Housing First

Das autonome Referat für antiklassistisches Empowerment (fakE) der Studentenvertretung der Uni Köln hat am 2.März 2022 zu einem Vortrag von Dr. Kai Hauprich über Housing First eingeladen. Er lehrt an verschiedenen Hochschulen und leitet Housing First im Vringstreff.  
https://vringstreff.de/wohnen-housing-first/

Kai Hauprich schilderte die Geschichte von Housing First. Sie fing in den 1990er Jahren in New York an, wo Dr. Sam Tsemberis ein Hilfsprogramm für Obdachlose mit multiplen, komplexen Problemlagen entwickelte, das zunächst „Pathways to Housing“ hieß.

Sam Tsemberis: „Es geht nicht in erster Linie um die Wohnung. Zuallererst geht es darum, die Kontrolle über die Entscheidung über das eigene Leben an die Menschen zu übergeben, die wir unterstützen wollen.“
http://derarchitektbda.de/housing-first/

Finnland adaptierte das von Sam Tsemberis entwickelte Konzept und ist heute das einzige Land in Europa, in dem die Zahl der Obdachlosen drastisch abgenommen hat. In fünf Jahren will Finnland die Obdachlosigkeit ganz abgeschafft haben.

Juha Kahila: „Stellen wir uns die Welt vor, wenn die Obdachlosigkeit ausgerottet ist. Brauchen die Wohlfahrtsverbände die Obdachlosen mehr, als die Obdachlosen diese Hilfsorganisationen?“
https://www.nzz.ch/international/finnland-mit-housing-first-gegen-die-obdachlosigkeit-ld.1639943

Die beiden Zitate vermitteln was der Unterschied ist, zwischen Housing First und dem  bisherigen Hilfesystem in den Städten, das von einem Machtgefälle bestimmt wird, das zwischen den Empfängern von Hilfe und den professionellen Helfern besteht. Die daraus folgende Machtdynamik ist kontraproduktiv und mit echter Hilfe nicht vereinbar.

Kai Hauprich kam in seinem Vortrag verschiedentlich auf das Misstrauen und die Kritik von Seiten der Sozialarbeiterinnen aus dem Kölner Hilfesystem ihm gegenüber und seiner Arbeit zu sprechen. Dabei wünscht er sich, sie für die notwendige Transformation des Hilfesystems zu gewinnen.

Unser Kommentar:  Das haben weder Sozialdezernet Rau noch viele Sozialarbeiter bis heute nicht verstanden, dass es menschenunwürdig ist, Obdachlose in Mehrbettzimmern unterzubringen, bei ausgehängten Türen, ohne jede Privatsphäre, und sie morgens um 8 Uhr  bei jedem Wetter auf die Straße zurück zu schicken.  Diese Hilfesysten konnte nicht dazu beitragen die Lebenserwartung der Obdachlosen dem Altersdurchschnitt der Menschen mit Wohnungen anzupassen. Obdachlose auf der Straße sterben 20 Jahre früher als Menschen die in Wohnungen leben.

Der Vortrag ist leider nicht aufgezeichnet worden. Marian Kirwel von fakE hat auf ein Video von Dr. Mark Benecke’s Official Youtube Channel verwiesen. In dem Film berichten Kai Hauprich und Andreas, der erste Obdachlose, der in Köln nach Housing First einen Mietvertrag bekam,  dem Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke vom wissenschaftlich abgesicherten Projekt, bei dem Wohnungs- und Obdachlose zuerst eine Wohnung erhalten und danach alles weitere folgt. Menschenfreundlich, wie Mark Benecke kommentiert, und es spart allen viel Geld.
https://www.youtube.com/watch?v=WDj5-3Q_dD8

6. März 2022

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: