Der Kölner Stadt-Anzeiger desorientiert die Stadtgesellschaft

Am 22. August 2026 sorgte sich der Stadt-Anzeiger im Lokalteil: „Droht Kölns Drogenpolitik der Stillstand?“

Florian Holler: „spätestens seit Crack die Straßen erobert hat, spitzt sich die Lage zu“. Muss man sich einfach mal bildlich vorstellen: „Crack erobert die Straßen.“ Gesellschaftliche Verantwortung, politische Verantwortung ist damit außen vor.

Im März 2025 hat Noami Pohl im Düsseldorfer Straßenmagazin fifty-fifty die Problematik angemessen analysiert und erklärt: „’Crack ist verhältnismäßig günstig und leicht verfügbar‘, erklärt Harbaum. Das macht die Droge insbesondere für benachteiligte Personengruppen attraktiv: Auch als ‚Kokain der Armen‘ bezeichnet, konsumieren vor allem Menschen in prekären Lebenslagen regelmäßig Crack. Dazu zählen insbesondere auch wohnungslose Menschen. Ohne festen Wohnsitz, abgeschnitten von stabilen sozialen Netzwerken und ohne Perspektiven sind sie besonders anfällig für die Droge.“

„Die Herausforderungen, die mit Crack-Konsum einhergehen, machen deutlich, dass es nicht nur um die Droge selbst geht, sondern vor allem um die Lebensumstände der Betroffenen. Die Droge ist dabei weniger die Ursache des Problems als ein Symptom tiefliegender gesellschaftlicher Missstände.“
https://www.fiftyfifty-galerie.de/magazin/epaper/2025-03/12561-crack-wie-ein-zug-der-durch-den-kopf-fhrt

Der SPIEGEL brach am 26. Januar 1997 mit seiner Titelgeschichte „Heroin vom Staat“ ein tabuisiertes Thema der deutschen Drogenpolitik. Auslöser war eine Initiative prominenter Polizeipräsidenten – darunter der damalige Kölner Polizeipräsident Jürgen Roters –, die eine kontrollierte Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige forderten, um die offene Drogenszene und die Kriminalität einzudämmen.

https://www.spiegel.de/spiegel/print/index-1997-5.html

Es hat dann nochmal über zwölf Jahre gedauert, bis der Bundestag Heroin als Medikament zuließ.
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/schwerstabhaengige-bundestag-beschliesst-staatliche-heroin-abgabe-auf-rezept-a-627484.html

Soll es jetzt wie/der zehn Jahre oder länger dauern, bis den suchtkranken Crack-Konsumenten Kokain gegeben wird? Da die wachsende Zahl der Drogentoten im Artikel außen vor bleibt, wird das Staatsversagen, um das es hier geht, vom Stadt-Anzeiger nur weichgespült angesprochen.

Ganz außen vor bleibt die Wohnungsnot der drogenkranken Menschen, obwohl die große Zahl der obdachlosen Menschen unter den Suchtkranken vorliegt. Auch hier geht es nicht um „Stillstand in der Drogenpolitik“ sondern um unterlassene Hilfeleistung durch ein Sozialdezernat, dass die Verdoppelung der Zahl der Drogentoten in den vergangenen zehn Jahren mit der Behauptung begleitet, die Wohnungslosenhilfe sei in Köln 2gut aufgestellt“.