Im Gewölbe des NS-Dok-Zentrum startete am 18.September 2025 die Ausstellung „WE…TOGETHER:gemeinsam.demokratisch.handeln“. Auf dem Faltblatt steht zwischen „WE“ und „TOGETHER“: „work, remember, live, build, party“.
https://museenkoeln.de/NS-Dokumentationszentrum/WE-%E2%80%A6-TOGETHER
Im Faltblatt wird darüber informiert, dass die Begleitveranstaltungen in „deutscher Lautsprache“ stattfinden. Am 9. Oktober 2025 fand die Podiumsdiskussion zu „WE build TOGETHER“ statt. Es wird gefragt, „Für wen sind Orte zugänglich und wer wird ausgeschlossen“? Haben sich die Veranstalter gefragt, wer durch diese englischen Vokabeln angesprochen werden soll und wer dadurch ausgeschlossen wird? In der mäßig besuchten Veranstaltung war das kein Thema.
Der Stadt-Anzeiger erklärte bündig: „we…together zeigt Wege zur Beteiligung an Demokratie“. https://www.ksta.de/koeln/koeln-we-together-zeigt-wege-der-beteiligung-an-demokratie-1108933 Könnte es sein, dass von den 45%, die zur OB-Stichwahl gingen, diejenigen überrepräsentiert sind, die sich englisch ansprechen lassen und bei den 55%, die nicht wählen gingen, die anderen, ärmeren Teile der Stadtgesellschaft?
Moderiert von Shavu Nsenga diskutierte Christina Bacher (OASE e.V. und Chefredakteurin des Straßenmagazins DRAUSSENSEITER), Dr. Dorothea Wiktorin (Uni Köln), Dr. Sybille Fraquelli ((Superblock Winzerveedel) und Johannes Geyer (Stadtplanungsamt, Team Öffentlicher Raum, Projekt Ebertplatz).
Dorothea Wiktorin sieht unsere Gesellschaft von zwei Krisen bestimmt. Mit der Mitteilung, dass am heißesten Tag die meisten Menschen sterben, verwies sie auf die Klimakrise. Die zunehmende soziale Ungleichheit bestimmt die sozialen Krise.
Sybille Fraquelli stellte den Superblock Winzerveedel vor: https://www.superblock-winzerveedel.de/ und berichtete von den positiven Wirkungen der aufgestellten Wanderbaummodule und dem Blumenbeet auf einer Brachfläche, die die Kommunikation im Veedel mit seinen 2000 Bewohnerinnen verbesserte.
Johannes Geyer präsentierte seine Dienststelle im Stadtplanungsamt. Er will durch das Schaffen von Orten gelebter Demokratie dazu beitragen, dass Köln Schwarmstadt bleibt. https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarmstadt Er erwähnte die Finanznot der Stadt mit den unabsehbaren Folgen für die Projekte am Ebertplatz.
Christina Bacher machte auf den 40.Geburtstag des Vereins OASE aufmerksam, der im kommenden Jahr gefeiert wird. https://www.oase-koeln.de/ Seit 20 Jahren sorgt sie dafür, dass jeden Monat der DRAUSSENSEITER erscheint und seine 60 Verkäuferinnen unterstützt. Einer der anwesenden Verkäufer kam gerade von der alternativen Stadtführung, mit der Obdachlose ihren Blick auf die Stadt und ihre Erfahrungen mit der Stadt vermitteln.
Nach dieser Vorstellungsrunde hat Shavu Nsega die Podiumsrunde gefragt wie Beteiligung stattfindet und welche Erfahrungen es mit Ausschlussmechanismen gibt und von was für neueren Trends sie berichten können. Es gab jede Menge interessante Infos aus den verschiedenen Arbeitsfeldern. Wie wichtig eine eigene Wohnung, ein Zuhause für die Obdachlosen ist, konnte Christiane Bacher eindrücklich vermitteln. Johannes Geyer erklärte, dass die Bügel auf den Bänken in der Stadt auf die Bitte des Seniorenverbands angebracht wurden, nicht um Obdachlose zu vergraulen. Er wusste auch, dass die Polizei mit ihren vielen Kontrollen öffentlichen Räume den Ruf gefährlich zu sein, verpassen kann.
In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich wie unsensibel städtische Dienststellen mit Bürgeranliegen umgehen. Einer Frau, die den leerstehenden Schulhof für Nachbarschaft nutzen wollte, wurde nicht der Schlüssel dafür ausgehändigt, stattdessen wurde ihre mitgeteilt, dass das zu teuer sei, denn die notwendigen Security-Leute würden 160.000 Euro im Jahr kosten. Eine andere Teilnehmerin erzählte, wie bedrohlich die Superstreife aus Polizei, KVB und Ordnungsamt auf sie wirkt, wenn sie die auf dem Ebertplatz zusammen stehen sieht. Aus Vingst berichtete eine andere, dass es dort gar keinen öffentlichen Raum gibt, keinen Platz wo man treffen könnte. Große Zustimmung fand der Wunsch eines Mannes nach öffentlich zugänglichen Räumen, wo man verweilen können soll, ohne Geld ausgeben zu müssen. Einig war man sich, dass nicht die Obdachlosen das Problem sind, sondern eine Stadtgesellschaft, die es hinnimmt, dass Menschen auf der Straße vegetieren.
Wie man damit umgehen kann, dass die Stadt über eine Milliarde für die Sanierung von Schauspiel und Oper ausgibt und gleichzeitig die Streichung der sogenannten freiwilligen Leistungen dazu führt, dass z.B. Gelder für Hausaufgabenhilfen der Interkulturellen Zentren gestrichen werden, war kein Thema. Aber wenn gefragt wird, „Für wen ist die Stadt gestaltet“ sollte auch bis zur Eigentumsfrage vorgedrungen werden.
10.Oktober 2025
Klaus Jünschke