Weggesperrt – Gefangen & Wohnungslos

Buchvorstellung mit Klaus Jünschke
Haus der Demokratie und Menschenrechte, Robert-Havemann-Saal, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin | Sonntag, 28.9.2025 um 17 Uhr

Klaus Jünschke besuchte über mehrere Monate die Justizvollzugsanstalten Köln, Siegburg und Rheinbach und sprach dort mit Häftlingen, die vor ihrer Haft wohnungs- und obdachlos gewesen waren – und danach mit größter Wahrscheinlichkeit auch wieder sein werden. Die Betroffenen berichten über eine soziale Notlage, deren Behebung längst überfällig ist. Auf Wohnungslosigkeit muss mit Wohnungsschlüsseln und nicht mit Handschellen reagiert werden. Wohnen ist ein Menschenrecht. In der Veranstaltung wollen wir über die Situation der Wohnungslosen in Haft diskutieren. Was kann getan werden? 
https://teilhabe-berlin.de/veranstaltung/weggesperrt-gefangen-wohnungslos-238

Aktionstag gegen Wohnungslosigkeit

Aktionstag gegen Wohnungslosigkeit am 11. September 2025 auf dem Rudolfplatz in Köln

 Wer sich die Dankreden auf die Amtszeit von Frau Reker anhören mag, kann feststellen, in welcher Fantasiewelt die Parteien leben, die Köln in den letzten Jahren regiert haben:

Ratssitzung 4.9.2025 online  https://www.stadt-koeln.de/artikel/71199/index.html

Die neugewählte Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärte im Januar 2016 auf dem Neujahrsempfang der Deutschen Bank: „Ich möchte den Wirtschaftsstandort Köln weiter ausbauen und Köln als Medien-, Hochschul- und Messestadt auch international auf einem Spitzenplatz wissen. Es gibt keine eindrucksvollere Sozialpolitik als die Stärkung des Wirtschaftsstandortes.“
https://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf-ob/reden/20160114_neujahrsempfang_deutsche_bank.pdf


Das Ergebnis dieses Verständnisses von Sozialpolitik

– die Armen sind mehr und ärmer geworden

– die Zahl der gemeinnützigen Wohnungen ist gesunken

– die Zahl der Drogentoten ist gestiegen

– Jahr für Jahr mussten die beiden kleinen Frauenhäuser 400 – 600 schutzsuchende Frauen abweisen, weil sie keine freien Zimmer hatten

 Am Aktionstag gegen Wohnungsnot auf dem Rudolfplatz waren die Obdachlosen, die Hauptamtlichen aus der Wohnungslosenhilfe und die Unterstützenden der Obdachlosen unter sich. Kein OB-Kandidat hat sich blicken lassen.

 Wir müssen einen Weg finden, dass sich die Wohnungslosen und Obdachlosen in der Stadt, die Beschäftigten der Wohnungslosenhilfe und die auf vielfältige Weise Obdachlose Unterstützenden zusammenfinden, um gemeinsam eine Kraft zu werden, die den Druck auf die Politik ausüben kann, die zu wirklichen Taten führt. Angesichts der Leerstände in der Stadt muss es ermöglicht werden allen Obdachlosen als Übergangslösung ein abschließbares Einzelzimmer anzubieten – bis es Wohnungen für alle gibt.

11. September 2025
Klaus Jünschke

Armes Köln

Michael Hock beantragte in der letzten Ratssitzung vor der Kommunalwahl für die Fraktion DIE PARTEI eine aktuelle Stunde zum Thema „Sofortmaßnahmen gegen Armut und Obdachlosigkeit im Sinne des Hillijen Löres von Rom“
https://de.wikipedia.org/wiki/Laurentius_von_Rom

1

Jede Fraktion gibt ein Teil ihres Budgets für Soforthilfen für Obdachlose

2

Jede Woche wird mindestens eine leerstehende Immobilie geöffnet

3

Wir schaffen den Laurentius-Fonds zur Hilfe für Obdachlose

4
Eine Auszeichnung für wirksame Hilfen
Im Detail: https://buergerinfo.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=1063195&type=do

Michael Hock: „Es ist ein Antrag, nicht um Mitleid zu erregen, sondern um Verantwortung zu übernehmen. Köln muss gerechter handeln. „
https://www.stadt-koeln.de/artikel/71199/index.html

Zu dieser aktuellen Stunde ist es nicht gekommen – keine andere Partei war bereit dies aktuelle Stunde zu befürworten. Die Linke enthielt ich.

Mit dem „Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung“ und „Recht auf Stadt“ hatte die Fraktion DIE PARTEI vom Donnerstag, den 4.9., 12 Uhr bis Freitag, den 5.9.2025, 12 Uhr das Protestcamp „Naach ohne Daach“ (Nacht ohne Dach) vor dem Rathaus auf dem Alter Markt organisiert. Die Obdachlosen, die in dieser Nacht in einem Zelt Schutz fanden, konnten die Zelte, die Isomatten und Schlafsäcke behalten. Gespendet von der Fraktion DIE PARTEI
9.9.2025
Klaus Jünschke

Den Grünen gehen die Armen am Arsch vorbei

 „Köln ist mehr als nur eine Stadt, Köln ist ein Gefühl und eine Heimat von Menschen unterschiedlicher Herkunft“, sagte Aymas.

„Weil es kölsch ist, in Köln sein zu können, was man sein will“, sagte Aymaz.

„Mein Köln besteht aus Ideen und Lösungen“, sagte Aymaz.

„Das Stärkste, was Köln machen kann, um auf die Rechtsextremisten zu reagieren, ist ein Signal der Vielfalt und Toleranz zu senden“, sagte Katharina Dröge
https://www.ksta.de/koeln/kommunalwahl-berivan-aymaz-will-vielfalt-und-gerechtigkeit-1102236

Der Artikel von Tim Attenberger im heutigen Kölner Stadt-Anzeiger, aus dem diese peinlichen Zitate sind, trägt die Überschrift „Berivan Aymaz will Vielfalt und soziale Gerechtigkeit“.

Wie wichtig den Kölner Grünen das Thema soziale Gerechtigkeit ist, kann am Beispiel des von ihnen mitverursachten Wohnungsnotstands zur Kenntnis genommen werden. Der Grüne Kreisparteitag hat im November 2019 das Konzept „Lebenswertes und bezahlbares Wohnen in Köln“ beschlossen, das in den vergangenen sechs Jahre keine Rolle gespielt, obwohl die Grünen stärkste Fraktion im Rat waren.
https://www.gruenekoeln.de/partei/beschluesse/nachricht/lebenswertes-und-bezahlbares-wohnen-in-koeln-3628

Seit über 20 Jahren wird das Diversity Managment kritisiert. Beispielhaft von Patricia Purtschert 2005 in der WoZ:  „Einer der guten Gründe, dem Diversity Management mit Vorsicht zu begegnen, besteht also in seiner Ausrichtung auf Profit. Im Zentrum stehen nicht primär Fragen der Gerechtigkeit, sondern Fragen der Gewinnmaximierung.“
https://www.woz.ch/-48f

Walter Benn Michaels: „Da in vielen Fällen der Einsatz für die Diversität an die Stelle des Kampfes für die Gleichheit getreten ist (statt ihn zu ergänzen), hat er am Ende die Barrieren geschwächt, die den um sich greifenden Neoliberalismus eindämmen sollten.“
https://monde-diplomatique.de/artikel/!726478

Eva Berger in der taz: „Während wir uns mit immenser Energie und kritischem Herzblut auf allen Ebenen der Gesellschaft der Anerkennung und Förderung von wie auch immer gearteter Diversität und dem Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung widmen, ist davon ein Ungleichheitsverhältnis nahezu unberührt geblieben bzw. hat sich radikalisiert: die Kluft zwischen Arm und Reich wird größer, die Verteilung des Reichtums ungerechter (die USA und Deutschland stechen hier laut OECD besonders hervor), die Ausbeutung insbesondere in den unteren Lohnsegmenten schärfer.“
https://taz.de/Buch-Der-Trubel-um-Diversitaet/!5807703/

Am 20.03.2024 fragte die Kölnische Rundschau Caritas-Vorstand Peter Krücker: Wie kann es überhaupt sein, dass in einem so reichen Industrieland wie Deutschland so eine große soziale Ungleichheit herrscht?

Es hängt an den Prioritäten der Politik, sowohl auf der Bundes- als auch auf der Landesebene. Beim Bauen ist es auch ein kommunales Thema, dass die Prioritäten der Politik nicht bei der Armutsvermeidung liegen.
https://www.rundschau-online.de/politik/scharfe-kritik-des-europarats-was-muss-deutschland-gegen-armut-tun-herr-kruecker-761193

8.9.2025
Klaus Jünschke

Hilfezentren für die Drogenkranken – innerstädtisch oder außerhalb?

Unter dem Stichwort „Verwahrlosung“ – mit dem die CDU ihren Kommunalwahlkampf bestreitet – verkündeten  die Polizeireporter des Kölner Stadt-Anzeiger am 27. August 2025: „Mehrere neue Standorte für Drogenkonsumräume in Köln in der Diskussion.“

Was so angekündigt wird, löst der Artikel nicht ein: „Polizeipräsident Johannes Hermanns hat Politik und Stadtverwaltung mehrere Vorschläge gemacht, die aus Sicht der Polizei geeignet wären.“  Eine Zwischenüberschrift bekräftigt das: „Polizeipräsident hat geeignete Standorte vorgeschlagen.“

Um dann zu erfahren: „Der Stadtverwaltung und Politikern hat der Behördenleiter daher nach eigenen Worten ‚einige aus polizeilicher Sicht mögliche und geeignete Standorte im Stadtgebiet‘ genannt. Auf konkrete Nachfrage des ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ will die Polizei diese Orte aber nicht nennen. Der Grund: ‚Letztlich kann nur die Stadtverwaltung in Abstimmung mit der Politik prüfen und feststellen, welche Standorte tatsächlich zur Verfügung stehen und realisierbar sind‘, sagt Hermanns.

Mit anderen Worten: die Kölner Polizeiführung will über die neuen Standorte für Drogenkonsumräume bzw. Drogenhilfezentren entscheiden, aber es mit Hilfe der Polizeireporter nicht so aussehen lassen.

Nach dem Ende des Artikels werden den Leserinnen in einem Nachtrag quasi unter der Hand drei Standorte mitgeteilt: „Auf Anfrage wollte die Polizei nicht mitteilen, wo sie sich im Stadtgebiet ein Drogenhilfezentrum vorstellen kann. Aber wie der ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ erfuhr, prüfen Stadtverwaltung und Politik derzeit mehrere mögliche Standorte. Darunter die Fläche an der Luxemburger Straße nahe dem Gerichtsgebäude…   …Des Weiteren ist für ein Drogenhilfezentrum die große Fläche gegenüber dem Polizeipräsidium in Kalk im Gespräch, die zurzeit als Parkplatz genutzt wird. Außerdem sollen alte Industrieflächen im Mülheimer Süden in der Diskussion sein.

Für diese Plätze durfte der Polizeipräsident im Artikel werben: „ Infrage kommen nach Auffassung des Polizeipräsidenten nicht nur Bestandsimmobilien. ‚Containerbauten auf freien Flächen würden schnell umsetzbare Ergebnisse ermöglichen‘, schlägt er vor. Sicher sei: ‚Wenn Lösungen gesucht werden, wird man auch Lösungen finden.‘“
https://www.ksta.de/koeln/mehrere-neue-standorte-fuer-drogenkonsumraeume-in-koeln-in-der-diskussion-1093795

Im Artikel wurde erwähnt, dass Sozialdezernent Dr. Rau gegen diese weit vom Stadtzentrum entfernten Konsumräume ist, weil damit schon in Deutz schlechte Erfahrungen gemacht wurden. Was die von der Polizei vorgeschlagenen Standorte noch mit dem „Züricher Modell“ zu tun haben, wird den Leserinnen vorenthalten. Mit dem „Züricher Modell“ war erreicht worden, dass der offene Drogenkonsum im Stadtzentrum beendet wurde. „Der Kern der Strategie: Null-Toleranz für Drogenhandel und Drogenkonsum im öffentlichen Raum. In den Kontakt- und Anlaufstellen mit Drogenkonsumräumen ist der Konsum erlaubt und der Kleinhandel zwischen Schwerstabhängigen toleriert (wichtig: die Polizei stützt diese Strategie).“(S.7) https://www.frankfurt-university.de/fileadmin/standard/ISFF/1400_FlorianMeyer.pdf  

„Ziel ist nicht, dass drogenabhängige Menschen von den Straßen ‚verschwinden‘, sondern dass im öffentlichen Raum keine Drogen konsumiert oder gehandelt werden.“ (Nadeen Schuster, Sozialdepartement der Stadt Zürich)
Viele der Konsumenten sind sozial integriert und konnten in Arbeit vermittelt werden. Eine Arbeit, die nicht aus Beschaffungskriminalität besteht.
https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/crack-drogen-drogenszene-deutschland-zuericher-modell-100.html

Der Kölner Polizeipräsident Johannes Hermanns in einem Interview mit dem Stadt-Anzeiger am 16. Juli 2025: „Wenn ich eine Einrichtung wie einen Drogenkonsumraum grundsätzlich akzeptiere, aber nicht erkläre, wie die Abhängigen den Stoff kriegen können, den sie da drinnen konsumieren dürfen, dann ist das für mich eine eher nicht nachvollziehbare Regelung, um das mal vorsichtig zu beschreiben.“
https://www.ksta.de/koeln/koelner-polizeipraesident-so-funktioniert-der-konsumraum-am-neumarkt-nicht-1065795

Wie die Drogengebrauchenden am Neumarkt jetzt an ihre Drogen kommen, ist der Polizei bekannt. In der Sendung monitor vom 14. August 2025 war zu sehen, wie sie damit umgeht:

„Mitten auf dem Neumarkt treffen wir Takan. Er versucht ein bisschen zu essen, kriegt aber kaum etwas runter. Takan ist entzügig – seit mehr als 24 Stunden habe er kein Heroin konsumiert. Für einen Schuss habe er sein letztes Geld ausgegeben, erzählt er uns.
Takan: ‚Das wäre jetzt 15,- Euro.‘
15,- Euro, die ihn jetzt durch die nächsten Stunden bringen sollen.
Takan: ‚Zwei Minuten, ich bin in zwei Minuten wieder bei euch, ne. Bis gleich!‘
Wir warten, aber Takan kommt nicht wieder. Aus zwei Minuten werden 20 – dann treffen wir ihn in einer Seitenstraße. Takan sagt, die Polizei habe ihm sein Heroin abgenommen, bevor er es sich spritzen konnte.
Takan: ‚Die wissen nicht, was da für Kraft dahintergesteckt hat.‘Reporter: ‚Und die nehmen das auch direkt ab oder was, ja?‘
Takan: ‚Ja, musste ich vor denen – kann ich dir zeigen – vor denen in den Becher reingeben. Dann haben sie mich in Ruhe gelassen, noch nicht mal Ausweiskontrolle, nichts. Einfach, ja, weiter. Schönen Tag noch. Ich habe keine Kraft mehr!‘“ https://www1.wdr.de/daserste/monitor/sendungen/crack-elend-gewalt-deutsche-drogenpolitik-gescheitert-100.html#commentsBlock

Wieso muss die Polizei dem Süchtigen seine Drogen kassieren? Da die Sucht bekanntlich nicht zur Disposition steht, muss der Drogenkranke erneut das Geld für den Kauf von Drogen aufbringen. Wer weiß, wie schwierig es ist über Betteln oder Flaschensammeln die nötigen Euros zusammenzubekommen, versteht auch, warum es zu Diebstahl, Raub und Einbrüchen kommt. Kein Wunder, dass Polizeipräsidenten schon in den 1990er Jahren die Abgabe von Heroin an die Süchtigen durch den Staat empfohlen haben. Der Spiegel schrieb am 17.08.1992: „Die deutsche Drogenpolitik steht vor der Wende. Staatsanwälte und Polizeichefs halten die Jagd auf Dealer mittlerweile für aussichtslos. Um der Rauschgiftmafia das Geschäft zu verderben und das Fixer-Elend zu lindern, gibt es nach Ansicht von SPD-Politikern und Drogenexperten nur noch ein Rezept: Heroin vom Staat.“ https://www.spiegel.de/politik/das-boese-aus-der-buechse-a-4b71a3f8-0002-0001-0000-000013689817?context=issue

Was will Polizeipräsident Johannes Hermanns mit einem Drogenhilfezentrum auf dem Parkplatz gegenüber dem Polizeipräsidium in Kalk? Wenn er damit die Beschaffungskriminalität in der Innenstadt beenden will, muss er den Süchtigen den Stoff geben, den sie brauchen. Da er nicht einmal seine Beamten anweisen kann, den Süchtigen nicht mehr ihre Drogen abzunehmen, kann es das nicht sein. Mit was will er die Süchtigen nach Kalk bewegen?

Zuzustimmen ist dem Polizeipräsidenten wenn er diese Binsenweisheit ausspricht:

‚Containerbauten auf freien Flächen würden schnell umsetzbare Ergebnisse ermöglichen‘, schlägt er vor. Sicher sei: ‚Wenn Lösungen gesucht werden, wird man auch Lösungen finden.‘“
https://www.ksta.de/koeln/mehrere-neue-standorte-fuer-drogenkonsumraeume-in-koeln-in-der-diskussion-1093795

Das führt wiederum zu Dr.Rau und der Kölner Sozial- und Gesundheitsverwaltung: sie produzieren immer neue Papiere, aber handeln nicht danach. Dabei gehört auch zum von allen Seiten beschworenen Züricher Modell, dass es die Zahl der Drogentoten radikal senken konnte. In Köln sind diese Zahlen in den letzten Jahren gestiegen und kein Anlass gewesen, einen humanitären Notstand zu erkennen, der Sofortmaßnahmen bedarf. 

27. August 2025

Klaus Jünschke