Mülheimer Arche

Zu Beginn der heutigen Pressekonferenz an der neuen Überlebensstation für Obdachlose am Bergischen Ring 40 lief das Video mit dem aktuellen AG Arsch Huh Lied „Alles verlore 2022“.
https://www.youtube.com/watch?v=Gsnn93XSzSY

Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs schilderte, wie alles anfing, als er mit Konstantin Neven DuMont und Franco Clemens im letzten Frühjahr am Wiener Platz unterwegs war, um nach einem Ort Ausschau zu halten, an dem etwas zum Schutz der Obdachlosen geschehen konnte.  Es dauerte dann aber doch noch bis Dezember, bis mit dem neuen Verein Arche für Obdachlose e.V. , dem Arsch huh e.V., der FC-Stiftung und der Bethe-Stiftung die Finanzierung stand. Am Ende seiner ausführlichen Rede bezog sich Nobert Fuchs auf den aktuellen Rundbrief 73 des Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung, in dem stand, dass diese Überlebensstation nur eine Übergangslösung sein kann – für den Übergang zur Unterbringung aller Obdachlosen in richtigen Wohnungen.

Die zehn Container beherbergen nicht nur einen großen Aufenthaltsraum, eine Küche, WC und Duschen, sowie Büros für sozialarbeiterische Beratung,  auch eine vollwertige Arztpraxis wird es geben. Während der Pressekonferenz waren die Handwerker noch zu Gange. Morgen soll erstmals für Obdachlose und andere Hilfe Suchende geöffnet werden. Anfangs vier Stunden täglich an den Werktagen mit der Perspektive 8 Stunden an allen sieben Wochentagen.  

Das Zustandekommen dieser neuen Überlebensstation ist das Werk von vielen. In der Pressemappe zur Eröffnung waren am Ende acht Handwerksbetriebe genannt, die zum Gelingen beigetragen haben. Wenn es einer verdient hervorgehoben genannt zu werden, dann ist es Franco Clemens. Er hat in den letzten Jahren den Wiener Platz und die von ihm so bezeichnete Straßenkultur-Scene kennengelernt und in Zusammenarbeit mit Linda Rennings und ihrem Verein Heimatlos in Köln Anerkennung auf dem Platz erfahren. Er weiß welche Entlastung und Entspannung eine gut geführte Überlebensstation für die Menschen vo Wiener Platz, für die er ihr Wohnzimmer wurde, sein kann. Dazu gehört auch, dass Linda in der Mülheimer Arche einen Platz für ihre Sozialberatung bekommt.

Manfred Post von der AG Arsch Huh und der Präsident des FC Köln, Werner Wolf, machten in ihren eindrücklichen Reden deutlich, dass es nicht nur darum geht, die Notlagen von Obdachlosen zu lindern, sondern die Obdachlosigkeit überhaupt zu überwinden.  Die Frage, wie es sein kann, dass in einem reichen Land wie der Bundesrepublik, die Zahl der Wohnungslosen schneller steigt, als der Neubau bezahlbarer Wohnungen, richtete sich direkt an die Stadtspitze, die Stadtverwaltung  und das sogenannte „Gestaltungsbündnis“ aus Grünen, CDU und Volt. Sie haben es vorgezogen nicht zur Eröffnung zu kommen.

Mark Oette, Chefarzt im Severinsklösterchen und Vorstand im CAYA e.V., erläuterte, was die Arztpraxis in der Überlebensstation wird leisten können.  Er wies darauf hin, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Obdachlosen in der Bundesrepublik und Köln nur 50 Jahre beträgt – 20 Jahre weniger als die durchschnittliche Lebenserwartung bei denen, die eine Wohnung haben. Sozialdezernent Rau, der unermüdlich das „differenzierte Hilfesystem“ für Wohnungs- und Obdachlose in Köln lobt und rechtfertig, steht dagegen für die Realitätsblindheit einer Stadtregierung, die jede Verantwortung für dieses Elend von sich weist. Auch von den freien Trägern, die in Köln die Obdachlosigkeit mitverwalten, war noch keine Selbstkritik zu hören, auch heute nicht, bei der Eröffnung der Mülheimer Arche.  

14.Februar 2022
Klaus Jünschke

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