Statt „Wohnen wie in Wien“ (Volt) Wohnungsnotstand und zunehmende Armut
Am 24. März 2021 hat die Stadtverwaltung den 1. Kölner Lebenslagenbericht den politischen Gremien vorgelegt. Der Rat der Stadt Köln hatte den Auftrag hierzu 2017 erteilt. Das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) hatte ihn 2020 fertiggestellt hat. Er heißt entsprechend: 1. Kölner Lebenslagenbericht 2020:
https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/V-3/koelner_lebenslagenbericht2020_bfrei_.pdf
In ihrem Vorwort schrieb Oberbürgermeisterin Henriette Reker: „Der Bericht ist eine Aufforderung an uns alle, die Lebenslagen der Menschen in unserer Stadt, die von Armut betroffen oder bedroht sind, zu verbessern.“
In der Zusammenfassung zum Thema Wohnen steht auf den Seiten 282ff:
Die Mehrheit der Kölnerinnen wohnt zur Miete.
20 % der Kölnerinnen lebt in beengten Wohnverhältnissen.
Der Wohnungsmarkt ist angespannt und die Mieten sind hoch. Für alleinerziehende ist die Mietbelastung am höchsten.
Die Nachfrage nach gefördertem Wohnraum übersteigt das Angebot.
Vor allem Einpersonenhaushalte sind von Wohnungslosigkeit betroffen.
50% der Seniorinnen leben in nicht altersgerechten Wohnungen.
In einer aktuellen Grafik des Statistischen Bundesamtes vom 24.5.2024 wird anschaulich gezeigt, wie der Anteil der öffentlich geförderten Mietwohnungen von 1990 mit 22,2% kontinuierlich auf 6,5% im Jahr 2022 abgesunken ist.
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1315037/umfrage/anteil-der-oeffentlich-gefoerderten-mietwohnungen-in-koeln/
Im Lebenslagenbericht waren bezogen auf 2017 die Angebotsmieten bei 11 Euro pro qm. Am 18.9.2024 meldete die Kölnische Rundschau unter dem Titel „In Köln fällt bei Mieten weitere Schallmauer“, dass die Mieten die 13 Euro pro qm übersteigen.
Angesichts von mehreren Tausend Sozialwohnungen, die in diesem und den nächsten Jahren aus der Bindung fallen, geht Franz-Xaver Corneth, der Vorsitzende des Kölner Mietervereins, davon aus, dass der Anteil der geförderten Wohnungen 2026 unter 5% sinkt. Alles in der Stadtöffentlichkeit bekannt, aber von CDU/Grünen/Volt wird der Wohnungsnotstand nicht wahrgenommen. Die Grünen sehen einen „angespannten Wohnungsmarkt“ und inszenieren sich, als seien sie auf der Suche nach Lösungen.
Am 22.9.2024 veröffentlichte der Kölner Stadt-Anzeiger ein ausführliches Interview mit Christiane Martin, der grünen Fraktionschefin. Auf die Frage, was ihr in den nächsten fünf Jahren noch wichtig ist, antwortete sie:
„Dass wir Lösungen für den angespannten Wohnungsmarkt finden. Wir könnten ein eigenes kommunales Wohnungsbauförderprogramm auflegen. Dafür müssten wir aber an anderer Stelle sparen. In jedem Fall will ich, dass Wohnbau-Genossenschaften in der Bauverwaltung privilegiert behandelt werden, weil sie die Wohnungen bauen, die wir brauchen.“
https://www.ksta.de/koeln/koeln-gruenen-politikerin-martin-kann-sich-neue-bahn-tunnel-vorstellen-864974
25. September 2024
Klaus Jünschke