Suchthilfezentrum – die Diskussion geht weiter

Ein Offener Brief an Oberbürgermeister Torsten Burmester von Kalle Gerigk, dem neuen Sprecher des Vereins Obdachlose mit Zukunft (OMZ). Kalle Gerigk fordert abschließbare Einzelzimmer für die drogenkranken Obdachlosen, wie für alle Obdachlose – als Übergangslösung, bis es Wohnungen für alle gibt.

Warum das so grundlegend wichtig ist, kann in der 2025 veröffentlichten  Studie zur Offenen Drogenscene in NRW nachgelesen werden, die durch Interviews  mit Drogenkranken in Düsseldorf, Essen, Köln und Münster möglich wurde.

„Der Unterstützungsbedarf, der von den meisten Befragten genannt wird, ist der Zugang zu Wohnraum. Köln erreicht mit 46,7 % hier den Spitzenwert (alle hier und im Folgenden gemachten Angaben: siehe Tabelle 22) – keine Überraschung, liegt doch der Anteil der Wohnungslosen mit 63,9 % sehr hoch und ist der Anteil der Menschen, die im öffentlichen Raum übernachten müssen, mit 34,5 % mit Abstand der höchste unter den vier Städten.“ (S.73)

„Fast zwei Drittel der in den offenen Drogenszenen befragten Personen sind wohnungslos, über ein Drittel sogar obdachlos. Menschen in den offenen Drogenszenen sind damit insbesondere von der steigenden Wohnungslosigkeit in Deutschland betroffen. Umgekehrt zeigt die Befragung auch, dass obdachlose Menschen unter den Befragten noch einmal stärker von sozialen Ausschließungen und erhöhtem Substanzkonsum betroffen sind. Um die Problemlagen der Menschen in offenen Drogenszenen anzugehen, muss deswegen zunächst der Wohnraum für wohnungslose Menschen sichergestellt werden: sowohl in niederschwelligen Notunterkünften, wie sie beispielhaft in Düsseldorf umgesetzt werden, als auch in längerfristigen Wohnheimen und am besten in eigenen Wohnungen, wie er in Essen und Münster noch für einen größeren Teil der Befragten besteht. Die Aufrechterhaltung bestehender Mietverträge und Überleitungen in regulären Wohnraum, z. B. durch den Housing-First-Ansatz oder soziale Wohnmakler:innen, sind die wichtigsten Bausteine in der Schadensreduzierung.“ (S.95)
https://www.mags.nrw/system/files/media/document/file/offene_drogenszenen_in_nrw_2024.pdf

In seinem Offenen Brief schildert Kalle Gerigk wie in Köln mit dem Wunsch der Obdachlosen nach einem Zuhause umgegangen worden ist. Das setzt sich bis heute fort. Gegen besseres Wissen, muss man angesichts der vorliegenden Studie sagen. In der Information der Anwohner am 20. Januar 2026 kam die Wohnungsnot der Drogenkranken nur in einem Satz von Daniel Deimel zur Sprache.

Dr. Rau wollte mit der Behauptung  „Die offene Drogenszene ist Kölns größtes Problem“ den Anwohnern signalisieren, wie ernst er sie nimmt. Er ist leider nur ein Empathie-Darsteller und die Anwohner haben ihm das zurecht nicht abgenommen, weil die Stadt für alle sichtbar die drogenkranken Obdachlosen um den Neumarkt seit Jahren auf der Straße lässt. Nicht mal angemessen reagiert wurde auf die Klagen der Anwohner und Geschäftsleute um den Neumarkt, die jeden Morgen mit den menschlichen Ausscheidungen vor ihren Türen konfrontiert sind. In einer Veranstaltung am 24. November 2025 im NS-Dok-Zentrum erklärte  Dr. Rau, dass die Toilette in der Neumarkt-Unterführung geschlossen werden musste, weil dort Drogenkranke ihre Drogen konsumierten und eine Alternativtoilette nicht eröffnet werden konnte, weil deren nötige Bewachung 100.000 Euro im Jahr kosten würde, und die seien nicht vorhanden.

Oberbürgermeister Torsten Burmester hat in der Bürgerversammlung eindrücklich geschildert, was es mit ihm gemacht hat, als er die Drogenkranken mit offenen Beinen auf der Straße am Neumarkt liegen sah. Wenn die Unerträglichkeit, die er empfand und von der er sprach, ernst gemeint war und es jetzt Soforthilfen für die drogenkranken Obdachlosen gibt, können auch die Anwohner des geplanten Suchthilfezentrums ihr verloren gegangenes Vertrauen in die Stadt zurückfinden.

23. Januar 2026

Klaus Jünschke

PS
Das Suchthilfezentrum in den Kölner Medien

Lokalzeit aus Köln am 20.1.2026, geht direkt los:

Lokalzeit aus Köln am 21.1.2026, ab Minute 4:05

Kölner Stadt-Anzeiger 21.1.2026
https://www.ksta.de/koeln/buhrufe-beim-infoabend-stadt-koeln-verteidigt-plaene-fuer-suchthilfezentrum-1194411

Kölnische Rundschau, 22.1.2026
https://www.rundschau-online.de/koeln/koeln-innenstadt/koeln-tumultartige-szenen-bei-infoveranstaltung-zu-suchthilfezentrum-1195348

KStA 22.1.2026
https://www.ksta.de/koeln/wieviel-zuerich-steckt-im-koelner-modell-fuer-die-drogenszene-1194972

KStA 22.1.2026 Kommentar Tim Attenberger
https://www.ksta.de/koeln/koelner-suchthilfezentrum-muss-zwingend-rund-um-die-uhr-geoeffnet-sein-1195338

Literatur

Alternativer Drogen- und Suchtbericht 2025
https://alternativer-drogenbericht.de/wp-content/uploads/2025/12/ADSB_2025_web.pdf