Den Grünen gehen die Armen am Arsch vorbei

 „Köln ist mehr als nur eine Stadt, Köln ist ein Gefühl und eine Heimat von Menschen unterschiedlicher Herkunft“, sagte Aymas.

„Weil es kölsch ist, in Köln sein zu können, was man sein will“, sagte Aymaz.

„Mein Köln besteht aus Ideen und Lösungen“, sagte Aymaz.

„Das Stärkste, was Köln machen kann, um auf die Rechtsextremisten zu reagieren, ist ein Signal der Vielfalt und Toleranz zu senden“, sagte Katharina Dröge
https://www.ksta.de/koeln/kommunalwahl-berivan-aymaz-will-vielfalt-und-gerechtigkeit-1102236

Der Artikel von Tim Attenberger im heutigen Kölner Stadt-Anzeiger, aus dem diese peinlichen Zitate sind, trägt die Überschrift „Berivan Aymaz will Vielfalt und soziale Gerechtigkeit“.

Wie wichtig den Kölner Grünen das Thema soziale Gerechtigkeit ist, kann am Beispiel des von ihnen mitverursachten Wohnungsnotstands zur Kenntnis genommen werden. Der Grüne Kreisparteitag hat im November 2019 das Konzept „Lebenswertes und bezahlbares Wohnen in Köln“ beschlossen, das in den vergangenen sechs Jahre keine Rolle gespielt, obwohl die Grünen stärkste Fraktion im Rat waren.
https://www.gruenekoeln.de/partei/beschluesse/nachricht/lebenswertes-und-bezahlbares-wohnen-in-koeln-3628

Seit über 20 Jahren wird das Diversity Managment kritisiert. Beispielhaft von Patricia Purtschert 2005 in der WoZ:  „Einer der guten Gründe, dem Diversity Management mit Vorsicht zu begegnen, besteht also in seiner Ausrichtung auf Profit. Im Zentrum stehen nicht primär Fragen der Gerechtigkeit, sondern Fragen der Gewinnmaximierung.“
https://www.woz.ch/-48f

Walter Benn Michaels: „Da in vielen Fällen der Einsatz für die Diversität an die Stelle des Kampfes für die Gleichheit getreten ist (statt ihn zu ergänzen), hat er am Ende die Barrieren geschwächt, die den um sich greifenden Neoliberalismus eindämmen sollten.“
https://monde-diplomatique.de/artikel/!726478

Eva Berger in der taz: „Während wir uns mit immenser Energie und kritischem Herzblut auf allen Ebenen der Gesellschaft der Anerkennung und Förderung von wie auch immer gearteter Diversität und dem Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung widmen, ist davon ein Ungleichheitsverhältnis nahezu unberührt geblieben bzw. hat sich radikalisiert: die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer, die Verteilung des Reichtums ungerechter (die USA und Deutschland stechen hier laut OECD besonders hervor), die Ausbeutung insbesondere in den unteren Lohnsegmenten schärfer.“
https://taz.de/Buch-Der-Trubel-um-Diversitaet/!5807703/

Am 20.03.2024 fragte die Kölnische Rundschau Caritas-Vorstand Peter Krücker: Wie kann es überhaupt sein, dass in einem so reichen Industrieland wie Deutschland so eine große soziale Ungleichheit herrscht?

Es hängt an den Prioritäten der Politik, sowohl auf der Bundes- als auch auf der Landesebene. Beim Bauen ist es auch ein kommunales Thema, dass die Prioritäten der Politik nicht bei der Armutsvermeidung liegen.
https://www.rundschau-online.de/politik/scharfe-kritik-des-europarats-was-muss-deutschland-gegen-armut-tun-herr-kruecker-761193

8.9.2025
Klaus Jünschke

Hilfezentren für die Drogenkranken – innerstädtisch oder außerhalb?

Unter dem Stichwort „Verwahrlosung“ – mit dem die CDU ihren Kommunalwahlkampf bestreitet – verkündeten  die Polizeireporter des Kölner Stadt-Anzeiger am 27. August 2025: „Mehrere neue Standorte für Drogenkonsumräume in Köln in der Diskussion.“

Was so angekündigt wird, löst der Artikel nicht ein: „Polizeipräsident Johannes Hermanns hat Politik und Stadtverwaltung mehrere Vorschläge gemacht, die aus Sicht der Polizei geeignet wären.“  Eine Zwischenüberschrift bekräftigt das: „Polizeipräsident hat geeignete Standorte vorgeschlagen.“

Um dann zu erfahren: „Der Stadtverwaltung und Politikern hat der Behördenleiter daher nach eigenen Worten ‚einige aus polizeilicher Sicht mögliche und geeignete Standorte im Stadtgebiet‘ genannt. Auf konkrete Nachfrage des ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ will die Polizei diese Orte aber nicht nennen. Der Grund: ‚Letztlich kann nur die Stadtverwaltung in Abstimmung mit der Politik prüfen und feststellen, welche Standorte tatsächlich zur Verfügung stehen und realisierbar sind‘, sagt Hermanns.

Mit anderen Worten: die Kölner Polizeiführung will über die neuen Standorte für Drogenkonsumräume bzw. Drogenhilfezentren entscheiden, aber es mit Hilfe der Polizeireporter nicht so aussehen lassen.

Nach dem Ende des Artikels werden den Leserinnen in einem Nachtrag quasi unter der Hand drei Standorte mitgeteilt: „Auf Anfrage wollte die Polizei nicht mitteilen, wo sie sich im Stadtgebiet ein Drogenhilfezentrum vorstellen kann. Aber wie der ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ erfuhr, prüfen Stadtverwaltung und Politik derzeit mehrere mögliche Standorte. Darunter die Fläche an der Luxemburger Straße nahe dem Gerichtsgebäude…   …Des Weiteren ist für ein Drogenhilfezentrum die große Fläche gegenüber dem Polizeipräsidium in Kalk im Gespräch, die zurzeit als Parkplatz genutzt wird. Außerdem sollen alte Industrieflächen im Mülheimer Süden in der Diskussion sein.

Für diese Plätze durfte der Polizeipräsident im Artikel werben: „ Infrage kommen nach Auffassung des Polizeipräsidenten nicht nur Bestandsimmobilien. ‚Containerbauten auf freien Flächen würden schnell umsetzbare Ergebnisse ermöglichen‘, schlägt er vor. Sicher sei: ‚Wenn Lösungen gesucht werden, wird man auch Lösungen finden.‘“
https://www.ksta.de/koeln/mehrere-neue-standorte-fuer-drogenkonsumraeume-in-koeln-in-der-diskussion-1093795

Im Artikel wurde erwähnt, dass Sozialdezernent Dr. Rau gegen diese weit vom Stadtzentrum entfernten Konsumräume ist, weil damit schon in Deutz schlechte Erfahrungen gemacht wurden. Was die von der Polizei vorgeschlagenen Standorte noch mit dem „Züricher Modell“ zu tun haben, wird den Leserinnen vorenthalten. Mit dem „Züricher Modell“ war erreicht worden, dass der offene Drogenkonsum im Stadtzentrum beendet wurde. „Der Kern der Strategie: Null-Toleranz für Drogenhandel und Drogenkonsum im öffentlichen Raum. In den Kontakt- und Anlaufstellen mit Drogenkonsumräumen ist der Konsum erlaubt und der Kleinhandel zwischen Schwerstabhängigen toleriert (wichtig: die Polizei stützt diese Strategie).“(S.7) https://www.frankfurt-university.de/fileadmin/standard/ISFF/1400_FlorianMeyer.pdf  

„Ziel ist nicht, dass drogenabhängige Menschen von den Straßen ‚verschwinden‘, sondern dass im öffentlichen Raum keine Drogen konsumiert oder gehandelt werden.“ (Nadeen Schuster, Sozialdepartement der Stadt Zürich)
Viele der Konsumenten sind sozial integriert und konnten in Arbeit vermittelt werden. Eine Arbeit, die nicht aus Beschaffungskriminalität besteht.
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/crack-drogen-drogenszene-deutschland-zuericher-modell-100.html

Der Kölner Polizeipräsident Johannes Hermanns in einem Interview mit dem Stadt-Anzeiger am 16. Juli 2025: „Wenn ich eine Einrichtung wie einen Drogenkonsumraum grundsätzlich akzeptiere, aber nicht erkläre, wie die Abhängigen den Stoff kriegen können, den sie da drinnen konsumieren dürfen, dann ist das für mich eine eher nicht nachvollziehbare Regelung, um das mal vorsichtig zu beschreiben.“
https://www.ksta.de/koeln/koelner-polizeipraesident-so-funktioniert-der-konsumraum-am-neumarkt-nicht-1065795

Wie die Drogengebrauchenden am Neumarkt jetzt an ihre Drogen kommen, ist der Polizei bekannt. In der Sendung monitor vom 14. August 2025 war zu sehen, wie sie damit umgeht:

„Mitten auf dem Neumarkt treffen wir Takan. Er versucht ein bisschen zu essen, kriegt aber kaum etwas runter. Takan ist entzügig – seit mehr als 24 Stunden habe er kein Heroin konsumiert. Für einen Schuss habe er sein letztes Geld ausgegeben, erzählt er uns.
Takan: ‚Das wäre jetzt 15,- Euro.‘
15,- Euro, die ihn jetzt durch die nächsten Stunden bringen sollen.
Takan: ‚Zwei Minuten, ich bin in zwei Minuten wieder bei euch, ne. Bis gleich!‘
Wir warten, aber Takan kommt nicht wieder. Aus zwei Minuten werden 20 – dann treffen wir ihn in einer Seitenstraße. Takan sagt, die Polizei habe ihm sein Heroin abgenommen, bevor er es sich spritzen konnte.
Takan: ‚Die wissen nicht, was da für Kraft dahintergesteckt hat.‘Reporter: ‚Und die nehmen das auch direkt ab oder was, ja?‘
Takan: ‚Ja, musste ich vor denen – kann ich dir zeigen – vor denen in den Becher reingeben. Dann haben sie mich in Ruhe gelassen, noch nicht mal Ausweiskontrolle, nichts. Einfach, ja, weiter. Schönen Tag noch. Ich habe keine Kraft mehr!‘“ https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/crack-elend-gewalt-deutsche-drogenpolitik-gescheitert-100.html#commentsBlock

Wieso muss die Polizei dem Süchtigen seine Drogen kassieren? Da die Sucht bekanntlich nicht zur Disposition steht, muss der Drogenkranke erneut das Geld für den Kauf von Drogen aufbringen. Wer weiß, wie schwierig es ist über Betteln oder Flaschensammeln die nötigen Euros zusammenzubekommen, versteht auch, warum es zu Diebstahl, Raub und Einbrüchen kommt. Kein Wunder, dass Polizeipräsidenten schon in den 1990er Jahren die Abgabe von Heroin an die Süchtigen durch den Staat empfohlen haben. Der Spiegel schrieb am 17.08.1992: „Die deutsche Drogenpolitik steht vor der Wende. Staatsanwälte und Polizeichefs halten die Jagd auf Dealer mittlerweile für aussichtslos. Um der Rauschgiftmafia das Geschäft zu verderben und das Fixer-Elend zu lindern, gibt es nach Ansicht von SPD-Politikern und Drogenexperten nur noch ein Rezept: Heroin vom Staat.“ https://www.spiegel.de/politik/das-boese-aus-der-buechse-a-4b71a3f8-0002-0001-0000-000013689817?context=issue

Was will Polizeipräsident Johannes Hermanns mit einem Drogenhilfezentrum auf dem Parkplatz gegenüber dem Polizeipräsidium in Kalk? Wenn er damit die Beschaffungskriminalität in der Innenstadt beenden will, muss er den Süchtigen den Stoff geben, den sie brauchen. Da er nicht einmal seine Beamten anweisen kann, den Süchtigen nicht mehr ihre Drogen abzunehmen, kann es das nicht sein. Mit was will er die Süchtigen nach Kalk bewegen?

Zuzustimmen ist dem Polizeipräsidenten wenn er diese Binsenweisheit ausspricht:

‚Containerbauten auf freien Flächen würden schnell umsetzbare Ergebnisse ermöglichen‘, schlägt er vor. Sicher sei: ‚Wenn Lösungen gesucht werden, wird man auch Lösungen finden.‘“
https://www.ksta.de/koeln/mehrere-neue-standorte-fuer-drogenkonsumraeume-in-koeln-in-der-diskussion-1093795

Das führt wiederum zu Dr.Rau und der Kölner Sozial- und Gesundheitsverwaltung: sie produzieren immer neue Papiere, aber handeln nicht danach. Dabei gehört auch zum von allen Seiten beschworenen Züricher Modell, dass es die Zahl der Drogentoten radikal senken konnte. In Köln sind diese Zahlen in den letzten Jahren gestiegen und kein Anlass gewesen, einen humanitären Notstand zu erkennen, der Sofortmaßnahmen bedarf. 

27. August 2025

Klaus Jünschke

Für eine Stadt ohne Drogentote

Seit 10 Jahren regieren CDU und Grüne Köln. Die Kölner Polizeiliche Kriminalstatistik 2024
registriert auf S.58 in den vergangenen 10 Jahren 676 Drogentote
2015 – 48
2016 – 46
2017 – 52
2018 – 77
2019 – 56
2020 – 54
2021 – 82
2022 – 76
2023 – 97
2024 – 88
https://koeln.polizei.nrw/sites/default/files/2025-03/pks-jahresbericht-2024_0.pdf
Studien, die sich mit den genauen Ursachen des Todes von Drogenkonsumenten befassen,
gibt es in Deutschland noch nicht. Eine Studie aus Schweden hat die Ursachen untersucht, die
dem Tod nach Stimulanzien (Kokain, Amphetamin) oder Opioiden (Heroin, Fentanyl)
zugrundliegen. Während in den Medien meist nur von Überdosierungen die Rede ist, wenn
ein toter Suchtkranker aufgefunden wird, sehen die schwedischen Forscher Suizide als
häufigste Ursache, also Not und Verzweiflung.
https://www.drugcom.de/news/hintergruende-bei-todesfaellen-durch-stimulanzien-und-
opioide/
Hinter den Statistiken zu Drogentoten stehen Menschen, die nicht auf den Drogenkonsum
reduziert werden können. In Köln wird ihnen jedes Jahr am 21. Juli bei Vision e.V. in Kalk
gedacht. 2023 kam der damalige Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert zur
Gedenkveranstaltung, die ausführlich dokumentiert ist. Er berichtete von der Ermöglichung
des Drug-Checking durch den Bundestag und die anstehende Regulierung von Cannabis. Dass
mit Vision e.V, zum ersten Mal eine Selbsthilfeorganisation von Betroffenen einen
Drogenkonsumraum betreiben wird, lobte er sehr.
https://www.youtube.com/watch?v=EMDne3cHAgg
Motto des Gedenkens 2023 war „Drogentod ist Staatsversagen“
https:// https://www.youtube.com/watch?v=lozMPV7A3pYjesnrw.de/drogentod-ist-
staatsversagen/
Auf dem Gedenktag 2023 skandalisierte Imke Niebaum von der TH Köln entschieden die
ausbleibende Beteiligung von Drogengebrauchenden in den sie betreffenden
Angelegenheiten.
https://www.youtube.com/watch?v=gRKQ84l-dfI
Wissenschaftlerinnen haben das in einem Projekt umgesetzt, das sich dem Überleben von
Suchtkranken am Kölner Neumarkt widmete. Drogengebrauchende fotografierten ihren Alltag
und haben ihre Fotos kommentiert.
https://www.uni-wuppertal.de/de/news/detail/ueberleben-im-risikoumfeld-wie-leben-
suchtkranke-am-koelner-neumarkt/
Die Kölner AIDS-Hilfe hat am 26.01.2025 die daraus entstandene Ausstellung „ÜberLeben
im Risikoumfeld“ eröffnet, in der die Drogengebrauchenden zu Wort kommen.
https://www.aidshilfe-koeln.de/mc-events/ueberleben-im-risikoumfeld-ausstellung-und-talk/
Auf der letzten Tafel der Ausstellung sind die Forderungen und Maßnahmen aufgelistet, die
dazu beitragen können, die Zahl der Drogentoten zu senken:
„Notwendige Maßnahmen
Ein flächendeckender Zugang zu sicheren Konsumbedingen, wie sie Drogenkonsumräume
bieten. Es bedarf ebenso sicherer Konsumbedingungen in Notschlafstellen – dies ist in
Deutschland bisher nicht möglich.
Tagesruhestätte für Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße haben und
insbesondere Crack konsumieren.
Eine niedrigschwellige Substitutionsbehandlung, auch für Menschen ohne
Krankenversicherungsschutz.
Effektive Maßnahmen um die Wohnungslosigkeit zu bekämpfen. Der Ansatz Housing First
sollte als Regelangebot in den Kommunen vorgehalten werden.
Niedrigschwelliges Drug Checking für Menschen in offenen Drogenszenen sowie der Zugang
zu Naloxon, einem Medikament, das im Drogennotfall auch durch medizinische Laien
verabreicht werden kann.
Der Mikro-Handel, d. h. das Dealen von Drogen von Konsumentin zu Konsumentin, sollte
innerhalb von Suchthilfeeinrichtungen in sicheren Bereichen toleriert werden. Hierdurch
werden die Sozialräume entlastet. Die Stadt Zürich hat damit sehr gute Erfahrungen
gesammelt.
Die Einrichtung und konzeptionelle Weiterentwicklung von Szenetreffpunkten im
öffentlichen Raum, in denen der Aufenthalt von Drogenkonsumentinnen geduldet wird. Die Entkriminalisierung von Drogenkonsumentinnen entlastet die erkrankten Menschen und
ermöglicht bessere Zugänge zu Hilfen. In Portugal sind durch die Entkriminalisierung von
Drogenkonsument*innen und den Zugang zur Suchtberatung die Zahl der Drogentodesfälle
deutlich gesunken.“
http://daniel-deimel.de/wp-content/uploads/2024/10/Broschuere_Ausstellung_Risikoumfeld_
20241029-1.pdf
Die Stadt
In Köln hat sich die Gesundheitsverwaltung 2016 mit einem ersten Suchtbericht dem Elend
der Drogenkranken gestellt. Auf den Seiten 22f. wird zu den Drogentoten mit polizeilichen
Daten unter der Überschrift „Verstorbene in Folge ihres Drogenkonsums“ berichtet.
Auf Seite 27 werden die sozialen Ursachen des Drogenkonsums angesprochen: „Die
Menschen mit Opiatabhängigkeit haben insgesamt die ungünstigsten Voraussetzungen: Bei
den Betreuungen dieses Personenkreises zeigt sich durchschnittlich das niedrigste
Bildungsniveau und mit über 70 Prozent der höchste Anteil an Arbeitslosengeld als
Hauptlebensunterhalt…Hier spiegelt sich zum Teil wider, dass insbesondere bei Menschen
mit Opiatabhängigkeit häufig ungünstige Startbedingungen durch komplexe soziale
Problemlagen bereits vor Beginn der Suchterkrankung vorliegen.“ Die politischen Ursachen,
die repressive Drogenpolitik, das Betäubungsmittelgesetz, werden nicht thematisiert.
Im Kapitel 5 „Handlungsbedarfe und Ausblick“ bekennt sich die Stadt zur Hilfe:
„Köln sollte auch bei den derzeitig auftretenden suchtbedingten Belastungen im öffentlichen
Raum den bisher eingeschlagenen Weg der Vorhaltung und Bereitstellung von Suchthilfen
verfolgen, anstatt Betroffene zu vertreiben und die Problematik zu verlagern.
− Zunächst steht vorrangig die schwierige Situation am zentralen Szenestandort um den
Neumarkt im Fokus, wobei die anderen Standorte zum Beispiel Kalk, Mülheim ,
Kölnberg/Meschenich und die Kölner „Ringe“ im Blick sind und an Lösungsmöglichkeiten
weiter gearbeitet wird. Das Konzept für ein umfassendes Drogenhilfeangebot am Neumarkt
wird zur Information und Beschlussfassung den Fachausschüssen des Rats der Stadt Köln
vorgelegt.“ (Kölner Suchtbericht 2016, S.54)
Angesichts des hohen Anteils von Wohnungslosen wird versprochen:
„Es ist ein abgestimmtes und koordiniertes Vorgehen für Personen, die keinen Zugang zum
Wohnungsmarkt haben, zu entwickeln, um dadurch auch für Menschen mit einer
Suchterkrankung zukünftig den nötigen Wohnraumbedarf sicherzustellen.“ (Kölner
Suchtbericht 2016, S.56)
https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf53/koelner_suchtbericht_2016.pdf
Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS) veranlasste 2024 eine
Studie zu den Offenen Drogenszenen in Düsseldorf, Essen, Köln und Münster, die 2025
erschienen ist.
Da am 11.8.2025 im Hauptausschuss eine „Aktuelle Stunde zur Platzsituation am Neumarkt –
Aktuelle Situation und nächste Maßnahmen“ beantragt war, hat Sozial- und
Gesundheitsdezernent Dr. Rau am 07.08.2025 die „Weiterentwicklung des Kölner
Suchthilfekonzepts“ vorgelegt. Darin stützte er sich auf die Ergebnisse der MAGS-Studie.
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=1061310&type=do
„Die erheblichen Problemlagen sowohl für die betroffenen suchtkranken Menschen als auch
für Menschen und Institutionen im öffentlichen Raum dulden keine weitere Verzögerung, so
dass unverzüglich Interimslösungen gesucht werden, die eine zeitnahe Verbesserung der
Situation ermöglichen.“ Die „Sofort- und Interimslösungen“ sehen keine Soforthilfen für die
suchtkranken Menschen und die von der Drogenszene am Neumarkt belästigten Anwohner
und Geschäftsleute vor.
Die Bürgerinitiative Zukunft Neumarkt am 12.08.2025 zur Sitzung des Hauptausschuss am
11.8.2025: „Die von den Parteien vorgebrachten mittel- beziehungsweise eher langfristigen
Maßnahmen helfen den Bewohnern in ihrer aktuellen Situation nicht. Zumal unsere
berechtigte Forderung nach einem kurzfristigen, parteiübergreifenden Ziel, der Reduzierung
der offenen Drogenszene, nicht thematisiert wurde.“
https://www.zukunft-neumarkt.de/2025/08/das-ende-des-sozialexperiments-
drogenkonsumraum-und-substitutionsambulanz-am-neumarkt-ist-in-die-wege-geleitet-2/
Eine entsprechende Beurteilung der Debatte im Hauptausschuss im Interesse der
Suchtkranken ist nicht bekannt geworden.
Die Dringlichkeit von Soforthilfen für die Suchtkranken hat Daniel Deimel im Gespräch mit
monitor eindrücklich geschildert: „Wir sehen hier eine so schnelle Dynamik, die
atemberaubend ist. Auch für langjährig erfahrene Menschen im Suchtbereich, dass sie ja …
einfach im Zeitraffer zusehen können, wie die Verelendung zunimmt bei diesen Menschen.”
https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/crack-elend-gewalt-deutsche-drogenpolitik-
gescheitert-100.html#commentsBlock
In der von ihm mitverfassten MAGS-Studie zu den Offenen Drogenscenen ist auf Seite 94 zu
lesen:
„Der Zugang zu Wohnraum und eine finanzielle Absicherung erscheinen als wesentliche
Faktoren für andere Aspekte des sozialen Ausschlusses.
Zugang zu Wohnraum als zentrale Aufgabe realisieren: Fast zwei Drittel der in den offenen
Drogenszenen befragten Personen sind wohnungslos, über ein Drittel sogar obdachlos.
Menschen in den offenen Drogenszenen sind damit insbesondere von der steigenden
Wohnungslosigkeit in Deutschland betroffen. Umgekehrt zeigt die Befragung auch, dass
obdachlose Menschen unter den Befragten noch einmal stärker von sozialen Ausschließungen
und erhöhtem Substanzkonsum betroffen sind. Um die Problemlagen der Menschen in
offenen Drogenszenen anzugehen, muss deswegen zunächst der Wohnraum für wohnungslose
Menschen sichergestellt werden: sowohl in niederschwelligen Notunterkünften, wie sie
beispielhaft in Düsseldorf umgesetzt werden, als auch in längerfristigen Wohnheimen und am
besten in eigenen Wohnungen, wie er in Essen und Münster noch für einen größeren Teil der
Befragten besteht. Die Aufrechterhaltung bestehender Mietverträge und Überleitungen in
regulären Wohnraum, z. B. durch den Housing-First-Ansatz oder soziale Wohnmakler:innen,
sind die wichtigsten Bausteine in der Schadensreduzierung.“
https://www.mags.nrw/system/files/media/document/file/offene_drogenszenen_in_nrw_2024.
pdf
Wieso wird als Sofortmaßnahem die Unterbringung aller obdachlosen Suchtkranken in
abschließbaren Einzelzimmern nicht angegangen? Sie würde die Obdachlosen und die
Anwohner entlasten.
Coronabedingt hatte der Sozialausschuss am 14.1.2021 die Unterbringung aller Obdachlosen
in abschließbaren Einzelzimmern beschlossen, vom Rat am 4.2.2021 bekräftigt.
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=801190&type=do
Wie lange noch wollen Rat und Verwaltung der zunehmenden Verelendung auf unseren
Straßen und Plätzen zusehen?
Kai Hauprich, Projektleiter der Housing-First-Initiative des Vringstreffs e.V., hat im
Interview mit dem Straßenmagazin DRAUSSENSEITER eindrücklich darauf verwiesen, dass
wir uns daran gewöhnt haben, „dass wir den Menschen beim Sterben zuschauen, dass wir das
für normal halten. Das darf nicht sein. Ich finde, wir müssen schnellstmöglich jene versorgen,
die am dringendsten unsere Hilfe brauchen.“
https://bodoev.de/2023/02/01/wir-schauen-den-menschen-seit-jahren-beim-sterben-zu/
Wenn die obdachlosen Drogenkranken nicht wenigstens von der Straße in abschließbare
Einzelzimmer untergebracht werden, wird die Unfähigkeit der Stadt zur sozialen Lösung
dieses sozialen Konflikts zum lauter werdenden Ruf nach gewaltsamen Lösungen führen.
Die BI Zukunft Neumarkt am 14.8.2025 in ihrem Rundbrief: „Besonders wird zu beachten
sein, ob neben der bisher rein human geprägten Drogenpolitik durch die Intervention unseres
Polizeipräsidenten die Grundlagen zur Sicherstellung und Umsetzung des Gewaltmonopols
zum Schutz der Anwohner eine zunehmend dominante Rolle spielen wird.“
https://www.zukunft-neumarkt.de/category/koelnkolumne/
Wer die Leserbriefe in den Berichten unserer Medien über die Absicht von Donald Trump
liest, die Obdachlosen aus den Städten zu vertreiben, muss sich nicht wundern von der Kölner
CDU im laufenden Wahlkampf solche Töne zu hören: „CDU-Fraktion: Linksbündnis
verhindert Zerschlagung der Drogenszene am Neumarkt“.
https://www.cdu-koeln.de/cdu-fraktion-linksbuendnis-verhindert-zerschlagung-der-
drogenszene-am-neumarkt/
Die Forschergruppe zu den Offenen Drogenszenen ist auch gegen diese zunehmende law-and-
order-Stimmung eine Stimme der Vernunft:
„Ordnungspolitik und Kriminalisierung entmystifizieren
Ordnungspolitik und Kriminalisierung sind keine Lösungen der zugrundeliegenden
Problematiken in den offenen Drogenszenen. Der hohe Anteil von rund 80 % der Befragten,
die im Schnitt fast sechs Jahre in Haft verbracht haben, zeigt, dass Gefängnisaufenthalte an
der Suchterkrankung nichts verändern vermögen. Über die Hälfte der von uns Befragten gibt
außerdem an, im letzten Monat durchschnittlich fast sechsmal kontrolliert worden zu sein.
Dieses Vorgehen behebt nicht die zugrundeliegenden Probleme und ist deswegen weder
nachhaltig noch zielführend. Im Gegenteil: Repressive Maßnahmen führen zu einer
Verlagerung von Szenetreffpunkten, verschlechtern die Zugänge zum Suchthilfesystem und
ziehen mehr Stigmatisierung und Ausgrenzung nach sich. Es bedarf sicherer,
risikominimierter und angstfreier Räume und Orte für Drogenkonsument:innen und
Anwohner:innen. Beide Interessensgruppen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“
(S.96)
https://www.mags.nrw/system/files/media/document/file/offene_drogenszenen_in_nrw_2024.
pdf
Monitor hat am 14. 8.2025 gezeigt, wie dumm der Kleinkrieg zwischen Polizei und
Drogenkranken und Obdachlosen ist. Der Polizeipräsident, nennt das, was die
„Superstreifen“ (Express) aus KVB, Ordnungsamt und Polizei anrichten
„Reparaturbetrieb“. Was bitte „repariert“ die Polizei, wenn sie Süchtigen ihren Stoff
abnimmt, Platzverwiese erteilt und Strafanzeigen stellt?
https://www.youtube.com/watch?v=gIAOn9INbL4
Köln, 19. August 2025
Klaus Jünschke

CDU Köln mit blinder Härte gegen Suchtkranke

Am 27.01.1997 berichtete der Spiegel in seiner Titelgeschichte, dass viele Polizeipräsidenten für die Abgabe von Heroin an die Süchtigen sind, auch Kölns damaliger Polizeipräsident Jürgen Roters zählte zu den Befürwortern:

„Junkie-Jogging zu betreiben belastet viele Polizisten. ‚Die Gruppe der Schwerstabhängigen, teilweise psychisch labil, HIVinfiziert, von einer Ecke zur anderen zu vertreiben, ohne Lösungsmöglichkeiten, weil sie weder für Methadon-Programme noch für Langzeittherapien zu gewinnen sind, führt zu großen Gewissenskonflikten bei unseren Kollegen auf der Straße‘, sagt der Kölner Polizeipräsident Roters.“

Jörn Foegen, damals Leiter der JVA Köln, im Dezember 1997 Interview mit Elisabeth Thelen und Ossi Helling für „rathaus ratlos“, der Zeitschrift der grünen Ratsfraktion:  „Entscheidend ist, dass wir sagen, ein Drogenabhängiger ist krank. Dann frag ich mich, was soll der denn bei mir? Bin ich leitender Arzt oder bin ich Knastdirektor? Wenn die krank sind, dann muss ich ihnen das Medikament geben. Das ist im Moment die Droge. Ein Schweizer Versuch hat sogar gezeigt, dass es besser ist, gleich anständiges Heroin zu geben anstatt Methadon. Gäbe es das notwendige Suchtmittel unter ärztlicher Begleitung in anderer Form, dann hätten wir beides, den vernünftigen Umgang mit der Droge und das Infektionsproblem gelöst.“

Es hat dann nochmal 10 Jahre gedauert, bis der Bundestag 2008 Heroin als Medikament zugelassen hat. Allerdings so beschränkt, mit so vielen Auflagen, dass nur ein Bruchteil der Suchtkranken damit behandelt werden kann. So kommt es, dass in Köln in der Heroin-Substitution in der Lungengasse hinter dem Gesundheitsamt nur 50 – 70 Abhängige Diamorphin bekommen und vor der Gesundheitsamt auf dem Neumarkt weiter das verunreinigte Straßenheroin gehandelt wird. Für die Drogentoten als Folge gibt es keine Übernahme von Verantwortung durch die Politik.

Die letzten Jahre wurde Köln von einem „Gestaltungsbündnis“ aus Grünen, CDU und Volt regiert. Die Zahl der Drogentoten ist Jahr für Jahr gestiegen, nachzulesen in der Polizeilichen Kriminalstatistik. Dort kommen die Toten Drogengebraucher vor – nicht in den Kölner Medien, nicht in der politischen Diskussion um die Drogenscene auf dem Neumarkt.

Der Suchtexperte Daniel Deimel hat die Abgabe von Kokain an die Cracksüchtigen vorgeschlagen. Trotz der vielen Drogentoten verhallt das ungehört. Stattdessen wird das Elend der Süchtigen im Kommunalwahlkampf instrumentalisiert. CDU-Chef  Petelkau fordert „die ganze Härte des Rechtsstaats“ gegen Dealer, ohne zu erklären, woher die Süchtigen, den Stoff bekommen sollen, den sie brauchen. Scheinheilig wird angefügt, dass den Süchtigen geholfen werden soll, sich von der Sucht zu befreien.  Der Express feiert diese inkompetente law-and-order-Tiraden als „Klartext“, statt Polizei und Politik der unterlassenen Hilfeleistung anzuprangern und die Abgabe von den Drogen an die Süchtigen zu fordern.

6. August 2025
Klaus Jünschke

Stadtversagen

Die Kölner Grünen stellen ihren „Zehn Maßnahmen, die Kölns Plätze sicher und lebenswert machen“ diesen Satz voraus: „Ordnungspolitik allein löst keine sozialen Probleme“.
https://wolke.netzbegruenung.de/s/P3r6YWpamKLK3TW 

In ihrer Presserklärung vom 16. Juli 2025 liest sich das so: „Die Grünen im Kölner Rat beurteilen den aktuellen Vorstoß des Polizeipräsidenten Johannes Hermanns für eine veränderte Drogenpolitik in Köln in weiten Teilen positiv. Bereits Ende Juni hat die Fraktion ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, das zentrale Punkte von Hermanns enthält, vor allem in Bezug auf erweiterte Angebote für drogenkranke Menschen.“

Wie kommt es, dass die Debatte in der Stadtgesellschaft zur Lösung der sozialen Probleme, die durch Konflikte mit obdachlosen Drogenkranken im öffentlichen Raum entstehen, nicht vom Sozialdezernat bestimmt wird?

Die Grünen behaupten in ihrem „Maßnahmepaket“:  „Wir GRÜNE im Kölner Rat arbeiten seit Jahren daran, unsere Plätze sicherer und lebenswerter zu machen.“ Dort ist Maßnahme 3 dem „Dialog mit Betroffenen“ gewidmet: „Wir nehmen die Sorgen und Anliegen der Anwohnenden und Gewerbetreibenden ernst“.

Maßnahme 4: „Schutzraum für Suchtkranke schaffen.“ Während in Maßnahme 3 behaupten, dass sie mit den Anwohnern und Gewerbetreibenden einen „Dialog auf Augenhöhe“ wollen, fehlt die Bereitschaft zum „Dialog auf Augenhöhe“ bei den Suchtkranken.

Statt dem Polizeipräsidenten in den Arsch zu kriechen, wäre es angebrachter gewesen die aktuelle Polizeilich Kriminalstatistik auf Seite 58 zu betrachten. Da geht es um die Drogentoten in Köln und Leverkusen.
2024 – 88
2023 – 97
2022 – 76
2021 – 82
2020 – 54
https://koeln.polizei.nrw/sites/default/files/2025-03/pks-jahresbericht-2024_0.pdf

Das sind die wirklich Betroffenen. Deren Zahl ist gestiegen, während „Wir GRÜNEN im Kölner Rat arbeiten seit Jahren daran, unsere Plätze sicherer und lebenswerter zu machen.“

Am 21. Juli 20215 findet auf dem Gelände von VISION e.V. in Kalk eine Gedenkveranstaltung für verstorbene Drogengebrauchende statt. Der Rat der Stadt Köln kann dort zuhören, wie Betroffene von Staatsversagen und Stadtversagen berichten. https://www.vision-ev.de/?p=19620

Die Ärgernisse, mit denen Anwohner von Drogenscenen konfrontiert sind, hätten längst gemildert werden können, wenn allen Obdachlosen in Köln abschließbare Einzelzimmer angeboten worden wären. 2021 hatten das Sozialausschuss und Rat coronabedingt schon beschlossen, aber bekanntlich nur befristet. Denn die Bekämpfung der Armut hatte im „Gestaltungsbündnis“ von Grünen, CDU und Volt nie Priorität.

17. Juli 2025
Klaus Jünschke