Für eine Stadt ohne Drogentote

Seit 10 Jahren regieren CDU und Grüne Köln. Die Kölner Polizeiliche Kriminalstatistik 2024
registriert auf S.58 in den vergangenen 10 Jahren 676 Drogentote
2015 – 48
2016 – 46
2017 – 52
2018 – 77
2019 – 56
2020 – 54
2021 – 82
2022 – 76
2023 – 97
2024 – 88
https://koeln.polizei.nrw/sites/default/files/2025-03/pks-jahresbericht-2024_0.pdf
Studien, die sich mit den genauen Ursachen des Todes von Drogenkonsumenten befassen,
gibt es in Deutschland noch nicht. Eine Studie aus Schweden hat die Ursachen untersucht, die
dem Tod nach Stimulanzien (Kokain, Amphetamin) oder Opioiden (Heroin, Fentanyl)
zugrundliegen. Während in den Medien meist nur von Überdosierungen die Rede ist, wenn
ein toter Suchtkranker aufgefunden wird, sehen die schwedischen Forscher Suizide als
häufigste Ursache, also Not und Verzweiflung.
https://www.drugcom.de/news/hintergruende-bei-todesfaellen-durch-stimulanzien-und-
opioide/
Hinter den Statistiken zu Drogentoten stehen Menschen, die nicht auf den Drogenkonsum
reduziert werden können. In Köln wird ihnen jedes Jahr am 21. Juli bei Vision e.V. in Kalk
gedacht. 2023 kam der damalige Bundesdrogenbeauftragte Burkhard Blienert zur
Gedenkveranstaltung, die ausführlich dokumentiert ist. Er berichtete von der Ermöglichung
des Drug-Checking durch den Bundestag und die anstehende Regulierung von Cannabis. Dass
mit Vision e.V, zum ersten Mal eine Selbsthilfeorganisation von Betroffenen einen
Drogenkonsumraum betreiben wird, lobte er sehr.
https://www.youtube.com/watch?v=EMDne3cHAgg
Motto des Gedenkens 2023 war „Drogentod ist Staatsversagen“
https:// https://www.youtube.com/watch?v=lozMPV7A3pYjesnrw.de/drogentod-ist-
staatsversagen/
Auf dem Gedenktag 2023 skandalisierte Imke Niebaum von der TH Köln entschieden die
ausbleibende Beteiligung von Drogengebrauchenden in den sie betreffenden
Angelegenheiten.
https://www.youtube.com/watch?v=gRKQ84l-dfI
Wissenschaftlerinnen haben das in einem Projekt umgesetzt, das sich dem Überleben von
Suchtkranken am Kölner Neumarkt widmete. Drogengebrauchende fotografierten ihren Alltag
und haben ihre Fotos kommentiert.
https://www.uni-wuppertal.de/de/news/detail/ueberleben-im-risikoumfeld-wie-leben-
suchtkranke-am-koelner-neumarkt/
Die Kölner AIDS-Hilfe hat am 26.01.2025 die daraus entstandene Ausstellung „ÜberLeben
im Risikoumfeld“ eröffnet, in der die Drogengebrauchenden zu Wort kommen.
https://www.aidshilfe-koeln.de/mc-events/ueberleben-im-risikoumfeld-ausstellung-und-talk/
Auf der letzten Tafel der Ausstellung sind die Forderungen und Maßnahmen aufgelistet, die
dazu beitragen können, die Zahl der Drogentoten zu senken:
„Notwendige Maßnahmen
Ein flächendeckender Zugang zu sicheren Konsumbedingen, wie sie Drogenkonsumräume
bieten. Es bedarf ebenso sicherer Konsumbedingungen in Notschlafstellen – dies ist in
Deutschland bisher nicht möglich.
Tagesruhestätte für Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße haben und
insbesondere Crack konsumieren.
Eine niedrigschwellige Substitutionsbehandlung, auch für Menschen ohne
Krankenversicherungsschutz.
Effektive Maßnahmen um die Wohnungslosigkeit zu bekämpfen. Der Ansatz Housing First
sollte als Regelangebot in den Kommunen vorgehalten werden.
Niedrigschwelliges Drug Checking für Menschen in offenen Drogenszenen sowie der Zugang
zu Naloxon, einem Medikament, das im Drogennotfall auch durch medizinische Laien
verabreicht werden kann.
Der Mikro-Handel, d. h. das Dealen von Drogen von Konsumentin zu Konsumentin, sollte
innerhalb von Suchthilfeeinrichtungen in sicheren Bereichen toleriert werden. Hierdurch
werden die Sozialräume entlastet. Die Stadt Zürich hat damit sehr gute Erfahrungen
gesammelt.
Die Einrichtung und konzeptionelle Weiterentwicklung von Szenetreffpunkten im
öffentlichen Raum, in denen der Aufenthalt von Drogenkonsumentinnen geduldet wird. Die Entkriminalisierung von Drogenkonsumentinnen entlastet die erkrankten Menschen und
ermöglicht bessere Zugänge zu Hilfen. In Portugal sind durch die Entkriminalisierung von
Drogenkonsument*innen und den Zugang zur Suchtberatung die Zahl der Drogentodesfälle
deutlich gesunken.“
http://daniel-deimel.de/wp-content/uploads/2024/10/Broschuere_Ausstellung_Risikoumfeld_
20241029-1.pdf
Die Stadt
In Köln hat sich die Gesundheitsverwaltung 2016 mit einem ersten Suchtbericht dem Elend
der Drogenkranken gestellt. Auf den Seiten 22f. wird zu den Drogentoten mit polizeilichen
Daten unter der Überschrift „Verstorbene in Folge ihres Drogenkonsums“ berichtet.
Auf Seite 27 werden die sozialen Ursachen des Drogenkonsums angesprochen: „Die
Menschen mit Opiatabhängigkeit haben insgesamt die ungünstigsten Voraussetzungen: Bei
den Betreuungen dieses Personenkreises zeigt sich durchschnittlich das niedrigste
Bildungsniveau und mit über 70 Prozent der höchste Anteil an Arbeitslosengeld als
Hauptlebensunterhalt…Hier spiegelt sich zum Teil wider, dass insbesondere bei Menschen
mit Opiatabhängigkeit häufig ungünstige Startbedingungen durch komplexe soziale
Problemlagen bereits vor Beginn der Suchterkrankung vorliegen.“ Die politischen Ursachen,
die repressive Drogenpolitik, das Betäubungsmittelgesetz, werden nicht thematisiert.
Im Kapitel 5 „Handlungsbedarfe und Ausblick“ bekennt sich die Stadt zur Hilfe:
„Köln sollte auch bei den derzeitig auftretenden suchtbedingten Belastungen im öffentlichen
Raum den bisher eingeschlagenen Weg der Vorhaltung und Bereitstellung von Suchthilfen
verfolgen, anstatt Betroffene zu vertreiben und die Problematik zu verlagern.
− Zunächst steht vorrangig die schwierige Situation am zentralen Szenestandort um den
Neumarkt im Fokus, wobei die anderen Standorte zum Beispiel Kalk, Mülheim ,
Kölnberg/Meschenich und die Kölner „Ringe“ im Blick sind und an Lösungsmöglichkeiten
weiter gearbeitet wird. Das Konzept für ein umfassendes Drogenhilfeangebot am Neumarkt
wird zur Information und Beschlussfassung den Fachausschüssen des Rats der Stadt Köln
vorgelegt.“ (Kölner Suchtbericht 2016, S.54)
Angesichts des hohen Anteils von Wohnungslosen wird versprochen:
„Es ist ein abgestimmtes und koordiniertes Vorgehen für Personen, die keinen Zugang zum
Wohnungsmarkt haben, zu entwickeln, um dadurch auch für Menschen mit einer
Suchterkrankung zukünftig den nötigen Wohnraumbedarf sicherzustellen.“ (Kölner
Suchtbericht 2016, S.56)
https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf53/koelner_suchtbericht_2016.pdf
Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS) veranlasste 2024 eine
Studie zu den Offenen Drogenszenen in Düsseldorf, Essen, Köln und Münster, die 2025
erschienen ist.
Da am 11.8.2025 im Hauptausschuss eine „Aktuelle Stunde zur Platzsituation am Neumarkt –
Aktuelle Situation und nächste Maßnahmen“ beantragt war, hat Sozial- und
Gesundheitsdezernent Dr. Rau am 07.08.2025 die „Weiterentwicklung des Kölner
Suchthilfekonzepts“ vorgelegt. Darin stützte er sich auf die Ergebnisse der MAGS-Studie.
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=1061310&type=do
„Die erheblichen Problemlagen sowohl für die betroffenen suchtkranken Menschen als auch
für Menschen und Institutionen im öffentlichen Raum dulden keine weitere Verzögerung, so
dass unverzüglich Interimslösungen gesucht werden, die eine zeitnahe Verbesserung der
Situation ermöglichen.“ Die „Sofort- und Interimslösungen“ sehen keine Soforthilfen für die
suchtkranken Menschen und die von der Drogenszene am Neumarkt belästigten Anwohner
und Geschäftsleute vor.
Die Bürgerinitiative Zukunft Neumarkt am 12.08.2025 zur Sitzung des Hauptausschuss am
11.8.2025: „Die von den Parteien vorgebrachten mittel- beziehungsweise eher langfristigen
Maßnahmen helfen den Bewohnern in ihrer aktuellen Situation nicht. Zumal unsere
berechtigte Forderung nach einem kurzfristigen, parteiübergreifenden Ziel, der Reduzierung
der offenen Drogenszene, nicht thematisiert wurde.“
https://www.zukunft-neumarkt.de/2025/08/das-ende-des-sozialexperiments-
drogenkonsumraum-und-substitutionsambulanz-am-neumarkt-ist-in-die-wege-geleitet-2/
Eine entsprechende Beurteilung der Debatte im Hauptausschuss im Interesse der
Suchtkranken ist nicht bekannt geworden.
Die Dringlichkeit von Soforthilfen für die Suchtkranken hat Daniel Deimel im Gespräch mit
monitor eindrücklich geschildert: „Wir sehen hier eine so schnelle Dynamik, die
atemberaubend ist. Auch für langjährig erfahrene Menschen im Suchtbereich, dass sie ja …
einfach im Zeitraffer zusehen können, wie die Verelendung zunimmt bei diesen Menschen.”
https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/crack-elend-gewalt-deutsche-drogenpolitik-
gescheitert-100.html#commentsBlock
In der von ihm mitverfassten MAGS-Studie zu den Offenen Drogenscenen ist auf Seite 94 zu
lesen:
„Der Zugang zu Wohnraum und eine finanzielle Absicherung erscheinen als wesentliche
Faktoren für andere Aspekte des sozialen Ausschlusses.
Zugang zu Wohnraum als zentrale Aufgabe realisieren: Fast zwei Drittel der in den offenen
Drogenszenen befragten Personen sind wohnungslos, über ein Drittel sogar obdachlos.
Menschen in den offenen Drogenszenen sind damit insbesondere von der steigenden
Wohnungslosigkeit in Deutschland betroffen. Umgekehrt zeigt die Befragung auch, dass
obdachlose Menschen unter den Befragten noch einmal stärker von sozialen Ausschließungen
und erhöhtem Substanzkonsum betroffen sind. Um die Problemlagen der Menschen in
offenen Drogenszenen anzugehen, muss deswegen zunächst der Wohnraum für wohnungslose
Menschen sichergestellt werden: sowohl in niederschwelligen Notunterkünften, wie sie
beispielhaft in Düsseldorf umgesetzt werden, als auch in längerfristigen Wohnheimen und am
besten in eigenen Wohnungen, wie er in Essen und Münster noch für einen größeren Teil der
Befragten besteht. Die Aufrechterhaltung bestehender Mietverträge und Überleitungen in
regulären Wohnraum, z. B. durch den Housing-First-Ansatz oder soziale Wohnmakler:innen,
sind die wichtigsten Bausteine in der Schadensreduzierung.“
https://www.mags.nrw/system/files/media/document/file/offene_drogenszenen_in_nrw_2024.
pdf
Wieso wird als Sofortmaßnahem die Unterbringung aller obdachlosen Suchtkranken in
abschließbaren Einzelzimmern nicht angegangen? Sie würde die Obdachlosen und die
Anwohner entlasten.
Coronabedingt hatte der Sozialausschuss am 14.1.2021 die Unterbringung aller Obdachlosen
in abschließbaren Einzelzimmern beschlossen, vom Rat am 4.2.2021 bekräftigt.
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=801190&type=do
Wie lange noch wollen Rat und Verwaltung der zunehmenden Verelendung auf unseren
Straßen und Plätzen zusehen?
Kai Hauprich, Projektleiter der Housing-First-Initiative des Vringstreffs e.V., hat im
Interview mit dem Straßenmagazin DRAUSSENSEITER eindrücklich darauf verwiesen, dass
wir uns daran gewöhnt haben, „dass wir den Menschen beim Sterben zuschauen, dass wir das
für normal halten. Das darf nicht sein. Ich finde, wir müssen schnellstmöglich jene versorgen,
die am dringendsten unsere Hilfe brauchen.“
https://bodoev.de/2023/02/01/wir-schauen-den-menschen-seit-jahren-beim-sterben-zu/
Wenn die obdachlosen Drogenkranken nicht wenigstens von der Straße in abschließbare
Einzelzimmer untergebracht werden, wird die Unfähigkeit der Stadt zur sozialen Lösung
dieses sozialen Konflikts zum lauter werdenden Ruf nach gewaltsamen Lösungen führen.
Die BI Zukunft Neumarkt am 14.8.2025 in ihrem Rundbrief: „Besonders wird zu beachten
sein, ob neben der bisher rein human geprägten Drogenpolitik durch die Intervention unseres
Polizeipräsidenten die Grundlagen zur Sicherstellung und Umsetzung des Gewaltmonopols
zum Schutz der Anwohner eine zunehmend dominante Rolle spielen wird.“
https://www.zukunft-neumarkt.de/category/koelnkolumne/
Wer die Leserbriefe in den Berichten unserer Medien über die Absicht von Donald Trump
liest, die Obdachlosen aus den Städten zu vertreiben, muss sich nicht wundern von der Kölner
CDU im laufenden Wahlkampf solche Töne zu hören: „CDU-Fraktion: Linksbündnis
verhindert Zerschlagung der Drogenszene am Neumarkt“.
https://www.cdu-koeln.de/cdu-fraktion-linksbuendnis-verhindert-zerschlagung-der-
drogenszene-am-neumarkt/
Die Forschergruppe zu den Offenen Drogenszenen ist auch gegen diese zunehmende law-and-
order-Stimmung eine Stimme der Vernunft:
„Ordnungspolitik und Kriminalisierung entmystifizieren
Ordnungspolitik und Kriminalisierung sind keine Lösungen der zugrundeliegenden
Problematiken in den offenen Drogenszenen. Der hohe Anteil von rund 80 % der Befragten,
die im Schnitt fast sechs Jahre in Haft verbracht haben, zeigt, dass Gefängnisaufenthalte an
der Suchterkrankung nichts verändern vermögen. Über die Hälfte der von uns Befragten gibt
außerdem an, im letzten Monat durchschnittlich fast sechsmal kontrolliert worden zu sein.
Dieses Vorgehen behebt nicht die zugrundeliegenden Probleme und ist deswegen weder
nachhaltig noch zielführend. Im Gegenteil: Repressive Maßnahmen führen zu einer
Verlagerung von Szenetreffpunkten, verschlechtern die Zugänge zum Suchthilfesystem und
ziehen mehr Stigmatisierung und Ausgrenzung nach sich. Es bedarf sicherer,
risikominimierter und angstfreier Räume und Orte für Drogenkonsument:innen und
Anwohner:innen. Beide Interessensgruppen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden.“
(S.96)
https://www.mags.nrw/system/files/media/document/file/offene_drogenszenen_in_nrw_2024.
pdf
Monitor hat am 14. 8.2025 gezeigt, wie dumm der Kleinkrieg zwischen Polizei und
Drogenkranken und Obdachlosen ist. Der Polizeipräsident, nennt das, was die
„Superstreifen“ (Express) aus KVB, Ordnungsamt und Polizei anrichten
„Reparaturbetrieb“. Was bitte „repariert“ die Polizei, wenn sie Süchtigen ihren Stoff
abnimmt, Platzverwiese erteilt und Strafanzeigen stellt?
https://www.youtube.com/watch?v=gIAOn9INbL4
Köln, 19. August 2025
Klaus Jünschke

CDU Köln mit blinder Härte gegen Suchtkranke

Am 27.01.1997 berichtete der Spiegel in seiner Titelgeschichte, dass viele Polizeipräsidenten für die Abgabe von Heroin an die Süchtigen sind, auch Kölns damaliger Polizeipräsident Jürgen Roters zählte zu den Befürwortern:

„Junkie-Jogging zu betreiben belastet viele Polizisten. ‚Die Gruppe der Schwerstabhängigen, teilweise psychisch labil, HIVinfiziert, von einer Ecke zur anderen zu vertreiben, ohne Lösungsmöglichkeiten, weil sie weder für Methadon-Programme noch für Langzeittherapien zu gewinnen sind, führt zu großen Gewissenskonflikten bei unseren Kollegen auf der Straße‘, sagt der Kölner Polizeipräsident Roters.“

Jörn Foegen, damals Leiter der JVA Köln, im Dezember 1997 Interview mit Elisabeth Thelen und Ossi Helling für „rathaus ratlos“, der Zeitschrift der grünen Ratsfraktion:  „Entscheidend ist, dass wir sagen, ein Drogenabhängiger ist krank. Dann frag ich mich, was soll der denn bei mir? Bin ich leitender Arzt oder bin ich Knastdirektor? Wenn die krank sind, dann muss ich ihnen das Medikament geben. Das ist im Moment die Droge. Ein Schweizer Versuch hat sogar gezeigt, dass es besser ist, gleich anständiges Heroin zu geben anstatt Methadon. Gäbe es das notwendige Suchtmittel unter ärztlicher Begleitung in anderer Form, dann hätten wir beides, den vernünftigen Umgang mit der Droge und das Infektionsproblem gelöst.“

Es hat dann nochmal 10 Jahre gedauert, bis der Bundestag 2008 Heroin als Medikament zugelassen hat. Allerdings so beschränkt, mit so vielen Auflagen, dass nur ein Bruchteil der Suchtkranken damit behandelt werden kann. So kommt es, dass in Köln in der Heroin-Substitution in der Lungengasse hinter dem Gesundheitsamt nur 50 – 70 Abhängige Diamorphin bekommen und vor der Gesundheitsamt auf dem Neumarkt weiter das verunreinigte Straßenheroin gehandelt wird. Für die Drogentoten als Folge gibt es keine Übernahme von Verantwortung durch die Politik.

Die letzten Jahre wurde Köln von einem „Gestaltungsbündnis“ aus Grünen, CDU und Volt regiert. Die Zahl der Drogentoten ist Jahr für Jahr gestiegen, nachzulesen in der Polizeilichen Kriminalstatistik. Dort kommen die Toten Drogengebraucher vor – nicht in den Kölner Medien, nicht in der politischen Diskussion um die Drogenscene auf dem Neumarkt.

Der Suchtexperte Daniel Deimel hat die Abgabe von Kokain an die Cracksüchtigen vorgeschlagen. Trotz der vielen Drogentoten verhallt das ungehört. Stattdessen wird das Elend der Süchtigen im Kommunalwahlkampf instrumentalisiert. CDU-Chef  Petelkau fordert „die ganze Härte des Rechtsstaats“ gegen Dealer, ohne zu erklären, woher die Süchtigen, den Stoff bekommen sollen, den sie brauchen. Scheinheilig wird angefügt, dass den Süchtigen geholfen werden soll, sich von der Sucht zu befreien.  Der Express feiert diese inkompetente law-and-order-Tiraden als „Klartext“, statt Polizei und Politik der unterlassenen Hilfeleistung anzuprangern und die Abgabe von den Drogen an die Süchtigen zu fordern.

6. August 2025
Klaus Jünschke

Stadtversagen

Die Kölner Grünen stellen ihren „Zehn Maßnahmen, die Kölns Plätze sicher und lebenswert machen“ diesen Satz voraus: „Ordnungspolitik allein löst keine sozialen Probleme“.
https://wolke.netzbegruenung.de/s/P3r6YWpamKLK3TW 

In ihrer Presserklärung vom 16. Juli 2025 liest sich das so: „Die Grünen im Kölner Rat beurteilen den aktuellen Vorstoß des Polizeipräsidenten Johannes Hermanns für eine veränderte Drogenpolitik in Köln in weiten Teilen positiv. Bereits Ende Juni hat die Fraktion ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, das zentrale Punkte von Hermanns enthält, vor allem in Bezug auf erweiterte Angebote für drogenkranke Menschen.“

Wie kommt es, dass die Debatte in der Stadtgesellschaft zur Lösung der sozialen Probleme, die durch Konflikte mit obdachlosen Drogenkranken im öffentlichen Raum entstehen, nicht vom Sozialdezernat bestimmt wird?

Die Grünen behaupten in ihrem „Maßnahmepaket“:  „Wir GRÜNE im Kölner Rat arbeiten seit Jahren daran, unsere Plätze sicherer und lebenswerter zu machen.“ Dort ist Maßnahme 3 dem „Dialog mit Betroffenen“ gewidmet: „Wir nehmen die Sorgen und Anliegen der Anwohnenden und Gewerbetreibenden ernst“.

Maßnahme 4: „Schutzraum für Suchtkranke schaffen.“ Während in Maßnahme 3 behaupten, dass sie mit den Anwohnern und Gewerbetreibenden einen „Dialog auf Augenhöhe“ wollen, fehlt die Bereitschaft zum „Dialog auf Augenhöhe“ bei den Suchtkranken.

Statt dem Polizeipräsidenten in den Arsch zu kriechen, wäre es angebrachter gewesen die aktuelle Polizeilich Kriminalstatistik auf Seite 58 zu betrachten. Da geht es um die Drogentoten in Köln und Leverkusen.
2024 – 88
2023 – 97
2022 – 76
2021 – 82
2020 – 54
https://koeln.polizei.nrw/sites/default/files/2025-03/pks-jahresbericht-2024_0.pdf

Das sind die wirklich Betroffenen. Deren Zahl ist gestiegen, während „Wir GRÜNEN im Kölner Rat arbeiten seit Jahren daran, unsere Plätze sicherer und lebenswerter zu machen.“

Am 21. Juli 20215 findet auf dem Gelände von VISION e.V. in Kalk eine Gedenkveranstaltung für verstorbene Drogengebrauchende statt. Der Rat der Stadt Köln kann dort zuhören, wie Betroffene von Staatsversagen und Stadtversagen berichten. https://www.vision-ev.de/?p=19620

Die Ärgernisse, mit denen Anwohner von Drogenscenen konfrontiert sind, hätten längst gemildert werden können, wenn allen Obdachlosen in Köln abschließbare Einzelzimmer angeboten worden wären. 2021 hatten das Sozialausschuss und Rat coronabedingt schon beschlossen, aber bekanntlich nur befristet. Denn die Bekämpfung der Armut hatte im „Gestaltungsbündnis“ von Grünen, CDU und Volt nie Priorität.

17. Juli 2025
Klaus Jünschke

„Obdachlosigkeit – Architektur und Stadt“

Der Bund der Architektinnen und Architekten (BDA) hatte sein Montagsgespräch am 19. Mai  2025 im Domforum dem Thema „Obdachlosigkeit – Architektur und Stadt“ gewidmet.
https://www.bda-koeln.de/events/obdachlosigkeit-architektur-und-stadt/

Andrea Bachmann vom Vorstand des BDA wies in ihrer Begrüßung darauf hin, dass das Europäische Parlament 2020 die Mitgliedsstaaten aufgefordert hat, die Obdachlosigkeit bis
2030 zu beenden.
https://www.europarl.europa.eu/news/de/press-room/20201120IPR92124/eu-soll-obdachlosigkeit-bis-2030-beseitigen

Sie erklärte „Wir haben ein Defizit im Umgang mit Obdachlosigkeit“. Prof. Dr. Andres Lepik schilderte wie er zu dem Thema fand, was vor sechs Jahren zu einem Forschungsprojekt an der TU München führte. Die daraus entstandene Ausstellung vermittelte er mit eindrücklichen Fotos, die der Verlag teilweise auch in der Präsentation des Katalogs zugänglich macht: https://architangle.com/book/obdachlosigkeit

Siehe auch die ausführlichere Darstellung in der Baunetzwoche 591 in der auch von Andres
Lepik die Ursachen aufgezeigt werden: „Obdachlosigkeit ist ein individuelles Schicksal, für das es gesellschaftliche Gründe gibt. Eine Ursache liegt in der weltweit wachsenden Ungleichheit der Einkommen. Menschen mit niedrigen Einkommen haben in Deutschland entsprechend einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung das größte Risiko, obdachlos zu werden. Ein weiterer Grund liegt in der sinkenden Zahl von Sozialwohnungen. Die Entwicklung von der Wohnungslosigkeit in die Obdachlosigkeit ist in der Regel eine Einbahnstraße: Wer am unteren Ende der Armutsspirale angekommen ist, findet kaum zurück in soziale Sicherungssysteme und in die ökonomische Eigenständigkeit. Denn ohne feste Adresse und Meldebescheinigung kann man keinen regulären Job antreten und ohne festes Einkommen wiederum keine Wohnung bezahlen. Das System der Notunterkünfte, das es in vielen Städten gibt, bietet hierfür keine angemessene Lösung. Denn sie sind so konzipiert, dass obdachlose Menschen darin nur einen Schlafplatz, aber keine Privatsphäre, keine Meldeadresse oder gar Internetzugang erhalten. Die dahinterstehende Logik ist brutal einfach: Es sollen keine Anreize geschaffen werden, sich darin dauerhaft einzurichten. So ziehen es Menschen, die wohnungslos geworden sind, häufig vor, auf der Straße zu schlafen. Damit begeben sie sich in eine extreme Situation der Verletzlichkeit und Gefahr. Häufig werden sie dann auch noch zusätzlich zu ihrer existenziellen Not vom Rest der Gesellschaft durch Missachtung und räumliche Segregation bestraft, was sich in vielen Fällen auch durch aggressives oder gewalttätiges Verhalten äußert. Sucht, Depressionen und andere körperliche Probleme sind vielfach die Konsequenz von Obdachlosigkeit, nicht aber ihre Ursache.“
https://www.baunetz.de/baunetzwoche/baunetzwoche_ausgabe_7833785.html

Weltweit gibt es den repressiven Umgang mit Obdachlosen, für das beispielhaft das „Hostile Design“ präsentiert wurde, aber es auch das Gegenteil, wie die Public Library in Seattle, die ihre Räumen Obdachlosen zugänglich macht oder das Inner City Art Center in Los Angeles, das Kinder von Obdachlosen betreut. In Wien besteht seit 12 Jahren das VinciRast, ein soziales Wohnprojekt, in dem ehemals obdachlose Menschen, Geflüchtete und Studierende leben. https://www.vinzirast.at/

Der zweite Einführungsvortrag kam von Klara Esch und David Bordawé, die ihre Masterarbeit „Die Problematisierten. Wiener Platz Köln“ vorstellten. Schon Begriffe wie „Hotspot“ für einen Platz legitimieren für Eingriffe und Verdrängen. Statt vom „Brennpunkt  Wiener Platz“ sprachen sie von der Straßenkulturscene. Sie gingen mit einem Tisch und zwei Bänken auf den Platz um die Perspektiven und das lokale Wissen der Menschen kennenzulernen, die sich dort aufhalten und lernten Menschen kennen, die problematisiert wurden und denen so der Zugang zu einem neuen Zuhause versperrt wird.

Für den erkrankten Dr. Kai Hauprich, der im Vringstreff das Projekt Housing First leitet, sprangen Sabine Rupp, Geschäftsführerin vom Vringstreff, und Hans Mörtter vom Vorstand ein. https://vringstreff.de/

Sabine Rupp erzählte die Geschichte des Treffs, der Obdachlosen einen Tagesaufenthalt ermöglichen wollte. Inzwischen werden nicht mehr alle Obdachlosen aus Notunterkünften
morgens um 8 auf die Straße geschickt, aber Aufenthaltsräume, die so einladend sind wie der Vringstreff und die Besucherinnen so wertschätzen, gibt es kaum in Köln, ergänzte Hans Mörtter.

Von Andrea Wallrath vom BDA Vorstand, wurde dann Patricia Frommer auf das Podium eingeladen. Die Juristin leitet die Abteilung Wohnungslosenhilfe im Amt für Soziales der Stadt Köln. Wie wir das schon so oft von ihrem Chef, dem Sozialdezernenten Dr. Rau erlebten, begann sie ihren Vortrag auch mit einem Lob auf die eigene Behörde. Vor 40 Jahren wurde das Fachstellenkonzept in der Wohnungslosenhilfe in Köln aus der Taufe gehoben und hat sich seither in fast allen Städten und Gemeinden etabliert.
https://www.mags.nrw/system/files/media/document/file/fachstellen-1255.pdf

Renate Dillmann und Arian Schiffer-Nasserie haben mit ihrem Buch „Der soziale Staat. Über nützliche Armut uns ihre Verwaltung“ erklärt, warum der Sozialstaat nicht positiv zu bewerten ist – weil er die Ursachen der Not nicht bekämpft.
https://www.socialnet.de/rezensionen/25063.php

Auch in Köln ist das kein Geheimnis. Selbst der scheidende Caritasvorstand Peter Krücker hat in seinen letzten Interviews beklagt, dass die Bekämpfung der Armut in Köln keine Priorität hat.

Als sich in der Podiumsdiskussion Klara Esch für eine Ganztagsstelle auf dem Wiener Platz für einen Streetworker aussprach, musst Patricia Frommer passen: dann würde der Streetworker woanders fehlen, sie habe nur die acht Streetworker in der Wohnungslosenhilfe. Als der Obdachlose Leo Büchner schilderte, wie er von seinem Mitbewohner im Billighotel bedroht wird, konnten alle erleben, dass Patricia Frommer keine kalte Bürokratin ist. Sie versicherte Leo Büchner, dass kein Mensch mit so einer Bedrohung leben muss und hat sich für das Ende der Veranstaltung mit ihm verabredet, um näheres in Erfahrung zu bringen.

Da im Vortrag von Andreas Lepik Fotos vom besetzten Haus in der Marktstraße zu sehen war, wollte Andrea Wallrath wissen, was aus diesem Projekt die Obdachlosen mit Zukunft (OMZ) geworden ist. Hans Mörtter konnte das mitteilen: es scheiterte, weil im Übergangsprojekt in der Gummersbacher Straße keine Gruppenräume vorhanden waren, die versprochenen Werkstätten nicht ermöglicht wurden und der Selbstorganisation nicht das Hausrecht übertragen wurde, sodass sie nicht wirksam gegen Schläger vorgehen konnten. Er sprach auch von der Überforderung der ehrenamtlichen Unterstützer, aber festzuhalten ist, dass es Stadtversagen war, so eine Obdachlosenselbstorganisation nicht angemessen finanziell und personell gefördert zu haben. Bei Housing First konnte Hans Mörtter vorrechnen, dass die

Housing First-Wohnung der Stadt jährlich 12.000 Euro spart. Beim OMZ-Haus hätte sich das finanziell noch mehr gerechnet. Es war letztlich politisch nicht gewollt.

In ihrem Schlusswort beklagte Patricia Frommer, dass es kein echtes Miteinander mehr gäbe. Als käme es nicht zuallererst darauf an, die Verhältnisse zu ändern, die das verursacht haben. „Wenn der Mensch von den Umständen gebildet wird, , so muss man die Umstände menschlich bilden.“ (Friedrich Engels und Karl Marx)

Obwohl es trotz der vielen Überwachungskameras und der Securities immer wieder zu Tätlichkeiten in den Notunterkünften kommt, sieht sich die Stadt nicht in der Lage die Unterbringung in Mehrbettzimmern zu beenden. Dabei wurde 2021 vom Sozialausschuss und vom Rat coronabedingt schon einmal die Unterbringung aller Obdachlosen in abschließbaren Einzelzimmer beschlossen.

Genauso wenig wie man den Hungernden mit Plänen kommen kann, den Hunger in zehn Jahren abzuschaffen, sowenig kann man die Obdachlosen auf die Abschaffung der Obdachlosigkeit bis 2030 oder später vertrösten. Ihre Lebenserwartung ist 30 Jahre geringer als im Bundesdurchschnitt. Sie sind Gewalt und Beleidigungen ausgesetzt. Sie sind die am stärksten kriminalisierte soziale Gruppe. Das Leben auf der Straße macht krank. Sie müssen sofort von der Straße.

„Der Tod menschlicher Empathie ist eines der frühesten und aufschlussreichsten Zeichen einer Kultur, die in Barbarei verfallen wird.“ (Hannah Arendt)

20. Mai 2025

Klaus Jünschke

PS

In München hat das Sozialreferat im vergangenen Winter 10.458 Wohnungslose gezählt, darunter 342 Obdachlose.
https://www.br.de/nachrichten/bayern/ueberleben-auf-der-strasse-obdachlosenhilfe-im-winter,UYq0YwC

In Köln lebten 2023 laut der GISS-Studie 11.740 Menschen ohne Wohnung. Davon waren 387 Obdachlose auf der Straße und 387 „verdeckt Wohnungslose“ die vorübergehend bei Bekannten oder Freunden unterkamen.
https://www.giss-ev.de/filestorage/publikationen/2024_giss_wohnungslose-in-koeln.pdf

In München leben rund 1,5 Millionen Menschen. Die Gesamtfläche der Stadt beträgt 310,7191 Quadratkilometer. Bevölkerungsdichte 4791 Einwohner pro Quadratkilometer. https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BCnchen

In Köln leben rund 1 Million Menschen. Die Fläche: 405,01. Bevölkerungsdichte: 2529 Einwohner pro Quadratkilometer.
https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%B6ln

Wie kann man angesichts dieser Zahlen zum Schluss kommen, Köln sei fertiggebaut und nicht alles für den Bau der fehlenden Zehntausenden Sozialwohnungen tun?

„Asoziale“ und „Berufsverbrecher“

„Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ – die Verleugneten Opfer des Nationalsozialismus und der Kommunalwahlkampf in Köln

Am 13. Februar 2020 beschließt der Deutsche Bundestag die Anerkennung der als »Asoziale« und »Berufsverbrecher« Verfolgten als Opfer des Nationalsozialismus – 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs. Dem Antrag der Koalition stimmen neben den damaligen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD auch die Oppositionsfraktionen der FDP, des Bündnis 90/Die Grünen und der Linken zu. Nur die AfD-Fraktion enthält sich in der Abstimmung.
https://www.bundestag.de/webarchiv/textarchiv/2020/kw07-de-ns-verfolgte-680750

Erst seither gilt in der Bundesrepublik, dass niemand zu Recht in einem Konzentrationslager war. Damit die tiefverwurzelten Vorurteile und Stigmatisierungen gegen diese Randgruppen der Gesellschaft bearbeitet und aufgelöst werden können, hat der Bundestag die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg mit der Erstellung einer Ausstellung beauftragt. Die Ausstellung wurde am 10. Oktober 2024 in Berlin eröffnet und steht zur Zeit in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Im Oktober soll sie nach Köln kommen.
https://www.die-verleugneten.de/ 

Die Abwertung und Ausgrenzung schwacher Gruppen haben die Nazis nicht erfunden. Der Soziologe Christian Sigrist, der zur Entstehung von Herrschaft geforscht hat: „Allgemein lässt sich die Entstehung von Paria-Gruppen als Ergebnis von Herrschaftsbildung und wachsender ökonomischer Ungleichheit erklären. Die religiöse Überhöhung von Herrschaftsinstanzen findet ihren Gegenpart in der Dämonisierung von Randgruppen.“ Diese gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist so alt wie das Patriarchat, aber weniger im gesellschaftlichen Bewusstsein. Um diese tiefsitzenden Einstellungen gegenüber Randgruppen ernsthaft zu überwinden, hätte der Bundestag sie gleichzeitig in den größten 100 Städten der Bundesrepublik an den Start bringen müssen – um von dort aus durch die umliegenden kleineren Städte und Gemeinden zu wandern.

Ein kleiner Teil der „Asozialen“ und „Berufsverbrecher“ waren Obdachlose und Suchtkranke. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe beobachtet und registriert seit 1989 die  Gewalt unter und gegen wohnungslose Menschen. Bis 2024 registrierten sie 299 Todesfälle durch nicht-wohnungslose Menschen und 365 Todesfälle durch wohnungslose Menschen.
https://www.bagw.de/fileadmin/bagw/media/Doc/STA/STA_Gewalt_seit1989.pdf 

In der Kriminologie wurde schon lange erkannt, dass der wichtigste Generator von Gewalt  asymmetrischen Sozialbeziehungen sind. Beherrscht wird aber die öffentliche Gewaltdebatte nicht von Forderungen nach Abbau von Macht und Hierarchien, sondern vom Ruf nach mehr Polizei und härteren Gesetzen.

Mit der zunehmenden sozialen Ungleichheit sind die Reichen immer reicher und die Armen immer mehr und immer ärmer geworden. Ein sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung sind die wachsenden Zahlen von Obdachlosen, die auf den Straßen zu überleben versuchen. Dasselbe Phänomen auch hier: die öffentliche Debatte wird nicht vom Ruf nach Abbau und Überwindung der sozialen Ungleichheit bestimmt, sondern davon, dass Straßen und Plätze  immer mehr verwahrlosen und von gefährlichen Gestalten beherrscht werden, die von den viel zu wenigen Ordnungskräften und Polizeibeamten nicht mehr zu kontrollieren sind.

15. Mai 2025
Klaus Jünschke

PS
Die Fotos von Petra Metzger sind aus dem Buch RatSchläge, das im Weissmann-Verlag erschienen ist: https://weissmann-verlag.de/produkt/ratschlaege/