Verändern um Leben zu retten

21. Juli 2026 – Internationaler Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende

Auf dem Gedenktag am 20. Juli 2019 auf dem Rudolfplatz sprach Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes. 2018 hatte die Polizei 71 Drogentote gezählt. Sie berichtete, dass der Rat der Stadt Köln beschlossen hat, verschiedene Drogenkonsumräume einzurichten, am Neumarkt, in Kalk und in Mülheim. https://www.youtube.com/watch?v=bGPvK_yxAjg

Claudia Schieren, die Geschäftsführerin des Vision e.V., blickte zu Beginn ihrer Rede am 21. Juli 2026 auf die vergangenen Jahre zurück, in denen immer der versprochene Drogenkonsumraum in Kalk im Mittelpunkt des Gedenkens stand. Erst im Mai 2026 konnte dieser Raum in der Dillenburger Straße eröffnet werden. Daher hat sie beschlossen in diesem Jahr in ihrer Rede das Team, die Ehrenamtlichen und die Nutzerinnen zum Thema zu machen. Sie dankte allen, ohne die die Arbeit insgesamt und der Gedenktag undenkbar seien. Den ganzen Nachmittag gab es reichlich prima Essen und alle möglichen Getränke.

Der Vision e.V. ist vor 35 Jahren aus der Selbsthilfe entstanden, gegründet von Menschen die Substanzerfahrung hatten. 2025 sind nach Angaben der Polizei 80 Menschen in Folge des Drogenkonsums und der Repression gestorben. Es gibt inzwischen einen langen Katalog von Maßnahmen, die Leben retten können. Aber es fehlt immer noch an den ausreichenden finanziellen Mitteln für Personal und Raum.

Das Konzept von Vision e.V. besteht aus der Verbindung von sozialer Arbeit und Selbsthilfe. Über die Arbeit, die Projekte und die Geschichte des Vereins wird auf der Webseite ausführlich informiert: https://www.vision-ev.de/  Claudia Schierer hob in ihrer Rede den Kontaktladen hervor, der täglich von 50 Menschen besucht wird.

Wichtiger Bestandteil der Arbeit ist es Menschen zu beschäftigen, in vernünftige Arbeitsverhältnisse zu bringen. Auch dafür brauch es Geld, das nicht in dem Umfang vorhanden ist, wie es nötig ist.

Die Hauptaufgabe ist und bleibt Menschen zu retten, ohne Termine, jetzt und gleich.

Am Gedenktag wird nicht nur erinnert und getrauert, es werden auch  Forderungen gestellt

Am Offenen Mikrophon kamen an die 20 der Anwesenden zu Wort um auf das Motto des diesjährigen Gedenktages zu antworten.

Verändern um Leben zu retten: Die Drogen müssen raus aus dem Schwarzmarkt.

Verändern um Leben zu retten: Naloxon muss überall verfügbar sein.

Verändern um Leben zu retten: Der Zugang zu Notschlafstellen muss menschenwürdig sein, ohne Körperkontrollen.

Verändern um Leben zu retten; Wohnraum für alle ist zu schaffen.

Am Ende des Gedenktags kamen alle am hinteren Teil des Geländes zu einer Trauerfeier zusammen.

Mein Eindruck war, dass an diesem Gedenktag die hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und die Ehrenamtlichen vom Vision e.V. und die Nutzerinnen unter sich waren. Niemand von der Stadtverwaltung, niemand aus dem Rat, keine Presse. Die verstorbenen Drogengebrauchenden ihrerseits kommen auch in der Auseinandersetzung um die dringend benötigten Suchthilfezentren nicht vor.

21. Juli 2026
Klaus Jünschke