Isolationshaft ist Folter

Isolationshaft ist Folter

Für Daniela Klette und alle Gefangenen in Einzelhaft

Unter der Überschrift „Rentner Armee Fraktion“ war auf Spiegel-online zu lesen: “Ein Trio holt die bleiernen Jahre der RAF zurück in die Gegenwart“.  Als wären es nicht Polizei, Medien und Politik gewesen, die mit ihren Reaktionen auf die Festnahme von Daniela Klette die Hysterie der 1970er Jahre wiederaufleben ließen. Der kritische Kriminologe Sebastian Scheerer hat 1978 den Begriff des politisch-publizistischen Verstärkerkreislaufs eingeführt, der noch heute geeignet ist, zu verstehen, was in der RAF-Debatte vor sich geht, wie sich Polizei, Medien und Politik im Tanz um das Law-and-Order-Kalb gegenseitig heiß machen. .

Bisher ist mir kein Text bekannt geworden, in dem Journalistinnen in dieser Geschichte den Blick auf sich selbst richten, also selbstreflexiv werden. Die Medien waren und sind nicht nur Echo-Kammer. Was machten die Journalistinnen eigentlich, die über die RAF schrieben und berichteten, wessen Interessen verfolgten sie, mit welchen Konsequenzen und mit welchem Ziel gingen sie ihrer Arbeit nach, dass heute immer noch behauptet werden kann, Isolationshaft ist eine Propagandamärchen der RAF?

Angesichts der Haftbedingungen von Daniela Klette ist es angebracht an die Corona-Jahre zu erinnern und an das was damals in allen Medien zu sozialer Isolation, den Kontaktbeschränkungen  und ihren Folgen zu vernehmen war – in leichter Sprache, in schwerer Sprache, schriftlich und mündlich, aber ohne jeden Bezug zur Geschichte der RAF oder auch nur zum Alltag in den Zellengefängnissen. .

Mit der Covid-19-Pandemie begann Anfang 2020 eine Zeit umfangreicher Kontaktbeschränkungen und Kontaktverbote. Von Anfang an wurde von den maßgeblichen Institutionen und ihren Repräsentantinnen, aber auch in einer Vielzahl von Medien immer wieder vermittelt: Wir wissen, dass mit den Corona-Maßnahmen die Gefahr sozialer Isolation einhergeht und dass diese Wohlbefinden und Gesundheit beeinträchtigen kann. Und wir wissen, dass bestimmte Gruppen der Bevölkerung davon besonders stark betroffen sind.

Es gab und gibt also durchaus Bekundungen der Solidarität mit den Menschen, für die soziale Isolation oder man kann fast sagen: eine weitere soziale Isolation besonders schmerzhaft sein musste. Dies gesagt, fällt aber auch auf: In Bezug auf Gefängnisse und ihre Gefangenen waren diese Bekundungen extrem selten. Dabei ist die Isolation für die Gefangenen bereits unter sogenannten Normalbedingungen eine psychische Belastung.

Zweifelsfrei zählen daher Gefangene in Bezug auf ihre psychische Gesundheit zu den besonders gefährdeten Gruppen. Der Anteil psychischer Erkrankungen in der deutschen Gesamtbevölkerung liegt bei 27 Prozent. Studien mit unterschiedlichem Forschungsdesign kommen in Bezug auf Strafgefangene auf einen Anteil von 40 bis 70 Prozent mit psychischen Erkrankungen und Auffälligkeiten. Es liegt also nahe, dass sich die jüngsten Kontaktbeschränkungen auf Gefangene besonders negativ ausgewirkt haben, da sie bereits vorhandene Mängel weiter verstärkten.

Den Machern des Strafvollzugsgesetzes war das bewusst. Daher wurde im § 3 zur „Gestaltung des Vollzuges“ festgehalten: „(1) Das Leben im Vollzug soll den allgemeinen Lebensverhältnissen soweit als möglich angeglichen werden. (2) Schädlichen Folgen des Freiheitsentzuges ist entgegenzuwirken. (3) Der Vollzug ist darauf auszurichten, dass er dem Gefangenen hilft, sich in das Leben in Freiheit einzugliedern.“

Der Haptikforscher Prof. Dr. Martin Grundwald erklärte zum Mangel an Berührungen: „Sicher ist, dass soziale Vereinsamung und fehlender zwischenmenschlicher Körperkontakt über einen längeren Zeitraum auf der psychischen und körperlichen Ebene zu relevanten Erkrankungen führen können.“ Und er ergänzt: „Insofern ist die körperlichen Zurückhaltung aktuell gegenüber allem und jedem eine erhebliche Stresssituation, die nicht jeder gut verkraftet.“
(https://www.uniklinikum-leipzig.de/presse/Seiten/Pressemitteilung_6986.aspx)

Ein weiterer Punkt, wusste das ZDF, sind Gespräche, die gerade in Krisen und beim Umgang mit Einsamkeit, Depression und Angstzuständen besonders wichtig sind. https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/coronavirus-depression-einsamkeit-100.html

Angesichts der offenkundigen Schädigung der psychischen Gesundheit durch soziale Isolation fordert Prof. Dr. med. Steffi Riedel-Heller, Direktorin des Instituts für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Universität Leipzig, eine bessere Aufklärung über die Folgen der Isolation, entsprechende präventive Maßnahmen sowie Therapieangebote – auch unter Einbeziehung der Telemedizin.
( https://www.mdr.de/wissen/psychische-folgen-corona-kontaktbeschraenkung-social-distancing-100.html )

Besonders deutlich wird schließlich Prof. Dr. James Coan, Direktor des Virginia Affective Neuroscience Laboratory:„Wer einsam ist, wird öfter krank. Wunden heilen schlechter, das Immunsystem ist schwächer.“ Man sterbe früher, weil das Risiko für Herz-Kreislauf-Störungen, Diabetes und Depressionen steige, man werde eher dement: „Soziale Isolation tötet, das ist eine Tatsache.“ (Der Spiegel, Nr. 21/16.5.2020, S.116)

„Soziale Isolation tötet“ stand im Spiegel und niemand in den Medien fiel dazu die Geschichte der RAF und die andauernde Auseinandersetzung um Isolationsfolter ein.

Robi Friedman beschäftigt sich schon lange mit der Frage, wie Krieg eine Gesellschaft verändert. Von Antje Lang-Lendorff wurder er für die taz zu seinem Buch „Soldatenmatrix“ interviewt:

„Eine Matrix ist eigentlich eine Kultur. Der Begriff beschreibt die Kultur der Beziehungen, die Kultur der Kommunikation und ihren Sinn. Die Geschichte, die Erinnerungen sind auch Teil der Matrix. Sie prägt die Gespräche, aber auch die Berichterstattung in den Medien und das Internet. Wenn es Krieg gibt, dann verändert sich die Matrix. Wie auf Knopfdruck werden alle zu Soldaten, die gesamte Bevölkerung wird eingezogen. Natürlich müssen nicht alle kämpfen, aber jeder hat eine Rolle in diesem Krieg. Deshalb habe ich mein Konzept ‚Soldatenmatrix‘ genannt.“
https://taz.de/Israelischer-Psychologe-ueber-Krieg/!6000125&s=Soldatenmatrix/

Für mich eine einleuchtende Erklärung dafür, dass auch 2011 keine Stimme in den bundesdeutschen Medien zu vernehmen war, als Vereinte Nationen und das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter die Einzelhaft skandalisierten und ihre Ächtung forderten.

Im Jahr 2011 veröffentlichte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter, Juan Ernesto Méndez, einen Bericht, in dem er zu dem Schluss kam, dass mehr als 15 Tage Einzelhaft als Verstoß gegen die UN-Konvention gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe gelten sollten.

Es gibt zwar keine universelle Definition für Einzelhaft, da der Grad der sozialen Isolation je nach Praxis variiert. Aber Herr Méndez definierte sie als jedes Regime, bei dem Insassinnen mindestens 22 Stunden am Tag von anderen Gefangenen, mit Ausnahme von Wärterinnen, isoliert sind. https://news.un.org/en/story/2011/10/392012-solitary-confinement-should-be-banned-most-cases-un-expert-says#.UdsQoT5gaBg und https://www.un.org/press/en/2011/gashc4014.doc.htm

Das Europäische Komitee zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT) ist der Meinung, dass die maximale Dauer von Einzelhaft 14 Tage nicht übersteigen und vorzugsweise darunter liegen sollte. Im 21. Jahresbericht des CPT, der auch 2011 veröffentlicht wurde, werden gleichfalls unter dem Begriff „Einzelhaft“ alle Fälle verstanden, bei denen die Unterbringung von Gefangenen getrennt von anderen Inhaftierten angeordnet wird.
https://rm.coe.int/16806fa178

Als nach 2002 immer wieder Fotos von den Gefangenen in Guantanomo in den Medien zu sehen waren, auf denen die Gefangenen die Augen verbunden waren, die Ohren mit Kopfhörer verschlossen, Mund und Nase bedeckt, die gefesselten Hände in Handschuhen wurde die bundesdeutsche Öffentlichkeit nicht über sensorische Deprivation aufgeklärt. Dabei war diese Foltermethode durch die Veröffentlichung des Kursbuch 32 seit 1973 in der Bundesrepublik bekannt. Was in normalen Zellengefängnissen mit strenger Einzelhaft in Monaten und Jahren bewirkt wird, die Leidensfähigkeit der Gefangenen zu überschreiten, haben die USA auf Guantonamo mit ihren Methoden in Stunden und Tagen hergestellt. Allein  2003 versuchten 120 Gefangene in Guiantanom0 sich das Leben zu nehmen. https://de.wikipedia.org/wiki/Gefangenenlager_der_Guantanamo_Bay_Naval_Base#Suizide_und_Suizidversuche_von_Gefangenen.

Auf der Informationsveranstaltung des Kölner „Komitee zur Aufklärung über Gefängnisse / Initiative gegen Folter“ am 18.2.1974 im Wallraf-Richartz-Museum erklärt die Theologin Dorothee Sölle, warum sie lernte Isolationshaft als Folter zu bezeichnen:

 „Ich möchte Ihnen kurz meinen eigenen Lernprozess in dieser Sache darstellen. Ich habe mich zunächst gegen den Ausdruck Folter hier in der Bundesrepublik gewehrt und zwar, weil ich eine Reihe von sehr gründlichen Studien, Reflexionen und Berichten habe, über das, was an Folter z.B. in Süd-Vietnam oder Brasilien passiert. Und so meinte ich zunächst, man sollte doch diesen Ausdruck Folter beschränken auf die Zerstörung  körperlicher Unversehrtheit durch direkten physischen Eingriff. Ich muss sagen, die Beschäftigung mit den Berichten, mit dem, was im Kursbuch steht, das hat mich mehr und mehr davon abgebracht, das Wort Folter in diesem älteren Sinne zu nehmen. Es ist  meiner Ansicht nach also notwendig, eine Art Revision des Begriffes Folter vorzunehmen. Auch die Anwendung seelischer Zerstörungsmechanismen, mit dem Ziel nun nicht mehr des Geständnisses, ist Folter. Die neue Definition müsste heißen: Folter ist die Anwendung von Isolation zum Zweck der psychisch – physischen  Zerstörung der Persönlichkeit des Häftlings. Auch das wird man als Folter ansehen müssen.“  (Christiane Ensslin: Isolationshaft ist Folter. In: Reiner Schmidt, Anne Schulz und Pui von Schwind: Die Stadt, das Land, die Welt verändern. Köln 2014, S.401)

Köln, 8. April 2024
Klaus Jünschke

Amnestie für Daniela Klette und alle anderen Ehemaligen aus der RAF

Das liberale Zentrum Köln veranstaltete am 19.11 1987 die Podiumsdiskussion „ 10 Jahre danach – Die RAF und ihre Folgen“ in der Aula der Berufsschule Lindenstraße.

Moderiert von Volker Happe von monitor  diskutierten  Gerhart Baum, Antje Vollmer, Stefan Aust und ich. Antje Vollmer und Stefan Aust hatten kein Problem mir zuzustimmen, als ich erklärte, dass es ohne den Vietnamkrieg keine RAF gegeben hätte und ohne Isolationshaft keine 2. und 3. Generation der RAF. Zu unserer Überraschung sagte der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum „Die Isolationshaft war ein Fehler.“


In der Politik und im Strafvollzug ist das bis heute nicht angekommen. Isolationshaft, im Justizjargon „strenge Einzelhaft“ genannt, wird immer noch praktiziert.


Im Jahr 2011 veröffentlichte der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Folter, Juan Mendez, einen Bericht, in dem er zu dem Schluss kam, dass mehr als 15 Tage Einzelhaft als Verstoß gegen die UN-Konvention gegen Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung oder Strafe gelten sollten.
Es gibt keine universelle Definition für Einzelhaft, da der Grad der sozialen Isolation je nach Praxis variiert, aber Herr Méndez definierte ihn als jedes Regime, bei dem ein Insasse mindestens 22 Stunden am Tag von anderen Gefangenen, mit Ausnahme von Wärtern, isoliert ist.
https://news.un.org/en/story/2011/10/392012-solitary-confinement-should-be-banned-most-cases-un-expert-says#.UdsQoT5gaBg
und
https://www.un.org/press/en/2011/gashc4014.doc.htm

Das Europäisches Komitee zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT) ist  der  Meinung,  dass  die  maximale Dauer der Einzelhaft 14  Tage  nicht  übersteigen  und  vorzugsweise  darunter  liegen sollte. Im 21. Jahresbericht des CPT, der auch 2011 veröffentlicht wurde, werden gleichfalls unter dem Begriff „Einzelhaft“  alle  Fälle verstanden,  bei  denen  die  Unterbringung eines Gefangenen getrennt von anderen Inhaftierten angeordnet wird.
https://rm.coe.int/16806fa178

In den Coronajahren erlebte die bundesrepublikanische Gesellschaft eine noch nie dagewesene sensible Aufklärung in allen Medien über die krank machenden Folgen von in der Pandemie verhängten Kontaktbeschränkungen.

Beispielhaft sei Prof. Dr. James Coan, Direktor des Virginia Affective Neuroscience Laboratory zitiert: „Wenn wir uns von anderen Menschen fern halten, setzen wir uns selbst enormen Risiken aus. Wer einsam ist, wird öfter krank. Wunden heilen schlechter, das Immunsystem ist schwächer.“  . Man sterbe früher, weil das Risiko für Herz-Kreislauf-Störungen, Diabetes und Depressionen steige, man werde eher dement. „Soziale Isolation tötet, das ist eine Tatsache.“ (Der Spiegel, Nr. 21/16.5.2020, S.116)

Alle Berichte über die Folgen sozialer Isolation blieben ohne jeden Bezug zur Geschichte der RAF und dem Alltag in den Zellen-Gefängnissen. Aber diese Auseinandersetzung steht aus.


28. Februar 2024
Klaus Jünschke

Fachgespräch Wohnungslosenhilfe

Unter dem Vorsitz von Sandra Weeser (FDP) führte der Ausschuss des Bundestages für Wohnen, Stadtentwicklung, Bauwesen und Kommunen am 11. Dezember 2023 ein öffentliches Fachgespräch zum Thema „Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe“ durch.

https://www.bundestag.de/…/anhoerungen/981270-981270

Das Fachgespräch ist schon in der Mediathek des Bundestags:

https://www.bundestag.de/mediathek?videoid=7604722…

In den Parlamentsnachrichten wurde am 12.12.2023 eine Zusammenfassung veröffentlicht

https://www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-982696

Ich kann Ihnen/Euch allen empfehlen diese 90 Minuten anzuhören.

Von den Ursachen der Wohnungsnot war nicht die Rede.

Während überall Winterhilfe angesagt ist, Hinz&Kunzt vom ersten Kältetoten berichtet, war Soforthilfe kein Thema. Es fehlte eine Stimme, wie die von Kai Hauprich, der im DRAUSSENSEITER-Interview skandalisierte, dass wir den Obdachlosen beim Sterben zusehen.

Wie kann man ein Fachgespräch zur Obdachlosigkeit beginnen, ohne auf den Überlebenskampf der 50.000 Obdachlosen einzugehen? Ihre Lebenserwartung ist 30 Jahre unter dem Bundesdurchschnitt. Fast täglich lesen und hören wir von Gewalttaten gegen sie, und weil die Wohnungsnot sie am stärksten belastet, auch von Gewalt untereinander. In den 172 Gefängnissen der Bundesrepublik sind sie die am stärksten überrepräsentierte soziale Gruppe.

Vom Leerstand an Wohnungen, Bürohäusern und Ladenlokalen war nicht die Rede, so auch nicht von der Möglichkeit alle Obdachlosen sofort in abschließbare Einzelzimmer unterzubringen

Die Abgeordneten des Ausschusses waren in Finnland und haben sich Housing First angesehen. Finnland will 2027 ein Land ohne Obdachlosigkeit sein. Und trotzdem plapperten einige „Housing First ist nicht die Lösung für alles“.

Muss man sich trotzdem anhören, damit sich das nicht im Rat der Stadt am 4. Februar 2024 wiederholt.

Wir stehen am Samstag, den 16.12. vor dem Haus Ricarda-Huch-Str. 31 um zur Elias Gut Straße zu gehen. Dort stehen über 50 GAG-Wohnungen leer. Dort stehen über 50 GAG-Wohnungen leer. in den Wohnblöcken sind nur die Türen der leergezogenen Wohnungen aufzuschließen und dort wären nur die Heizungen anzudrehen.

Wie sonst soll es sich ändern, dass wir den Obdachlosen beim Sterben zusehen oder dass sie „zum Stadtbild gehören“?
17.12.2023
Klaus Jünschke

100 Kölnerinnen und Kölner feiern 75 Jahre Menschenrechte

In der Antoniterkirche und in der anschließenden Eröffnung der Ausstellung „Mein Name ist Mensch“ würdigte der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum die Geschichte und die Vorgeschichte der Charta der Vereinten Nationen. Moderiert von Martin Stankowski diskutierte in der Karl-Rahner-Akademie mit ihm die Sprecherin von Amnesty International Köln, Kim Horstmann. Erst durch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948 sind Friedenssicherung und der Schutz der Menschenwürde unlösbar verbunden.
https://www.karl-rahner-akademie.de/neuigkeiten/detailansicht?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=228&cHash=72a49da8c74e63978c9019e50c287f80

Im Begleitheft zur Ausstellung schreibt Gerhart Baum: „Dem Recht auf Menschenwürde und Freiheit stand in der Geschichte stets das Recht des Stärkeren im Weg. Menschenrechte mussten erkämpft werden gegen die Machtinteressen und Beharrungskräfte ihrer jeweiligen Zeit. Trotz Verfolgung und unter großen Opfern. Die Idee, dass alle Staatsgewalt vom Volk und nicht von Gott und Königen von Gottes Gnaden auszugehen hat, wurde im Zeitalter der Aufklärung gegen den heftigen Widerstand der Herrschenden, der Kirchen, des Adels erstritten.“

Die aktuellen Machtinteressen kamen nicht zur Sprache, weder die des Adels und der Kirchen heute, noch die der transnationalen Konzerne, Banken und Investmentgesellschaften.

In dem Lied „Mein Name ist Mensch“ von Rio Reiser/Ton Steine Scherben, das der Ausstellung den Titel gab, und dessen Text im Begleitheft vornweg zitiert wird, heißt es „Wir haben einen Feind, er nimmt uns den Tag. Er lebt von unserer Arbeit und lebt von unserer Kraft“

Jochen Stankowski, Jahrgang 1940, Drucker, Fotograf, Grafikdesigner und Maler; hat zum „Jahr der Menschenrechte 2023-2024“ seiner Ausstellung mit 30 visuellen Interpretationen der Artikel der Menschenrechts Charta im Bewusstsein dieser Zeilen den Titel „Mein Name ist Mensch“ gegeben.
http://www.atelier-stankowski.de/aktuell.php?cat=8

Wie viele andere, die sich über die zunehmenden Umfragewerte für die AfD Sorgen machen, fragt Gerhart Baum nicht nach den Ursachen dieser Entwicklung – die zunehmende soziale Ungleichheit bleibt außen vor. Seine Partei, die FDP, steht für Verteidigung der Interessen der besitzenden Klasse, der Finanzminister fordert offen Sozialabbau. Die FDP steht damit genau für das, was Adorno in seiner Rede zu den Aspekten des neuen Rechtsradikalismus als eine Hauptursache für einen neuen Faschismus ausgemacht hat: die mit dem Konzentrationsprozess des Kapitals verbundene steigende Angst vor Deklassierung in den Mittelschichten.

Da ist selbst Spiegel online weiter als das heutige Gedenken in Köln. Das Magazin hat Wolfgang Kaleck, Rechtsanwalt und Gründer der Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) zu einem Gastbeitrag zu 75 Jahren Menschenrechen eingeladen. Sein Schlusssatz:„Aber es wird auch um Umverteilung gehen müssen, denn die grassierende wirtschaftliche Ungleichheit zerreißt unsere Gesellschaften sozial und allenthalben sind die Rechtspopulisten auf dem Vormarsch.“
https://www.spiegel.de/ausland/75-jahre-allgemeine-erklaerung-der-menschenrechte-gastbeitrag-von-wolfgang-kaleck-a-3857a1d3-5d79-470d-9508-555b1aab61c1

Bei der Gelegenheit sei auch an Wolf Dieter Narr erinnert:

Wolf Dieter Narr: Weltmarkt und Menschenrechte. https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/141_142_narr.pdf

Klaus Jünschke
10.12.2023

Die Kulturstadt Köln und die Obdachlosigkeit

Im seinem Köln-Barometer blickt der Kölner Stadt-Anzeiger heute auf die Arbeit von Verwaltung und Politik in den vergangen drei Monaten zurück.

Bei Wohnen steht: „Grund zur Sorge“
Die Obdachlosen kommen unter Wohnen nicht vor. Weil sie nicht wohnen? Obwohl in Köln die Hälfte aller Einwohner einen Wohnberechtigungsschein hat und mehr preisgünstige Wohnungen aus der Bindung fallen, als neue gebaut werden, denkt die Stadtspitze nicht daran selbst die fehlenden Sozialwohnungen zu bauen und hofft, dass es die profitorientierten Investoren tun, wenn man ihnen nur genügend Steuergelder in den Rachen stopft.
Angesichts der wachsenden Zahlen von Obdachlosen und der steigenden Mieten wird immer noch nicht der Wohnungsnotstand erklärt.
Stattdessen will Baudezernent Greitemann am Bedarf der Mehrheit der Kölnerinnen vorbei weiter Einfamilienhäuser und „hochpreisige Eigentumswohnungen“ bauen lassen.

Unter den 10 wichtigsten Bauprojekten – der größte Beitrag auf der Doppelseite – kommen die Wohnungen und die Schulen nicht vor
Die Liste der 10 wichtigsten Bauprojekte vermittelt, was in dieser Stadt unter Kultur verstanden wird, während den Obdachlosen beim Sterben zugesehen wird.

Das armselige Niveau des Köln-Barometer auch beim Thema Sicherheit. „Anstieg der Kriminalität“ wird getitelt – ohne jeden Bezug zur zunehmenden sozialen Ungleichheit.
Seit Franz von Liszt gilt „Die beste Kriminalpolitik ist eine gute Sozialpolitik“. In diesem Beitrag kommt weder die Armut noch ihre Bekämpfung vor. Hat auch bei der Stadtspitze keine Priorität. Frau Reker hat nach ihren erfolglosen Jahren als Sozialdezernentin beim Neujahrsempfang der Deutschen Bank am 14. Januar 2016 als Oberbürgermeisterin verkündet, den Wirtschaftsstandort Köln zu stärken, sei die beste Sozialpolitik, die es gibt. Dazu passte, dass sie mehr Personal für Polizei und Justiz forderte. Als könnten Polizei und Justiz Armut, Suchtkrankheiten und Gewalt gegen Frauen und Kinder bekämpfen.    

Für eine Stadt ohne Obdachlosigkeit

Für eine Stadt ohne Zwangsräumungen

Für eine Stadt ohne Drogentote

Für eine Stadt ohne Gewalt gegen Frauen und Kinder

Für eine Stadt ohne Abschiebungen

Für eine Stadt ohne Armut

30. September 2023

Klaus Jünschke