlungen gegen amtierende Justizjuristen auf und der Bundestagsrechtsausschuss debattierte basierend auf den von Strecker gesammelten Aktenkopien die Neufassung von §116 Deutsches Richtergesetz (DRiG), das die vorzeitige Pensionierung politisch belasteter Richter ermöglichen sollte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Strecker_(Aktivist)

Entführung von Eichmann im Mai 1960 in Argentinien

Mein Kampf (Originaltitel: Den Blodiga tiden) ist ein Dokumentarfilm über den Aufstieg Adolf Hitlers und die Diktatur des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 in Deutschland. Der Film beschränkt sich nicht nur auf die Beschreibung des politisch wirksamen Machtsystems der deutschen Variante des Faschismus, sondern beschreibt auch dessen Vorgeschichte seit dem Ersten Weltkrieg. Produziert wurde der zweistündige Film, der das Prädikat besonders wertvoll erhielt, im Jahr 1959 in Schweden vom deutsch-schwedischen Regisseur und Publizisten Erwin Leiser. Am 25. April 1960 hatte der Film seine Uraufführung in Göteborg, wenige Monate später wurde er auch in Deutschland gezeigt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mein_Kampf_(Dokumentarfilm)

Erst als es in der Bundesrepublik im Winter 1959 zu einer auch international Aufsehen erregenden Reihe von „Hakenkreuz-Schmierereien“ gekommen war, wurde im April 1960 eine „Forschungsstelle für die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg“ neu eingerichtet. Die Konzeption vergrößerte den Zeitrahmen der Forschungsarbeit auf die Jahre 1918 bis 1948, um die politischen und sozialgeschichtlichen Gründe für den Aufstieg der Nationalsozialisten herausarbeiten zu können. Auch die antisemitischen Strömungen nach 1945 sollten analysiert werden.
Diese Forschungsstelle, die jedoch wiederum personell und finanziell unzureichend ausgestattet war, arbeitete unter ihrem Leiter Werner Jochmann weiter, der 1986 in den Ruhestand ging. Die Forschungsstelle hatte eine Reihe fachwissenschaftlich anerkannter Publikationen geliefert. Allerdings gab es darunter kaum öffentlichkeitswirksame Beiträge speziell zum Dritten Reich und zum nationalsozialistischen Terror. Scharf angegriffen wurde die Forschungsstelle 1984 daher von der Grün-Alternativen Liste (GAL). Sie monierte „Arroganz und Untätigkeit“ der Forschungsstelle, die die „Legende vom liberalen, weltoffenen Hamburg“ nicht widerlegt habe; erst die „Laienforscherbewegung“ habe den „Mustergau Hamburg“ als einen schönfärberischen Mythos entlarvt.[1] 1984 war nämlich in Hamburg das von der GAL mitfinanzierte Buch Heilen und Vernichten im „Mustergau Hamburg“ erschienen, das von seinerzeitigen Laienhistorikern verfasst worden war. In diesem Buch war nahezu erstmals in einer seriösen Publikation detailliert die Durchführung und Beteiligung Hamburger Politiker und Behörden an Unrechtsaktionen der Nationalsozialisten wie u. a. den Euthanasiemorden, der Verfolgung der Juden und der Misshandlung der aus Osteuropa stammenden Zwangsarbeitern offengelegt worden.[2]
Nunmehr rückten die Zeit des Dritten Reiches, die Verfolgung und Vertreibung als Forschungsgegenstand stärker in den Vordergrund der Arbeit. Mit dem Projekt „Hamburger Lebensläufe – Werkstatt der Erinnerung“ wurde die „Oral History“ dokumentiert. Danach wechselten die Direktoren häufig. Nachfolger Jochmanns wurde 1988 Detlev Peukert, der aber schon zwei Jahre später starb. Ihm folgte der renommierte Wissenschaftler Ulrich Herbert, der 1995 der Forschungsstelle eine Professur in Freiburg vorzog.

https://de.wikipedia.org/wiki/Forschungsstelle_f%C3%BCr_Zeitgeschichte_in_Hamburg

1961

Der Eichmann-Prozess vor dem Jerusalemer Bezirksgericht (Aktenzeichen 40/61) begann am 11. April und endete am 15. Dezember 1961 mit dem Todesurteil, das am 29. Mai 1962 durch das Berufungsgericht bestätigt wurde.

1961 gründete Simon Wiesenthal  in Wien erneut ein Jüdisches Dokumentationszentrum. Auch dieses Zentrum konnte nur aufgrund von Spenden arbeiten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Simon_Wiesenthal

Das Buch Die Vernichtung der europäischen Juden – im englischen Original The Destruction of the European Jews – ist die 1961 erschienene Dissertation des amerikanischen Historikers Raul Hilberg. Hilberg wertete für das Buch zahlreiche bis dahin kaum verwendete Quellen der deutschen nationalsozialistischen Führung von 1933 bis in die unmittelbare Nachkriegszeit aus. Sein Ziel war es, die gesamte Geschichte der Judenvernichtung im Machtbereich des Deutschen Reichs zu analysieren, die heute als Schoah (in Israel, im Umfeld der Opfer, im französischsprachigen Raum) oder Holocaust (meist im angelsächsischen Raum) bezeichnet wird.  An eine derartige Gesamtsicht der deutschen NS-Judenverfolgung und -vernichtung hatte sich bis dahin kein Historiker gewagt. Diese Arbeit blieb das wichtigste Werk Hilbergs. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Vernichtung_der_europ%C3%A4ischen_Juden

1962

Am 1.6.1962 wird Eichmann hingerichtet

Vorzeitige Zur-Ruhesetzung von 149 NS-belasteten Richtern infolge der anstehenden Verabschiedung eines neuen Richtergesetzes im Jahre 1962.
https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945

1963

Der Stellvertreter ist ein Schauspiel des deutschen Schriftstellers Rolf Hochhuth aus dem Jahr 1963, das die Haltung des Vatikans zum Holocaust thematisiert.
Das Theaterstück besteht aus fünf Akten und ist in freien jambischen Versen verfasst. Es schildert die Versuche des fiktiven Jesuitenpaters Riccardo Fontana, das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche, Papst Pius XII., von der Deportation und massenhaften Vernichtung von Juden in Konzentrationslagern durch NS-Deutschland in Kenntnis zu setzen. Fontana drängt den Papst im Oktober 1943 während der Deportation der römischen Juden in das Vernichtungslager Auschwitz zu einem deutlichen Protest gegen die Vernichtung der europäischen Juden. Als sein Appell vergeblich bleibt, wählt Fontana das Martyrium und schließt sich den Deportierten an.
Hochhuths „christliches Trauerspiel“ wurde am 20. Februar 1963 in West-Berlin am Theater am Kurfürstendamm – dem damaligen Haus der Freien Volksbühne – uraufgeführt. Regie führte der Intendant der Freien Volksbühne, Erwin Piscator. Die Premiere rief weitreichende Kontroversen hervor („Stellvertreter-Debatte“) und führte zu internationalen diplomatischen Verwicklungen. Das Stück wurde bis heute in über 25 Ländern aufgeführt und 2002 von dem griechisch-französischen Regisseur Constantin Costa-Gavras verfilmt.
Im Februar 2020 gab der Vatikan bekannt, dass die Akten im Vatikan-Archiv zu Pius XII ab März zugänglich gemacht werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Stellvertreter



Als Auschwitzprozesse bezeichnet die Presse jene Gerichtsverfahren, welche gegen SS-Leute des nationalsozialistischen KZ Auschwitz geführt wurden. Dieser Lagerkomplex hatte eine Doppelfunktion als Konzentrations- und Vernichtungslager.
In den Nachkriegsjahren wurden lediglich Täter verurteilt, deren Mord-Beteiligung unmittelbar nachgewiesen werden konnte. Urteile ergingen unter anderem in den sechs Strafprozessen vor dem Schwurgericht in Frankfurt am Main in den Jahren 1963–1965 (erster Auschwitzprozess), 1965/66 (zweiter Auschwitzprozess) und 1967/68 (dritter Auschwitzprozess) sowie in drei Nachfolgeprozessen in den 1970er Jahren. Auch außerhalb Deutschlands fanden Auschwitzprozesse statt, zum Beispiel der Krakauer Auschwitzprozess.
https://de.wikipedia.org/wiki/Auschwitzprozesse

1964

Auch in der Bundesrepublik erstattete Hans Globke 1964 gegen Thomas Harlan Anzeige wegen Landesverrats aufgrund der Benutzung von Vernehmungsprotokollen der deutschen Justiz in polnischen Veröffentlichungen. Er wurde nicht verurteilt, erhielt aber für 10 Jahre keinen deutschen Reisepass und konnte sich in dieser Zeit nicht legal in der Bundesrepublik aufhalten.


28.11.1994 Gründungsversammlung der NPD

1965

Am 2. Juli 1965, wurde in Ostberlin das „Braunbuch. Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik – in Staat, Wirtschaft, Verwaltung, Armee, Justiz, Wissenschaft“ vorgestellt. In seiner ersten Auflage listete es die SS-Dienstränge und NS-Parteiämter von 1800 Wirtschaftsführern, Politikern und führenden Beamten der Bundesrepublik Deutschland auf, in der dritten Auflage von 1968 sogar von über 2.300 Personen — darunter von 15 Ministern und Staatssekretären, 100 Generälen und Admirälen der Bundeswehr, 828 Richtern, Staatsanwälten und hohen Justizbeamten, 245 leitenden Beamten des Auswärtigen Amtes und 297 hohen Polizeiangehörigen und Mitarbeitern der Verfassungsschutzbehörden
https://www.wsws.org/de/articles/2015/07/04/brau-j04.html

Eine neue Historikergeneration trat vor den Gerichten auch als Gutachter auf und sie veröffentlichten ihre Ergebnisse in Buchform. Sie erschienen 1965 unter dem Titel Anatomie des SS-Staates. Die darin enthaltenen Studien von Krausnick über die nationalsozialistische Judenverfolgung und –vernichtung, von Broszat über das KZ-System, von Buchheim über SS und Polizei sowie von Jacobsen über den Kommissar-Befehl analysierten Motivation, Struktur und Vorgehensweise der NS-Regimeführung eindringlich.
https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945

1965 wurde das Bundesentschädigungsgesetz überarbeitet und als Schlussgesetz konzipiert mit der Konsequenz, dass ab 1969 keine Neuanträge mehr möglich waren.
„Diese Politik ist Ausdruck einer ‚Bewältigungsstrategie‘, die von der Vorstellung geprägt war, die deutschen Verbrechen gegen die Menschheit mit selektiven und eng begrenzten Zahlungen, die zudem vom deutschne ‚Leistungsvermögen‘ abhängig gemacht wurden, ‚wiedergutmachen zu können‘, wie es geschichtsrevisionistisch heißt.
Rolf Suhrmann in konkret 6/2018, S. 31

Die großen Verjährungsdebatten des Bundestages in den Jahren 1965, 1969 und 1979, in deren Folge die Verjährungsfristen für Mord im Zusammenhang von NS-Verbrechen verlängert und schließlich aufgehoben wurden.
https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945

1966

Andreas Biss: Der Stopp der Endlösung.
https://www.zeit.de/1967/08/menschenhandel-in-budapest

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46274498.html

Jean Améry: Jenseits von Schuld und Sühne. Bewältigungsversuche eines Überwältigten. München 1966
Eine autobiographische Essaysammlung des österreichischen Schriftstellers und Auschwitz-Überlebenden Jean Améry. Das Werk gehört zu den zentralen Texten der deutschsprachigen Holocaustliteratur und ist gekennzeichnet durch eine radikale Selbstbefragung des Autors, welche auf eine „Wesensbeschreibung der Opfer-Existenz“[1] zielt. Gleichzeitig reflektiert Améry in seinen Essays die Verdrängungs- und Exkulpationsmomente der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft. Seine zentrale Forderung lautet, dass dem jüdischen Verfolgten ein gleichberechtigter Raum in der öffentlichen Diskussion über die nationalsozialistische Vergangenheit eingeräumt werden muss.
https://de.wikipedia.org/wiki/Jenseits_von_Schuld_und_S%C3%BChne

Das Institut für die Geschichte der deutschen Juden (IGdJ) ist eine Stiftung bürgerlichen Rechts in Trägerschaft der Freien und Hansestadt Hamburg. Das Institut wurde 1966 eröffnet und war die erste Forschungseinrichtung in Deutschland, die sich ausschließlich mit der deutsch-jüdischen Geschichte beschäftigt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_f%C3%BCr_die_Geschichte_der_deutschen_Juden 
und
http://www.igdj-hh.de/geschichtomat.html

1967

Graubuch. Expansionspolitik und Neonazismus in Westdeutschland. Staatsverlag DDR

Wolfgang Fritz Haug: „Der hilflose Antifaschismus. Zur Kritik der Vorlesungsreihen über Wissenschaft und NS an deutschen Universitäten“; Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1967; 159 Seiten, 3,– DM. https://www.zeit.de/1968/41/zweifel-am-antifaschismus

Wahlerfolge der NPD
1967 zog die NPD dank eines riesigen Werbeaufwandes in vier weitere Landtage ein.[14] In Bremen erreichte sie 8,8%[15], in Niedersachsen 7,0%[16], in Rheinland-Pfalz 6,9%[17] und Schleswig-Holstein 5,8%[18] der abgegebenen Stimmen. Ein Jahr später erzielte die Partei im April 1968 in Baden-Württemberg mit 9,8% ihr bestes Ergebnis.[19] Zu diesem Zeitpunkt war sie mit 61 Abgeordneten in sieben Landtagen vertreten.
http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/die-npd-in-den-1960ern-geschichte-und-ideologie/

Eberhard Czichon: Wer verhalf Hitler zur Macht? Zum Anteil der deutschen Industrie an der Zerstörung der Weimarer Republik. Köln 1967.

1968

Wolfgang Fritz Haug: Das Ende des hilflosen Antifaschismus
http://www.trend.infopartisan.net/trd1018/t011018.html


Verdeckte Amnestie der Schreibtischtäter
Im Oktober 1968 ist das sogenannte Einführungsgesetz zum Gesetz über Ordnungswidrigkeiten (EGOWiG) in Kraft getreten. Artikel 1 Ziffer 6 (§ 50 Abs. 2 StGB a.F:) „Fehlen besondere persönliche Eigenschaften, Verhältnisse oder Umstände (besondere persönliche Merkmale), welche die Strafbarkeit des Täters begründen, beim Teilnehmer [an der Mordtat], so ist dessen Strafe nach den Vorschriften über die Bestrafung des Versuchs zu mildern.“ Dementsprechend reduzierte sich auch das für dieses Delikt vorgesehene Strafmaß und – anders als heute § 78 – die damit verknüpfte Verjährungsfrist von 20 Jahren auf 15 Jahre. Da man aber Taten mit einer Höchststrafe von 15 Jahren am 8. Mai 1960 hatte verjähren lassen, waren die Verbrechen sämtlicher Nazi-Mordgehilfen auf einen Schlag rückwirkend seit 1960 verjährt[40] (Der Beginn der Verjährung eines Mords wurde in der Verjährungsdebatte 1965 auf das Jahr 1949 verlegt). Beim Gesetzesentwurf war Dreher die Schlüsselfigur.[41] Ähnlich ging man allerdings auch beim Alternativentwurf 1966 vor.[42] Allerdings ließen alle Gesetzentwürfe der Strafrechtsreform eine Strafminderung mit Verkürzung der Verjährung nicht zu.[43] Erst das Heraustrennen aus der Strafrechtsreformgesetzgebung ermöglichte eine Verjährung.

Rechtsprechung
In der Zeit des einstimmigen Beschlusses des Bundestags vom 10. Mai 1968 bis zum Inkrafttreten am 1. Oktober wurde auf die möglichen Konsequenzen der Änderung hingewiesen. Intern hatte der Ministerialdirigent im Justizministerium Richard Sturm in einem Vermerk am 26. September 1968 auf die möglichen Konsequenzen für NS-Verbrechen hingewiesen.[44]

Bundesgerichtshof
Der Bundesrichter im 5. Strafsenat Rudolf Schmitt wies in Gesprächen auf dem 47. Deutschen Juristentag im September 1968 darauf hin, dass das Gesetz die Verjährung von NS-Verbrechen ermögliche.[45] Der deutschen Öffentlichkeit wurden die Möglichkeit durch die Bild am Sonntag im Dezember 1968 bekannt und der Spiegel wies im Januar 1969 auf die laufenden NS-Prozesse hin.[46][47]

Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofes unter Werner Sarstedt[48] beschloss am 20. Mai 1969 (BGH NJW 1969, 1181 ff.) in einem Grundsatzurteil, dass „solche Beihilfe zum Mord nach der neuen Fassung des § 50 Abs. 2 StGB […] verjährt“. Durch dieses Verfahren wurde eine großangelegten Prozessserie um das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) in Berlin vereitelt. Die Richter folgten der Gesetzesbegründung,[49] und verwarfen die anderen Optionen des Generalbundesanwalts, des Kammergerichts und der Strafrechtslehre. Dies hatte zur Konsequenz, dass Art. 1 Ziff. 6 EGOWiG zu einer „verschleierten Amnestie für den größten Teil der Gehilfen bei nationalsozialistischen Gewaltverbrechen“ führte.[50]

Diese „Amnestie“ geschah jedoch überwiegend durch Verfahrenseinstellung seitens der Staatsanwaltschaften unter Berufung auf das unter Sarstedt ergangene Urteil, obwohl der 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofes am 4. März 1971 (4 StR 386/70) erklärte, selbst wenn im Hinblick auf das täterbezogene Mordmerkmal „niedrige Beweggründe“ Verjährung eingetreten sein sollte, so ändere dies nichts, weil durch die Haupttat auch das tatbezogene Mordmerkmal „grausam“ erfüllt sei.[48] Es genüge, dass die Haupttäter mit der grausamen Tötung einverstanden waren und der Angeklagte als Gehilfe dies wusste.[51] Auf dieser Grundlage wurden auch John Demjanjuk 2011 und Oskar Gröning 2015 verurteilt.[48]

Oliver García (dejure.org) stellt daher die Frage, ob der größere Skandal nicht das unter Sarstedt ergangene BGH-Urteil sei und ob es sich dabei um Rechtsbeugung handle.[48]
https://de.wikipedia.org/wiki/Eduard_Dreher

1.Juli 1968 Tod von Fritz Bauer
Am 10. Mai 1968 hatte der Bundestag einstimmig dem Gesetz zugestimmt, das einer verdeckten Amnestie der Schreibtischtäter ermöglichte.
Thomas Harlan: „Das unvermeidbare Ergebnis war, daß mit einem Schlage, von heute auf morgen, sämtliche Verfahren wegen Beihilfe zum Mord, vor allem die gesamten Verfahren zum Reichssicherheitshauptamt, etwa 6.000 Fälle insgesamt, nicht mehr verfolgbar waren, eine sehr groß angelegte Prozesserie platzte: 18 Verfahren gegen 300 Beschuldigte waren schon anklagereif vorbereitet worden, 150.000 Aktenordner ausgewertet. 11 Staatsanwälte hatten jahrelang daran gearbeitet. Mit einem Schlag waren also alle Schreibtischtäter amnestiert, die „nur“ befohlen hatten und nicht mit eigener Hand getötet.“
„Die Abgeordneten sind wahrscheinlich selbst reingelegt worden, aber sie haben auch hinterher nicht korrigiert, daß sie dem Massenmord ihren Segen gegeben haben. Und ab diesem Zeitpunkt ist dieses Land hier ein ganz freiwilliges Verbrecherland geworden.“
Thomas Harlan: Hitler war meine Mitgift. Ein Gespräch mit Jean-Pierre Stephan. 2007 Frankfurt am Main, S. 163ff.

1969

Manfred Messerschmidt: Die Wehrmacht im NS-Staat. Zeit der Indoktrination (= Truppe und Verwaltung Bd. 16). Mit einer Einführung von Johann Adolf Graf Kielmansegg. Von Decker, Hamburg 1969.

1969 kam aus der Feder Karl Dietrich Brachers eine erste wissenschaftliche Gesamtdarstellung des NS-Regimes heraus; sein Verdienst war es, dass eine auf mehr und mehr erschlossene Aktenbestände gestützte Forschung der Struktur und Politik des Regimes in Gang kam.
https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945

1969 veröffentlichte Jean Améry in der Zeit den viel beachteten Essay Der ehrbare Antisemitismus, in dem er sich mit dem fortbestehenden Judenhass nach 1945 und insbesondere einem auf Israel projizierten Antisemitismus in linksintellektuellen Kreisen auseinandersetzte. Er schlussfolgerte: Wenn aus dem geschichtlichen Verhängnis der Juden- beziehungsweise Antisemitenfrage, zu dem durchaus auch die Stiftung des nun einmal bestehenden Staates Israel gehören mag, wiederum die Idee einer jüdischen Schuld konstruiert wird, dann trägt hierfür die Verantwortung eine Linke, die sich selber vergißt.[15] Er thematisierte damit als einer der ersten „antisemitische Tendenzen in der deutschen Linken.“[16] Zeitlebens verstand Améry sich selbst als Teil der Linken und versuchte, diese zu reformieren.[17]
https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Am%C3%A9ry

Lutz Niethammer: Angepasster Faschismus
http://www.moderne-nazis.de/inhalt.php?main=mehr.html

1970
Der Kniefall von Warschau am 7. Dezember 1970 war eine Demutsgeste im Rahmen der von Willy Brandt und seiner Regierung betriebenen Ostpolitik am Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos. Es war eine Geste mit der Bitte um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkriegs.
Einer Spiegel-Umfrage zufolge fanden damals 48 Prozent der Westdeutschen den Kniefall übertrieben, 41 Prozent angemessen, 11 Prozent hatten keine Meinung dazu.[3] Die Presse der DDR erwähnte die Geste nicht.[4]
https://de.wikipedia.org/wiki/Kniefall_von_Warschau

Rolf Surmann, sieht im Kniefall „eine Symbolpolitik, deren zentraler Inhalt die demonstrative Distanzierung von den Verbrechen der Nazi-Zeit ist“. (konkret 6/2018, S.33)

1972
Die Akte Odessa ist der deutsche Titel eines Romans von Frederick Forsyth aus dem Jahr 1972. Der Originaltitel lautet The Odessa File, unter diesem Namen wurde das Buch 1974 auch verfilmt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_der_ehemaligen_SS-Angeh%C3%B6rigen

1973

Alfred Sohn-Rethel: Ökonomie und Klassenstruktur des deutschen Faschismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973.

Darüber hinaus analysierte er wirtschaftspolitische Zusammenhänge, insbesondere beim politischen Aufstieg des „Deutschen Faschismus“ (Nationalsozialismus). Hier legte er vor allem Wert auf die Unterscheidung zwischen dem wirtschaftlich prosperierenden „Brüning-Lager“ (Elektro-, Chemie-, Maschinenbauindustrie, Großbanken) und den defizitären Industriezweigen (Stahl-, Montan-, Bau- und Betonindustrie – mit Ausnahme von Krupp), die er der Harzburger Front zuordnete. Erst die Zustimmung des I.G. Farben-Generalrats Anfang Dezember 1932 zum Programm der „Agrarkartellierung“, einem Interessenkompromiss von Industrie und Großagrariern, habe den Weg zur Diktatur freigemacht. Sohn-Rethel griff dabei auch Überlegungen von Eugen Schmalenbach auf, der 1928 in einem Vortrag die These aufgestellt hatte, dass deutsche Unternehmen wegen steigender Fixkosten besondere Probleme hätten, die letztlich eine staatliche Intervention erforderlich machen würden. Schmalenbach stellte einen Widerspruch zwischen „technischer Rationalität“ und „ökonomischer Rationalität“ fest (bei Sohn-Rethel dann Widerspruch zwischen „Produktionslogik“ und „Verkaufslogik“). Sohn-Rethel folgerte daraus, es gäbe bei Fehlen einer sozialen Revolution „keine andere Alternative, als die kapitalistische Produktion unabhängig vom Markt, d. h. zur Erzeugung nicht mehr marktgängiger Produkte nach rein betriebsökonomischen Notwendigkeiten weiterzuführen. Das ist die ökonomische Definition des Faschismus.“[18]

Diese Thesen fanden zum Teil Eingang in die marxistisch orientierte Geschichtswissenschaft. Der Historiker Reinhard Neebe kritisiert dagegen in seiner Studie Großindustrie, Staat und NSDAP 1930–1933, Sohn-Rethel würde aufgrund seiner persönlichen Involviertheit die Rolle des MWT in den frühen dreißiger Jahren weitgehend überzeichnen.[19] Der Bielefelder Sozialhistoriker Hans-Ulrich Wehler rechnet in seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte Sohn-Rethels Deutung des Faschismus zu den „älteren Fehlinterpretationen“.[20] In neueren Arbeiten zur deutschen Wirtschaftsgeschichte während der Zeit des Nationalsozialismus wird Sohn-Rethel selten rezipiert.[21] https://de.wikipedia.org/wiki/Alfred_Sohn-Rethel

1976

Antony C. Sutton: Wall Street and the Rise of Hitler (1976, 1999)
Deutsch: Wall Street und der Aufstieg Hitlers. Perseus, Basel 2008

1977

Theweleit: Männerphantasien
Für eine Lektüre aus heutiger Sicht, fast dreißig Jahre nach der Erstausgabe, ist das Buch vor allem als wichtiges Zeitdokument zu lesen und zeitgeschichtlich zu kontextualisieren. Inwieweit kann es als Ausdruck der Kultur der späten 1970er-Jahre und der Weltsichten der linksalternativen Szene gelesen werden, zu deren Freiburger Teil Theweleit gehörte? Im zweiten Teil dieser Ausführungen sollen die „Männerphantasien“ als historiographische Leistung zur Körper- und Geschlechtergeschichte des Faschismus (wieder)gelesen werden. Was kann an Theweleits Arbeit aus heutiger geschichtswissenschaftlicher Sicht kritisiert werden, und wo sind in diesem Buch noch immer Anregungspotenziale zu finden? https://zeithistorische-forschungen.de/3-2006/id=4650

1978
Christian Streit: Keine Kameraden. Die Wehrmacht und die sowjetischen Kriegsgefangenen 1941–1945. 1978
maßgelichen Anteil der deutschen Wehrmacht am Massenmord an den sowjetischen Kriegsgefangenen.
http://dietz-verlag.de/isbn/9783801250232/Keine-Kameraden-Die-Wehrmacht-und-die-sowjetischen-Kriegsgefangenen-1941-ndash1945-Christian-Streit
Sie wurden auf dem Marsch in die Lager erschossen, verhungerten oder starben an den Folgen unmenschlicher Zwangsarbeit — über drei Millionen russische Soldaten kamen in deutscher Gefangenschaft um. Ein Historiker wies jetzt nach: Nicht nur die SS mit ihren Einsatzgruppen, auch die Wehrmacht war am Massenmorden beteiligt.
https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40616394.html

Am 7.8.1978 Hans Filbinger, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, zurück. „Was damals rechtens war, das kann heute nicht Unrecht sein.“ So seine Rechtfertigung für seine Tätigkeit als Marinerichter. 1978 wurden infolge seiner Unterlassungsklage gegen den Dramatiker Rolf Hochhuth schrittweise vier Todesurteile bekannt, die Filbinger, damals NSDAP-Mitglied, als Marinerichter 1943 und 1945 beantragt oder gefällt hatte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Filbinger

1979
Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss ist eine vierteilige US-amerikanische TV-Mini-Serie aus dem Jahr 1978 von Marvin J. Chomsky. Sie erzählt die fiktive Geschichte der jüdischen Arztfamilie Weiss, die in Berlin zur Zeit des Nationalsozialismus lebt. Die Serie wurde auch in Deutschland im Januar 1979 ausgestrahlt und von sehr vielen Menschen gesehen. Sie führte zu vielen Diskussionen über die nationalsozialistische Vergangenheit.
https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust_%E2%80%93_Die_Geschichte_der_Familie_Weiss

1981

Am 30.6.1981 erging das Urteil im Maidanek-Prozess
http://www.tenhumbergreinhard.de/taeter-und-mitlaeufer/dokumente/maidanek-proze.html

Reinhard Neebe: Großindustrie, Staat und NSDAP 1930–1933. Paul Silverberg und der Reichsverband der Deutschen Industrie in der Krise der Weimarer Republik (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 45). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1981,
https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Findustrie_und_Aufstieg_der_NSDAP

 1984
Karl-Heinz Roth mit Angelika Ebbinghaus und Heidrun Kaupen-Haas (Hrsg.): Heilen und Vernichten im Mustergau Hamburg – Bevölkerungs- und Gesundheitspolitik im Dritten Reich. Neuer Konkret Verlag, Hamburg 1984, ISBN 3-922144-41-1.

Götz Aly und Karl-Heinz Roth: Die restlose Erfassung. Volkszählen, Identifizieren, Aussondern im Nationalsozialismus. Rotbuch Verlag, Berlin 1984. (überarb. Neuaufl. Fischer (Tb.), Frankfurt 2000, ISBN 3-596-14767-0)

1985

Shoah ist ein zweiteiliger Dokumentarfilm des Regisseurs Claude Lanzmann aus dem Jahre 1985, in dem überwiegend Zeitzeugen der Schoah (Holocaust) (von hebräisch הַשׁוֹאָה ha’Schoah) befragt werden. Es wird in dem Film kein einziger Leichnam abgebildet (auch nicht als Archivbild). Die Filmaufnahmen bestehen überwiegend aus Interviews und vielen langsamen Kamerafahrten an den heutigen Plätzen, an denen damals Tausende Juden deportiert und ermordet wurden. Der Film zeichnet sich ebenfalls durch seine Länge von neuneinhalb Stunden aus. Shoah gilt als ein Meilenstein in der filmischen Auseinandersetzung mit dem Holocaust.
https://de.wikipedia.org/wiki/Shoah_(Film)

Symposion in Stuttgart, dessen Ergebnisse Eberhard Jäckel und Jürgen Rohwer 1985 veröffentlichten (Der Mord an den Juden im Zweiten Weltkrieg, 1985) https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945


Henry Ashby Turner: Die Großunternehmer und der Aufstieg Hitlers. Siedler Verlag, Berlin 1985

O.M.G.U.S.: Ermittlungen gegen die Deutsche Bank, Nördlingen 1985 http://www.gelsenzentrum.de/omgus_deutsche_bank.htm

1986

Historikerstreit
Auslöser war ein Artikel Ernst Noltes vom Juni 1986, der den Holocaust in Form rhetorischer Fragen als Reaktion der Nationalsozialisten auf vorausgegangene Massenverbrechen und das Gulag-System in der Sowjetunion darstellte. Diese und andere Aussagen von drei weiteren bundesdeutschen Historikern kritisierte der Philosoph Jürgen Habermas als „Revisionismus“, der ein deutsches Nationalbewusstsein durch das Abschütteln einer „entmoralisierten Vergangenheit“ erneuern solle. Darauf reagierten viele deutsche Historiker, Journalisten und andere interessierte Autoren mit Leserbriefen oder Zeitungsartikeln, die später als Buch gesammelt erschienen. Diese Debatte dauerte etwa ein Jahr.
https://de.wikipedia.org/wiki/Historikerstreit


Was sie taten – Was sie wurden, von Ernst Klee, 1. September 1986, Fischer Taschenbuch (4364), 12. Auflage 1998, ISBN 3-596-24364-5

1986 war Karl-Heinz Roth Mitgründer der Zeitschrift 1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts,[4] die seit 2003 unter dem Titel Sozial.Geschichte. Zeitschrift für historische Analyse des 20. und 21. Jahrhunderts erscheint.
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Heinz_Roth

O.M.G.U.S.: Ermittlungen gegen die Dresdner Bank, Verlag Franz Greno, Nördlingen 1986
http://www.glasnost.de/hist/ns/omgusdb5.html

O.M.G.U.S.: Ermittlungen gegen die I.G. Farben, Verlag Franz Greno, Nördlingen 1986

1987

Karl-Heinz Roth: Der Weg zum guten Stern des »Dritten Reichs«: Schlaglichter auf die Geschichte der Daimler-Benz AG und ihrer Vorläufer (1890–1945). In: Stiftung für Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts Hrsg.: Das Daimler-Benz-Buch – ein Rüstungskonzern im „Tausendjährigen Reich“. Nördlingen 1987, ISBN 3-89190-950-0.

Karl-Heinz Roth mit Michael Schmid (Hrsg.): Die Daimler-Benz AG 1916–1948. Schlüsseldokumente zur Konzerngeschichte. Nördlingen 1987.

1988

Jean Améry Chronist des Verdrängten
Am17.10.1988  beging der Schriftsteller und Auschwitz-Überlebende Suizid
https://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/33032?fbclid=IwAR3XCqPkebFh6kPAKU8ROtIPPu-qoMW1FG4pchvt8B4ikdeJy7ytiOizPfk

1990

Die zeitgenössische Kenntnis vom Holocaust wurde ab den 1990er-Jahren ein besonderes Forschungsthema der Zeitgeschichte. Historiker begannen, den jeweiligen Informationstand und die Haltung der Bevölkerung zum Holocaust, zu den industrialisierten Vernichtungsstätten und Massenerschießungen u. a. im Hinblick auf die Kollektivschuld-These zu untersuchen. https://de.wikipedia.org/wiki/Zeitgen%C3%B6ssische_Kenntnis_vom_Holocaust

Karl-Heinz Rotzh,  Angelina Sörgel, Frieder Otto Wolf, Hermannus Pfeiffer, Klaus Milke und Gisela Rubbert (Hrsg.): Macht ohne Kontrolle. Berichte über die Geschäfte der Deutschen Bank. Schmetterling Verlag, Stuttgart 1990

1991

Der von Wolfgang Benz herausgegebenen Sammelband Dimension des Völkermordes von 1991, der zu den wichtigsten und umfassendsten deutschen Beiträgen zur Geschichte des Holocaust zählt.
https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945

Persilscheine und falsche Pässe – Wie die Kirchen den Nazis halfen, 192 Seiten, von Ernst Klee, 1. November 1991, Fischer Taschenbuch

1992

Christopher Browning: Ganz normale Männer: das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1993, (amerikanisches Englisch: Ordinary men: Reserve Police Battalion 101 and the final solution in Poland. New York 1992. Übersetzt von Jürgen Peter Krause).
https://de.wikipedia.org/wiki/Reserve-Polizei-Bataillon_101

Tony Judt: „The Past is an other country. Myth and Memory in Postwar Europe“
Die NS-Zeit wird als eine von außen aufgezwungene Fremdherrschaft , das eigene Volk als unschuldiges Opfer eines brutalen Okkupationsregimes dargestellt.

DIE STIFTUNG TOPOGRAPHIE DES TERRORS
Die Stiftung Topographie des Terrors wurde am 28. Januar 1992 vom Berliner Senat als unselbständige Stiftung öffentlichen Rechts gegründet. Mit Stiftungsgesetz vom 8. April 1995 wurde sie als selbständige Stiftung konstituiert. Gemeinsame Träger sind seit Januar 1994 das Land Berlin und die Bundes­republik Deutschland.
Gemäß Stiftungsgesetz besteht der Zweck der Stiftung Topographie des Terrors in der Vermittlung historischer Kenntnisse über den Nationalsozialismus und seine Verbrechen sowie der Anregung zur aktiven Auseinandersetzung mit dieser Geschichte, einschließlich ihrer Folgen nach 1945
https://www.topographie.de/stiftung/

1993

Tony Judt: Die Vergangenheit ist ein anderes Land. Politischen Mythen im Nachkriegseuropa. In: Transit. Europäische Revue 6/1993, S. 87 – 120

Schindlers Liste ist ein Spielfilm von Steven Spielberg aus dem Jahr 1993 nach dem im Deutschen gleichnamigen Roman von Thomas Keneally, der im Original Schindler’s Ark (ark, engl.: Arche Noah) heißt. Thomas Keneally beschreibt in dem Buch Schindlers Liste, wie Oskar Schindler (1908–1974), ein deutschmährischer Industrieller, im Zweiten Weltkrieg etwa 1200 Juden aus den besetzten Ländern Polen und Tschechoslowakei in seinen Rüstungsbetrieben beschäftigte und damit vor dem Tod im Vernichtungslager Auschwitz rettete
https://de.wikipedia.org/wiki/Schindlers_Liste

Christopher Browning: Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen. Übersetzt von Jürgen Peter Krause, Rowohlt, Reinbek 1993

In Ganz normale Männer beschreibt er die Taten des Reserve-Polizeibataillon 101 während des Holocausts. Diese Einheit war verantwortlich für das Erschießen von Juden, bzw. deren Gefangennahme, um sie in die Vernichtungslager abzutransportieren. Dabei wurde diese Einheit im besetzten Polen eingesetzt. Der Autor des Buches, der die Ergebnisse des Experiments Stanley Milgrams einbezieht, kommt zu dem Ergebnis, dass die Mitglieder der Einheit keine Dämonen oder fanatische Nazis waren, sondern normale mittelalte Männer, die aus der Arbeiterklasse Hamburgs stammten. Den Männern wurde gelegentlich die Wahl gelassen, auf die Ermordung der Juden zu verzichten, falls es ihnen unangenehm sei. Von 500 Mann wählten nur 15 diese Option.[4] Browning schlussfolgert, dass die Männer der Einheit nicht aus Mordlust töteten, sondern aus dem Gefühl des Gruppenzwangs und Gehorsam heraus. Wie das Milgram Experiment zeige, seien die meisten Durchschnittsmenschen zu derartigen Taten fähig. Es müsse nur eine Autorität die Befehle geben. Ordinary Men erhielt allgemeine Anerkennung, wurde jedoch von Daniel Goldhagen stark kritisiert. Browning habe den starken Einfluss der deutschen Kultur auf den Holocaust missachtet. In einem Verriss in 1992er Ausgabe von The New Republic, nannte Goldhagen das Buch Ordinary Men ein unwissenschaftliches und wertloses Buch. Browning habe sich seine eigenen Beweise zurechtgezimmert. Goldhagens Buch Hitlers willige Vollstrecker (1996) sei auch als Antwort auf Ordinary Men zu verstehen gewesen.[5]
https://de.wikipedia.org/wiki/Christopher_Browning

Karl-Heinz Roth;: Intelligenz und Sozialpolitik im „Dritten Reich“. Eine methodisch-historische Studie am Beispiel des Arbeitswissenschaftlichen Instituts der Deutschen Arbeitsfront. Saur, München 1993, ISBN 3-11-199988-2. (wieder ebd. 2011, ISBN 978-3-11-169050-6. Zugl. Diss. phil, Geschichtswissenschaft, Universität Bremen 1992)

1994

Rotem, Simhah. Memoirs of a Warsaw Ghetto Fighter: The Past within Me. New Haven: Yale University Press, 1994
Simha Rotem: Kazik. Erinnerungen eines Ghetto-Kämpfers. Assoziation A, Berlin 2017
https://en.wikipedia.org/wiki/Simcha_Rotem

1995

Als Wehrmachtsausstellung werden zwei Wanderausstellungen des Hamburger Instituts für Sozialforschung bezeichnet, die von 1995 bis 1999 und von 2001 bis 2004 zu sehen waren. Die erste hatte den Titel Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944, die zweite Verbrechen der Wehrmacht. Dimensionen des Vernichtungskrieges 1941–1944. Durch sie wurden Verbrechen der Wehrmacht in der Zeit des Nationalsozialismus, vor allem im Krieg gegen die Sowjetunion, einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht und kontrovers diskutiert
https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmachtsausstellung

Schon 1995 waren 85 % der noch lebenden Bevölkerung zu jung, um während der NS-Herrschaft eine Möglichkeit zur politischen Mitwirkung irgendeiner Art gehabt zu haben. In diesem zunehmenden Wegfall von Zeitzeugenschaft sieht Frei auch Entwicklungslinien in der NS-Forschung begründet, da nun, ungeachtet von individueller Betroffenheit und biographischen Verstrickungen, heikle Themen behandelt werden könnten.  Als positiven Effekt des Nachlassens der Zeitgenossenschaft sieht Frei etwa die seit den 90er Jahren vermehrt erstellten Studien über die Rolle der Industrie in der NS-Zeit aufgrund deren Bereitschaft, solche Forschungen, etwa durch Zugang zu Werksarchiven, zu unterstützen.
https://www.globkult.de/geschichte/zeitgeschichte/479-die-auseinandersetzung-deutschlands-mit-dem-nationalsozialismus-nach-1945

1996

Daniel Goldhagen: Hitler’s Willing Executioners – Ordinary Germans and the Holocaust (dt. Hitlers willige Vollstrecker – Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust)
Goldhagen geht der Frage nach, warum und wie der Holocaust geschah und was ihn ermöglichte.[3] Seine Antwort: Hitler und die Deutschen verunglimpften, verfolgten und vernichteten die Juden aus eliminatorischem Antisemitismus heraus.[4] Zwar gab es auch in anderen Ländern Antisemitismus; doch nur in Deutschland waren drei Bedingungen erfüllt: Erstens regierten dort die radikalsten Antisemiten der Geschichte, zweitens dachte die Mehrheit der Bevölkerung schlecht von den Juden, und drittens verfügte der Staat infolge des Krieges über die militärische Macht, den Großteil der europäischen Juden in seine Gewalt zu bringen.[5] Indem Goldhagen den gesamtgesellschaftlichen deutschen Antisemitismus als zentrale Triebkraft des Holocaust ausmacht, widerspricht er den vorherrschenden populären und wissenschaftlichen Erklärungsversuchen.
Warum fand Hitler für sein Ziel – die Vernichtung der Juden – so viel Unterstützer und warum traf er auf so wenig Widerstand? Wie konnten die Deutschen so beispiellose Verbrechen verüben bzw. zulassen? So lautete die Frage, und die bisherigen Antworten sind für Goldhagen nicht überzeugend: Der angebliche Befehlszwang war eine bloße Schutzbehauptung der Täter; von der angeblichen Staatshörigkeit der Deutschen war in den chaotischen Jahren zwischen 1918 und 1933 wenig zu spüren; der angebliche Gruppenzwang erklärt das Verhalten einzelner, aber nicht das der Gruppe als ganzer, die diesen Druck ja selbst erst erzeugt; der angebliche Karrierismus der Täter konnte nur in Ausnahmefällen durch eine besonders eifrige Teilnahme am Massenmord befriedigt werden; das angebliche Unwissen über die mörderischen Folgen seiner Taten konnte niemanden befallen, der seine Opfer von Angesicht zu Angesicht quälte und erschoss.[6] Goldhagen vertritt die These, dass die Taten der Deutschen nicht von solchen äußeren Zwängen oder Anreizen herrührten, sondern von inneren Überzeugungen. Die Deutschen wurden nicht gezwungen, Juden zu töten; sie taten es freiwillig, sie waren willige Vollstrecker.
Die Ansichten, Hitlers negative Meinung über die Juden könne von den Deutschen unmöglich geteilt worden sein, und die Verfolgung und Vernichtung der Juden könne von den Deutschen unmöglich gutgeheißen worden sein, sieht Goldhagen als Irrtum an. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das scheinbar Undenkbare in Wahrheit das einzig Naheliegende ist: „Eine Gesellschaft, die sich [wie Deutschland zwischen 1933 und 1945] mit Herz und Seele zum Antisemitismus bekennt, wird wohl auch antisemitisch sein.“ Der Antisemitismus, so behauptet Goldhagen, gehörte zu den lang tradierten, fast völlig unhinterfragten Grundüberzeugungen der deutschen Kultur.[7] Bereits im 19. Jahrhundert sei die Option, die Juden tatsächlich physisch zu vernichten, in Deutschland in größerem Ausmaß diskutiert worden.
Der renommierte jüdische Historiker Eric Hobsbawm, der die nationalsozialistische Machtübernahme in Berlin miterlebt hatte, gab zu Goldhagens Thesen den knappen Kommentar ab: „Goldhagen zählt nicht. Ich kenne keinen seriösen Historiker, der Goldhagen ernst nimmt.“[17] Noch dezidierter äußerte sich der Holocaust-Experte Raul Hilberg in einen Interview. Goldhagen, so Hilberg, sei „totally wrong about everything. Totally wrong. Exceptionally wrong.“[18]
https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Goldhagen

Nach vierjähriger Vorbereitungszeit veranstaltete die Nürnberger Regionalgruppe gemeinsam mit der Deutschen Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs/Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) vom 25. – 27. Oktober 1996 den internationalen Kongress »Medizin und Gewissen – 50 Jahre nach dem Nürnberger Ärzteprozess«. An den 11 Plenarveranstaltungen und 64 Foren rund um die »Straße der Menschenrechte« nahmen über 1.600 Besucher, 150 Referenten und 100 Journalisten teil. Die Authentizität des Ortes, die Vielfalt der Themen und die große Zahl von Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedlicher Generationen und Professionen ließen eine ungewöhnliche Stimmung und Atmosphäre entstehen: eine Aufbruchstimmung gegen die restaurativen Tendenzen. http://www.medizinundgewissen.de/kongressarchiv/kongress-1996.html

Herbert, Ulrich: Best. Biografische Studie über Radikalismus, Weltanschauung und Vernunft, 1903-1989, Bonn 1996.

Stiftung Erinnerung Lindau
1996 gründeten Walther Seinsch und seine Frau die Stiftung Erinnerung Lindau. Mit dieser Stiftung wollen sie dabei helfen, die Zeit des Nationalsozialismus historisch-wissenschaftlich aufzuarbeiten. Die Stiftung vergibt seit 1999 jährlich den Marion-Samuel-Preis, um damit an die während des Nationalsozialismus ermordeten jüdischen Kinder zu erinnern. Seit 2007 wird der Preis in Augsburg verliehen (früher Berlin).
Walther Seinsch ist Mitglied im Beirat der Vereinigung Gegen Vergessen – Für Demokratie. https://de.wikipedia.org/wiki/Walther_Seinsch

1998

Betrifft: „Aktion 3“ : Deutsche verwerten jüdische Nachbarn – Dokumente zur Arisierung. Ausgewählt und kommentiert von Wolfgang Dreßen. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Stadtmuseum Düsseldorf, 29.10.1998 – 10.1.1999. Hrsg. Stadtmuseum Düsseldorf. Aufbau Verlag, Berlin 1998. ISBN 3-351-02487-8

1998 hatte die Administration des US-Präsidenten Bill Clinton  auf der „Washington Conference on Holocaust-Era Assets“  neue Rückerstattungsverpflichtungen gegen die Bundesrepublik durchgesetzt.
Rolf Surmann, konkret 5/2018 S.32

Washingtoner Erklärung: Vertreter aus 44 Nationen, darunter Deutschland, versprachen im Nationalsozialismus geraubte Kunstwerke zu identifizieren und zurückzuerstatten.
Im Rahmen der „Aktion-M“ (Möbel-Aktion) konfiszierten die Deutschen in Frankreich und den Benelux-Staaten das Inventar von fast 70.000 Wohnungen. Zu den Verkaufsauktionen in Hitler-Deutschland strömte die Bevölkerung in Scharen.
Der Spiegel, 32, 4.8.2018, S. 118

Brunello Mantelli: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus. Aus dem Italienischen von Alexandra Hausner. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1998
Die „Achse Rom-Berlin“ stellt für ihn (Mussolini) Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle im Herbst 2015 kamen mehr als 2000 Flüchtlinge pro Tag in Nordrhein-Westfalen an. Bereits vor einem Jahr waren es etwa 150 Flüchtlinge pro Tag.nicht bloße Rhetorik dar, sondern sie war in seinen Augen geradezu das Kernstück von Mussolinis Politik. Mantelli liefert dafür auch eine sehr einleuchtende Erklärung: Seit 1936 hing die italienische Wirtschaft in zunehmendem Maße von Deutschland ab, besonders von Rohstoff-, aber auch von Lebensmittellieferungen. Mussolini war deshalb schon aus wirtschaftlichen Gründen ein Vasall Hitlers, ehe er es 1943 in der Republik von Salò auch aus politischen wurde.
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/politik/rezension-sachbuch-faschismus-ernst-genommen-11315703.html

Hachmeister, Lutz: Der Gegnerforscher. Die Karriere des SS-Führers Franz Alfred Six, München 1998.
1999

Karl-Heinz Roth: Geschichtsrevisionismus. Die Wiedergeburt der Totalitarismustheorie. KVV Konkret, Hamburg 1999, ISBN 3-930786-20-6.

2000

27.01.2000 Stockholm Declaration
Mehr als 20 Staats- und Regierungschefs beim Stockholm International Forum on the Holocaust
http://www.holocaustremembrance.com/stockholm-declaration


Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) wurde am 2. August 2000 gegründet, um ehemalige Zwangsarbeiter des NS-Regimes zu entschädigen und internationale Projekte zur Versöhnung zu fördern. Sie wurde von der deutschen Bundesregierung und der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft je zur Hälfte mit insgesamt 10 Milliarden D-Mark (5,2 Mrd. Euro) ausgestattet. Davon wurden 358 Mio. Euro als Grundkapital für die dauerhafte Förderung reserviert. Aus den Erträgen fördert die Stiftung EVZ mit jährlich ca. 7,5 Mio. Euro internationale Projekte. Die Zahlung der Entschädigungen an ehemalige Zwangsarbeiter des NS-Regimes wurde 2007 offiziell beendet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Stiftung_%E2%80%9EErinnerung,_Verantwortung_und_Zukunft%E2%80%9C

Rolf Surmann zur Förderung kultureller Projekte aus einem Fortschritt suggerierenden „Zukunftsfonds“: „Die Art der Erinnerung fördert das Vergessen.“ (konkret 6/2018 S.33)

2001

Seit 50 Jahren sorgt sich der SS-Veteranenverein Stille Hilfe um das Wohl von NS-Kriegsverbrechern. Prominentestes Mitglied: Gudrun Burwitz, Tochter Heinrich Himmlers. Jetzt hat die Organisation offenbar eine neue Klientel entdeckt: junge Rechtsextremisten.
http://www.klick-nach-rechts.de/gegen-rechts/2001/03/stille_hilfe.htm

OLIVER SCHROM/ANDREA ROPKE: Stille Hilfe für braune Kameraden. Das geheime Netzwerk der Alt- und Neonazis. Ein Inside-Report. Berlin 2001

2002

Wolfgang Zdral: Der finanzierte Aufstieg des Adolf H.  Ueberreuter, Wien 2002

Stille Hilfe für braune Kameraden, von Oliver Schröm, Andrea Röpke, Christoph Links Verlag, 2002, ISBN 3-86153-231-X

Michael Wildt: Die Generation der Unbedingten. Hamburg 2002
https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-1399

2003

Hitlers Eliten nach 1945, 336 Seiten, von Norbert Frei, 1. Dezember 2003, dtv Verlagsgesellschaft

Michael Wildt (Hrsg.): Nachrichtendienst, politische Elite, Mordeinheit. Der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS. Hamburger Edition, 2003,

Hitlers amerikanische Geschäftsfreunde
https://de.wikipedia.org/wiki/Hitlers_amerikanische_Gesch%C3%A4ftsfreunde_%E2%80%93_US-Konzerne_verdienten_am_Krieg

2004
Angelika Ebbinghaus, Karl-Heinz Roth (Hrsg.): Rote Kapellen – Kreisauer Kreise – Schwarze Kapellen. Neue Sichtweisen auf den Widerstand gegen die NS-Diktatur 1938–1945. VSA-Verlag, Hamburg 2004, ISBN 3-89965-087-5.


Widerstand im Alltag
Die von der Propaganda beschworene „Volksgemeinschaft“ zwang nicht alle Deutschen in die erwünschte Uniformität. Täglich wagten Mutige den Ausbruch. Ihre Waffen: Witze, verschleppte Arbeiten und Verstecke für Verfolgte.
https://www.g-geschichte.de/plus/widerstand-im-alltag/

2005

Das Mémorial de la Shoah (französisch auch Centre de documentation juive contemporaine, CDJC, deutsch Schoah-Gedenkstätte) ist der zentrale Gedenkort an den Holocaust in Frankreich. Schwerpunkt ist die Judenverfolgung im besetzten Frankreich und im Bereich des Vichy-Regimes 1940–1944. Das Mémorial de la Shoah ist zugleich ein Museum mit verschiedenen Möglichkeiten, sich über die Geschichte der Juden in Frankreich und Europa und den französischen Widerstand gegen die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ zu informieren. Das Museum wurde im Januar 2005 im Marais im 4. Pariser Arrondissement ganz in der Nähe des Rathauses eröffnet.
https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A9morial_de_la_Shoah

Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945, 736 Seiten, von Ernst Klee, Fischer Taschenbuch, 5. Auflage 1. November 2005

Bundesaussenminister Fischer beauftragt 2005 eine Historikerkommission mit der Aufarbeitung der Geschichte des Auswärtigen Amtes. Der Band „Das Amt und die Vergangenheit“ erscheint 2010
https://www.das-parlament.de/2019/52_1/im_blickpunkt/674876-674876

Manfred Messerschmidt: Die Wehrmachtjustiz 1933-1945. Paderborn 2005: Ferdinand Schöningh 30.000 Todesurteilen gegen Soldaten und das Gefolge der Wehrmacht
In der Wehrmacht dominierte das Vorbild eines „rassebewussten Kriegers“, der sein Leben bedingungslos für die deutsche „Blut- und Schicksalsgemeinschaft“ einzusetzen hatte.
Erste 2002 wurden die NS-Militärjustizopfer rehabilitiert.
https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-7157

2006

Peter Longerich: „Davon haben wir nichts gewusst!“. Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933-1945. Siedler Verlag, München 2006
https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/rezbuecher-7805

2007

Daniel Levy/Natan Sznaider: Erinnerung im globalen Zeitalter: Der Holocaust. Frankfurt/M 2007

Michael Wildt: Volksgemeinschaft als Selbstermächtigung, 2007
Die „Volksgemeinschaft“ hatte seit dem Ersten Weltkrieg in Deutschland in nahezu allen Parteien politische Konjunktur. Aber während der Begriff bei den Sozialdemokraten beispielsweise ein Synonym für die inkludierende Einheit aller Schaffenden darstellte, war die „Volksgemeinschaft“ bei der Rechten, insbesondere bei den Nationalsozialisten, vor allem durch Exklusion bestimmt. Nicht so sehr die Frage, wer zur „Volksgemeinschaft“ gehörte, beschäftigte sie, als vielmehr, wer nicht zu ihr gehören durfte, allen voran die Juden. Deshalb besaß der Antisemitismus für die praktische Volksgemeinschaftspolitik des NS-Regimes einen zentralen Stellenwert. Die bürgerliche Zivilgesellschaft in eine rassistische Volksgemeinschaft zu verwandeln, konnte nicht per „Führererlass“ oder Gesetz erfolgen. Michael Wildt beschreibt diese Transformation als einen politischen Prozess und untersucht die Ereignisse nicht nur innerhalb der großen Städte, sondern gerade in der Provinz, in den Dörfern und kleinen Gemeinden.
https://www.perlentaucher.de/buch/michael-wildt/volksgemeinschaft-als-selbstermaechtigung.html

2008

Michael Verhoeven drehte unter Mitwirkung von Wolfgang Dreßen den Dokumentarfilm Menschliches Versagen über Arisierungsmaßnahmen und die Verwicklung deutscher Finanzbehörden darin, der 2008 Premiere im SWDR hatte. In dem Film wird unter vielem beschrieben, dass die Oberfinanzdirektionen Düsseldorf und Köln noch Anfang der Jahre 1990er Jahre behaupteten, keine Akten mehr über Arisierungsvorgänge zu besitzen. Damit sollte eine Aufklärung über die Arisierungsmaßnahmen verhindert werden. Im Fall Köln sorgte eine anonyme Tippgeberin dafür, dass Dreßen das Versteck von 20.000 Arisierungsakten fand.
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Dreßen

2009

Eine neunteilige Vortragsreihe hatte sich vom Sommer 2009 bis zum Frühjahr 2010 vorgenommen, die Tübinger Nachkriegszeit aufzuhellen. „Vom braunen Hemd zur weißen Weste?“
https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Nun-als-Sammelband-Tuebinger-Umgang-mit-der-NS-Vergangenheit-168444.html

2010

Nazis auf der Flucht: Wie Kriegsverbrecher über Italien nach Übersee entkamen, 384 Seiten, von Gerald Steinacher, Fischer Taschenbuch, 2. Auflage 1. Dezember 2010

Snyders 2010 veröffentlichtes Buch Bloodlands, das Massenmorde und Vernichtungspolitik durch das nationalsozialistische und das stalinistische Regime in den Jahren von 1933 bis 1945 erörtert, wurde in 28 Sprachen übersetzt und erhielt zahlreiche Preise, darunter den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung sowie den Ralph-Waldo-Emerson-Preis. Mit dem Begriff „Bloodlands“ meint Snyder ein Gebiet, das das östliche Polen, Weißrussland, den Westteil Russlands, das Baltikum, Teile der Ukraine sowie das frühere Ostpreußen umfasst:[2] Hier seien die höchsten Opfer unter der Zivilbevölkerung durch die beiden Regime zu verzeichnen gewesen.

Timothy Snyder (2008)

Den Holocaust verortet Snyder als eines von mehreren im Frühsommer 1941 geplanten großen Ausrottungsprojekten der NS-Führung neben dem Vernichtungskrieg gegen die UdSSR, dem Hungerplan gegen deren Einwohner sowie dem Generalplan Ost.[3] Bei der Betrachtung des Holocaust selbst plädiert er für eine stärkere Fokussierung auf die Aktion Reinhardt, da sie mit ihren Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka noch mehr Opfer als das Vernichtungslager Auschwitz gefordert habe und eine angemessene Sicht auf den Aspekt ermögliche, dass die Mehrheit der ermordeten Juden aus Osteuropa stamme.[4]
In einer ausführlichen Kritik wirft der am Institut für Zeitgeschichte arbeitende Historiker Jürgen Zarusky Snyder vor, mit dem Begriff „Bloodlands“ keine historische Landschaft und das Geschehen in ihr zu beschreiben, sondern ein Konstrukt zu entwickeln, das historisch zusammenhängende Phänomene teils zerschneide, teils künstlich aufeinander beziehe. Snyder überbetone zudem vermeintliche Ähnlichkeiten von NS-Herrschaft und Stalinismus.[5] Auch andere Kritiker bemängeln, Snyder betreibe in dem Buch eine zu starke Gleichsetzung der beiden Diktaturen.[6] Snyder selbst argumentiert in Bloodlands und anderen Publikationen, dass die Einbettung der Geschehnisse in den historischen und regionalen Kontext sowie das Wissen um die Funktionsweisen anderer Regime notwendig seien, um den spezifischen Charakter des Holocaust und des Hitler-Regimes besser verstehen zu können.[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Timothy_Snyder

2011

Jan Karski: Mein Bericht an die Welt erscheint in deutsch
https://www.kunstmann.de/buch/jan_karski-mein_bericht_an_die_welt-9783888977053/t-0/
und
http://www.spiegel.de/einestages/holocaust-jan-karskis-bericht-aus-dem-ghetto-a-1207584.html

Friedrich Kellner: „Vernebelt, verdunkelt sind alle Hirne – Tagebücher 1939–1945“ Göttinger Wallstein Verlag 2011
https://www.zeit.de/2011/26/Nationalsozialismus-Tagebuecher

Harry Waibel legte 2011 das Buch Diener vieler Herren vor. Darin stellte er 1500 Kurzbiografien von Personen der Jahrgänge 1880–1925 zusammen, die in wichtigen gesellschaftspolitischen Berufen, wie Politiker, Soldaten und Polizisten, Ärzte, Mediziner, Wissenschaftler, Manager, evangelische Theologen und Pfarrer, Künstler und Sportler „sowohl für Nazi-Deutschland als auch in der SBZ/DDR aktiv“ waren. Dafür wertete er Personennachschlagewerke aus und verglich sie mit der Überlieferung des Berlin Document Center.
Das Verdienst dieses Werks sei es, so Armin Pfahl-Traughber, dass Waibel anhand der zahlreichen Einzelbeispiele deutlich mache, dass es sich „bei der Auffassung von der konsequenten personellen „Entnazifizierung“ in der DDR um eine historische Legende zur Selbstlegitimation der SED-Diktatur handele.
Gleichwohl dürfen auch kritische Aspekte nicht verschwiegen werden: Für die einzelnen Angaben zu den jeweiligen Personen liefert der Autor keine genauen Belege, sondern verweist im Vorwort und im Anhang pauschal auf genutzte Archive und andere Publikationen. So kann man entweder gar nicht oder nur schwerlich die Angaben prüfen. Darüber hinaus belässt er es in der Einleitung auch bei den erwähnten allgemeinen Aussagen. Die Frage, handelt es sich um politisch nur schwach belastete Personen oder auch um mehrfach schuldhafte Kriegsverbrecher, hätte schon genauer erörtert werden können und müssen“.[10]
https://de.wikipedia.org/wiki/Harry_Waibel

Die katholische Kirche und die so genannte Rattenlinie: Der Vatikan als Fluchthelfer für Naziverbrecher von Ann-Christin Graé, 14. Januar 2011

Jan-Peter Abraham, Karl-Heinz Roth: Reemtsma auf der Krim: Tabakproduktion und Zwangsarbeit unter der deutschen Besatzungsherrschaft 1941–1944. Edition Nautilus, Hamburg 2011, ISBN 978-3-89401-745-3.

Hans-Otto Binder, Martin Ulmer, Daniela Rathe und Uta Röck: Vom braunen Hemd zur weißen Weste? Vom Umgang mit der Vergangenheit in Tübingen nach 1945. Tübingen 2011. 255 Seiten, 9,80 Euro.

Widerstand und Opposition im Rheinland 1933-1945
https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-3906

2013

Anja Tuckermann: Ein Volk, ein Reich, ein Trümmerhaufen. Alltag, Widerstand und Verfolgung – Jugendliche im Nationalsozialismus. Arena Verlag, Würzburg, 2013.

http://lernen-aus-der-geschichte.de/Lernen-und-Lehren/content/11271

2014

Die Kirchen und der Nationalsozialismus, 288 Seiten, von Olaf Blaschke, Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag 28. Mai 2014

2015

Karsten Heinz Schönbach: Die deutschen Konzerne und der Nationalsozialismus 1926-1943. Trafo, Berlin 2015, ISBN 978-3-86464-080-3 (zgl. Dissertation, FU Berlin, 2012).

Der Historiker Karsten Heinz Schönbach widerspricht in seiner 2015 veröffentlichten Dissertation der Auffassung, die Unterstützung der NSDAP durch die Großindustrie sei vor 1933 eher marginal gewesen. Nach Schönbach zeigten die Quellen, dass die NSDAP von Großindustriellen von 1927/28 an erheblich unterstützt worden sei. Allerdings könne von einer vorwiegend NS-freundlichen Haltung der Großindustrie erst nach der Wahlniederlage der konservativen Rechten am 6. November 1932 die Rede sein. Nach der Machtergreifung habe im Februar 1933 dann, wie auch Turner betont, eine „deutliche Mehrheit unter den deutschen Großindustriellen hinter einer ‚Hitlerlösung‘ gestanden“ https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Findustrie_und_Aufstieg_der_NSDAP

2016

Karina Urbach: »Hitlers heimliche Helfer. Der Adel im Dienst der Macht«, Übersetzt von Cornelius Hartz. Theiss, Darmstadt 2016, 460 S.  Allein 70 Mitglieder des Hochadels traten schon vor 1933 in die NSDAP ein; bis 1941 waren es schon 270. Der Kleinadel tat es ihnen gleich: Aus 350 stichprobenartig untersuchten Familien traten laut Malinowski fast 3.600 Adlige der NSDAP bei, darunter allein 43 Bismarcks und 41 Schulenburgs. Und jeder vierte von ihnen vor 1933.Das NS-Regime bot auch Karrieremöglichkeiten in Diplomatie und Militär; die Anzahl der adligen Offiziere etwa stieg zwischen 1933 und 1935 von 900 auf 2.300. Und in der berüchtigten Totenkopf-SS waren 1938 rund 18 Prozent der Obergruppenführer adlig.

http://www.taz.de/!5359327/

2017

Katrin Hammerstein: Gemeinsame Vergangenheit – getrennte Erinnerung? Der Nationalsozialismus in Gedächtnisdiskursen und Identitätskonstruktionen von Bundesrepublik Deutschland, DDR und Österreich. Göttingen 2017
S.68ff.: In der Bundesrepublik stand das eigene Leid – Opfer der Vertreibung und des   Bombenkrieges – vielfach im Vordergrund. Der Schuldabwehr diente auch die Vorstellung nur Hitler  und die NS-Führungsspitzen für die Verbrechen des Regimes verantwortlich zu machen sind.

Karl Heinz Roth: Alfred C. Toepfer. In: Michael Fahlbusch, Ingo Haar, Alexander Pinwinkler (Hrsg.): Handbuch der völkischen Wissenschaften. Akteure, Netzwerke, Forschungsprogramme. 2., grundlegend überarbeitete und erweiterte Auflage. Unter Mitarbeit von David Hamann, 2 Bände. Berlin 2017, ISBN 978-3-11-043891-8, S. 825–843.

2018

Felix Bohr: Die Kriegsverbrecherlobby. Bundesdeutsche Hilfe für im Ausland inhaftierte NS-Täter. Suhrkamp.  Berlin 2018
http://www.spiegel.de/einestages/ns-verbrecher-die-barmherzige-hilfe-der-kirchen-a-1233489.html

Rund zwei Millionen Mitglieder sind in rund 15.000 Schützenvereinen organisiert. „Schützenvereine im Nationalsozialismus” lautet der Titel seiner von der Ruhr-Uni Bochum mit einem Preis ausgezeichneten Forschungsarbeit. „Bisher gab es keine seriöse Aufarbeitung der NS-Geschichte der Schützenvereine”, betont Borggräfe. Sein Fazit lautet: Viele Vereine müssen ihr historisches Selbstbild von der Opferrolle deutlich revidieren.
https://www.waz.de/waz-info/wie-schuetzenvereine-das-ns-regime-unterstuetzten-id596886.html


Heidemarie Uhl: Opferthesen Revisited. Österreichs ambivalenter Umgang mit der NS-Vergangenheit. IN: Aus Politik und Zeitgeschichte. 34-35/2018, 20.08.2018, S.47-54

Interview mit Traute Lafrenz, der letzten Überlebenden der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“
https://magazin.spiegel.de/SP/2018/39/159553228/?utm_source=spon&utm_campaign=centerpage
Und
https://de.wikipedia.org/wiki/Traute_Lafrenz


Regina Mühlhäuser: „Eroberungen. Sexuelle Gewalttaten und intime Beziehungen deutscher Soldaten in der Sowjetunion 1941-1945“. Hamburger Edition, Hamburg; 416 Seiten; 32 Euro.
Zweiter Weltkrieg
Die Mär von den keuschen Deutschen
Rassebewusst und enthaltsam – so wünschten sich die NS-Ideologen ihre Soldaten an der Ostfront. Die Realität sah anders aus: Eine neue Studie untersucht die sexuellen Übergriffe deutscher Soldaten während des Krieges gegen die Sowjetunion – und zerstört die Legende von der sauberen Wehrmacht
Im Mai 1943 empfahlen die Vorsitzenden Richter der SS- und Polizeigerichte in den besetzten Gebieten, das GV-Verbot vorübergehend außer Kraft zu setzen. Andernfalls müsse man zu viele SS-Angehörige verurteilen – mindestens die Hälfte der Männer halte sich nicht daran.
http://www.spiegel.de/einestages/zweiter-weltkrieg-a-948775.html
Spiegel Nr. 39 / 22.9.2018 S. 58 ff



2019

Die Tagebücher von Victor Klemperer
https://www.deutschlandfunkkultur.de/hoerspiel-die-tagebuecher-des-victor-klemperer-19331934.3684.de.html?dram:article_id=451049

Michael Brenner: „Der lange Schatten der Revolution. Juden und Antisemiten in Hitlers München 1918 – 1923“. Jüdischer Verlag im Suhrkamp Verlag, Berlin 2019
https://taz.de/Antisemitismus-in-Muenchen-1918-23/!5654560&s=Michael+Brenner/

2020

Eichmanns Sekretärin von Markus Gryglewski taz 17.1.2020
https://taz.de/NS-Taeterin-auf-der-Wannseekonferenz/!5654203&s=Gryglewski/

Erinnerungskultur statt Aufarbeitung der Vergangenheit

Der Schwur der Überlebenden des KZ Buchenwald vom 19. April 1945 endete mit den Worten:
„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig. Zum Zeichen Eurer Bereitschaft für diesen Kampf erhebt die Hand zum Schwur und sprecht mir nach:
WIR SCHWÖREN!“
Buchenwald/Weimar 19.April 1945
https://dasjahr1945.de/der-schwur-von-buchenwald/

Im Potsdamer Abkommen, das vom 17. Juli – 2. August 1945 beraten wurde, sind Grundsätze zur Behandlung Deutschlands festgelegt worden und es wurden Kriterien für eine antifaschistische und friedliche Perspektive formuliert, wie z.B. Forderungen nach Auflösung hegemonialer Wirtschaftsstrukturen, Forderungen nach wirklicher demokratischer Partizipation, Entmilitarisierung u.a.
Der antifaschistisch-demokratische Neubeginn sollte sich an den „großen D’s“ orientieren: Demokratisierung, Demilitarisierung, Demonopolisierung, Denazifizierung, Dezentralisierung.
https://dasjahr1945.de/das-potsdamer-abkommen/

Dazu ist es nicht gekommen.

Am Schluss seines Vortrag „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“ sagte Adorno 1959: „Aufgearbeitet wäre die Vergangenheit erst dann, wenn die Ursachen des Vergangenen beseitigt werden. Nur weil die Ursachen fortbestehen, ward sein Bann bis heute nicht gebrochen.“

Ein Interview mit Jan und Aleida Assmann, die am 14. Oktober den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten.

Jan Assmann: Aleida gehört zu den Gründungsfiguren der deutschen Erinnerungskultur – das Wort hat sie erfunden. Ich habe mit meinen Forschungen zum kulturellen Gedächtnis in der Antike für die historische Tiefenzeit und die religiöse Dimension gesorgt. Wir werden auch die Friedenspreisrede als Paar halten.

Frau Assmann, was verstehen Sie unter Erinnerungskultur?

AA: Angefangen haben wir mit dem kulturellen Gedächtnis. Ich habe nach und nach gewisse Differenzierungen eingearbeitet. Das politische oder nationale Gedächtnis zum Beispiel ist an einen Staat gekoppelt, der Rahmenbedingungen des Erinnerns vorgibt. Davon habe ich das soziale Gedächtnis der Gesellschaft abgesetzt, das auf Medien und Kommunikation beruht. Hinzu kommen das Familien- und das persönliche Gedächtnis. Diese Arbeit beschäftigte mich, als sich in Deutschland mit einem Generationswechsel vieles veränderte. Der Historikerstreit 1986 spielte dabei auch eine ganz wichtige Rolle, zusammen mit der Rückkehr der Holocaust-Erinnerungen. Damals endeten vier Jahrzehnte eines ‚kommunikativen Beschweigens’ der NS-Zeit. Die Erinnerungskultur entstand mit dieser Rückkehr der Erinnerung. Getragen wurde sie zunächst von unten von zivilgesellschaftlichen Initiativen und künstlerischen Projekten, bevor sie bei der Entscheidung für das Berliner Holocaust-Denkmal bei Kanzler Helmut Kohl oben ankam und vom Bundestag aufgegriffen wurde. Neu daran war, dass eine Nation nicht allein mit dem Blick des Stolzes und der Ehre auf ihre Geschichte blickte, sondern auch die eigenen Verbrechen ins nationale Gedächtnis aufnahm.

Welche Rolle spielt die Erinnerungskultur heute angesichts des Flüchtlingszustroms?

AA: Hier ist jetzt viel Turbulenz entstanden, nachdem sich gerade der Rahmen einer deutschen Erinnerungskultur gefestigt hatte. Dieser nun stabilisierte Rahmen entstand erst nach der Wiedervereinigung: Im Einigungsvertrag wurde auch die Verantwortung für die KZ-Gedenkstätten festgeschrieben. Die neue Situation besteht darin, dass sehr viele Zuwanderer aus anderen Kulturen zu uns kommen mit anderen Geschichten und häufig auch mit schweren Traumata. Da stellt sich die Frage, wie das nationale Gedächtnis für andere anschließbar und zugleich auch vielfältiger werden kann. Gleichzeitig steht der Rahmen dieses Gedächtnisses unter Druck, denn die AfD will ins 19. Jahrhundert zurück und die selbstkritische Erinnerung durch ein Gedächtnis der Ehre und des Stolzes ersetzen.

Dagegen haben Sie entschieden den Bau des Holocaust-Mahnmals unterstützt, bei dem man von gelingender Erinnerungskultur sprechen kann.

AA: Das Denkmal in der Mitte Berlins hat sich insgesamt bewährt. Mir gefällt besonders, dass die äußeren Stelen so niedrig sind: Es ist im wahrsten Sinne des Wortes niedrigschwellig und zieht schon deshalb viele Menschen an.

Andere Altlasten der deutschen Geschichte sind noch nicht berücksichtigt, etwa der Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia.

AA: Im nationalen Gedächtnis gibt es immer Platzmangel: Eine Erinnerung verdrängt die andere. So ist die koloniale Geschichte Europas ein Thema, das immer noch beschwiegen, aber nicht mehr dauerhaft vergessen werden kann. Die „Grünen“ haben dieses Thema bereits aufgegriffen. Und das Berliner Humboldtforum mit seinen Ausstellungen außereuropäischer Kulturen ist ein symbolisch exponierter Ort, der genau diesen Nerv trifft. Die Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher werden mit ihrem Versuch einer musealen Historisierung scheitern, wenn sie die Bedeutung dieser Geschichte herunterspielen und die Auseinandersetzung mit ihr als ein europäisches Erbe meiden. Für Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron dieses Thema gerade auf die Agenda gesetzt.

Wie kann man heute die zunehmende Multikulturalität in der deutschen Erinnerungskultur besser berücksichtigen?

AA: Zunächst stellt sich die Frage, welche Zugänge die Migranten zu unserer Holocaust-Erinnerung finden können. Aber es müssen auch andere Erinnerungen hinzukommen. Da ist Deutschland etwas säumig bei der Wahrnehmung der eigenen Migrantengeschichte, die in den 1960er Jahren mit den Gastarbeitern begann und bis heute in verschiedenen Wellen verlief. Diese anderen Kulturen der inzwischen integrierten Mitbürger sind ein Teil unserer Gesellschaft, haben aber noch keine Sichtbarkeit in einem gemeinsamen kulturellen Raum.

https://www.rnz.de/panorama/magazin_artikel,-heidelberger-professorenpaar-den-buchpreis-kannten-sie-bisher-nur-aus-dem-fernsehen-_arid,390940.html


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