Bei der Mahnwache der Wohlfahrtsverbände am 30. September 2026 vor dem Rathaus trugen Sozialarbeiterinnen Schilder mit der Botschaft „Köln soll sozial bleiben“.
Wo leben sie, dass sie nicht wenigstens „Köln soll sozial werden“ plakatieren?
In den vergangenen zehn Jahren hat sich in Köln die jährliche Zahl der von der Polizei registrierten Drogentoten auf über 80 verdoppelt.
Die beiden kleinen Frauenhäuser müssen jährlich 400 – 600 schutzsuchenden Frauen mitteilen, dass sie keine freien Zimmer haben.
Über 10.000 Menschen sind in Köln wohnungslos in menschenunwürdigen Notunterkünften untergebracht und über 500 versuchen im Freien auf den Straßen und Plätzen zu überleben.
Jährlich verlassen über 400 Jugendlichen die Schulen in Köln ohne Abschluss.
Im Sommer sind in Altenheimen Menschen in überhitzten Zimmern gestorben.
Die Tafel kann längst nicht mehr alle Hilfesuchende mit Lebensmittel versorgen.
Das sind nur konkrete Beispiele der zunehmenden sozialen Ungleichheit. Am 31.Mai 2026 war im Kölner Stadt-Anzeiger zu lesen: „In keiner anderen deutschen Millionenstadt ist die Kluft zwischen armen und reichen Stadtteilen so groß wie in Köln – und sie wächst weiter.“
https://www.ksta.de/abgehaengt/abgehaengt-wenn-die-postleitzahl-entscheidet-zwei-grosse-bloecke-entlang-des-rheins-forscher-erklaert-warum-koeln-so-ungleich-ist-1288276
Zum 8. Oktober 2026 wird zur Demonstration „Zusammenhalt für Köln“ aufgerufen: „Gegen Kürzungen in der freien Kulturszene und in der sozialen Trägerlandschaft. Für die Kulturstadt, in der wir leben wollen.“
https://rausgegangen.de/events/demo-zusammenhalt-fur-koln-0
Auch in diesem Aufruf kommen die Menschen nicht vor, die in Köln im Ausnahmezustand leben.
Kai Hauprich, Projektleiter der Housing-First-Initiative des Vringstreffs e.V., hat vor drei Jahren im Interview mit dem Straßenmagazin DRAUSSENSEITER eindrücklich darauf verwiesen, dass wir uns daran gewöhnt haben, „dass wir den Menschen beim Sterben zuschauen, dass wir das für normal halten. Das darf nicht sein. Ich finde, wir müssen schnellstmöglich jene versorgen, die am dringendsten unsere Hilfe brauchen.“
https://bodoev.de/2023/02/01/wir-schauen-den-menschen-seit-jahren-beim-sterben-zu/
Warum ist das in der Stadtgesellschaft ohne Echo geblieben? Warum werden jene nicht schnellstmöglich versorgt, die am dringendsten unsere Hilfe brauchen?
Die im Ausnahmezustand zu überleben bemüht sind, können sich nur ausnahmsweise selbst aus dem Elend befreien. Die in der sozialen Arbeit Tätigen und die Kulturschaffenden haben die Ressourcen im Sinne des Artikels 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu handeln:
„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Solidarität begegnen.“