Die variablen Grenzen der Wohnungsmarktlage in Köln

Wohnungs- und Obdachlose wollen Wohnungen, das weiß jeder vernünftige Mensch. Aber um sicher zu gehen, dass an den Projektionen der Hilfeverweigerer nichts dran ist, die davon ausgehen, dass Obdachlose gar keine Hilfe wollen und Wohnungen schon gar nicht, hat Sozialdezernent Rau 2018 Streetworkerinnen des Benedikt Labre e.V. und der Diakonie Michaelshoven beauftragt, Obdachlose in Köln zu interviewen und nach ihren Wünschen zu fragen. Am Ende seines Berichts von den Ergebnissen der Interviews für den Sozialausschuss schrieb Herr Rau: „Der durchgehend geäußerte Wunsch  der Befragten eigenständigen Wohnraum zu beziehen, stößt aufgrund der Wohnungsmarktlage in Köln an tatsächliche Grenzen. Die Verwaltung prüft deshalb gemeinsam mit den Trägern der Wohnungslosenhilfe, inwieweit die Zugangshürden ins Hilfesystem abgesenkt und damit verbunden die Akzeptanz der vorhandenen Angebote gestärkt werden kann.“ https://buergerinfo.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=733280&type=do

Während sich Herr Rau mit den freien Trägern seither bemüht die Obdachlosen mit kleinen Zugeständnissen in die Notunterkünfte zu lotsen, wird für die Flüchtlinge in den Sammelunterkünften ein Auszugsmanagement in Wohnungen organisiert. Der Rat beschließt sogar die Auflösung der Sammelunterkünfte. Das alles kann man nur begrüßen und unterstützen. Rat und Verwaltung bleiben uns aber bis heute die Erklärung dafür schuldig, warum nichts Vergleichbares auch für die Obdachlosen geschieht.

Gestern schrieb Antonia Raabe im EXPRESS, dass die Stadt Köln alle Flüchtlinge bis 2024 „in abgeschlossene Wohneinheiten unterbringen“ will:

„Lebenswertere Wohnbedingungen? Stadt mit großen Plänen bis 2024
Geflüchtete Personen sollen in Köln bald unter besseren Wohnbedingungen leben. Bis 2024 möchte die Stadt ein großes Ziel umgesetzten. Ein Stufenplan erklärt, wo es hingehen soll.“
https://www.express.de/koeln/koeln-ukraine-fluechtlinge-sollen-bessere-wohnungen-erhalten-89465?cb=1646513308447

Alle, denen dazu nur einfällt, wir wollten Obdachlose und Flüchtlinge gegeneinander ausspielen, seien daran erinnert, dass über Jahrhunderte Menschen im Kampf gegen die Feudalherren, den Adel,  ihr Leben gelassen haben, um „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ zum Sieg zu verhelfen.

Wo wir 2022 stehen, illustriert die Lokalausgabe der Kölner Stadt-Anzeiger heute auf S. 24:
Auf den ersten fünf Spalten werden zwei Makler zum Markt für Luxusimmobilien in Köln interviewt.

Wir dürfen erfahren: „Das allergünstigste Objekt lag 2021 bei 500.000 Euro“. Und: Am anderen Ende der Skala lag eine Villa für acht Millionen Euro im Kölner Süden.“ Die letzten 10 Worte im Interview, das Christiane Vielhaber führte: „in Köln bleiben die Preise in der Regel im Rahmen.“  https://www.ksta.de/koeln/wer-sind-die-kunden–hier-kosten-luxusimmobilien-in-koeln-acht-millionen-euro-39505552

Die sechste Spalte der Seite 24 hat die Überschrift „Neuer Beratungsbus für Obdachlose“. Es handelt sich dabei nicht um eine Initiative der Stadt Köln, sondern um eine Spende des Vereins „Arche für Obdachlose“. Die Zwischenüberschrift lautet: „Not unter Obdachlosen steigt.“ https://www.ksta.de/koeln/armut-in-koeln-neuer-beratungsbus-fuer-obdachlose-geht-an-den-start-39486264

7. März 2022
Klaus Jünschke

Housing First

Das autonome Referat für antiklassistisches Empowerment (fakE) der Studentenvertretung der Uni Köln hat am 2.März 2022 zu einem Vortrag von Dr. Kai Hauprich über Housing First eingeladen. Er lehrt an verschiedenen Hochschulen und leitet Housing First im Vringstreff.  
https://vringstreff.de/wohnen-housing-first/

Kai Hauprich schilderte die Geschichte von Housing First. Sie fing in den 1990er Jahren in New York an, wo Dr. Sam Tsemberis ein Hilfsprogramm für Obdachlose mit multiplen, komplexen Problemlagen entwickelte, das zunächst „Pathways to Housing“ hieß.

Sam Tsemberis: „Es geht nicht in erster Linie um die Wohnung. Zuallererst geht es darum, die Kontrolle über die Entscheidung über das eigene Leben an die Menschen zu übergeben, die wir unterstützen wollen.“
http://derarchitektbda.de/housing-first/

Finnland adaptierte das von Sam Tsemberis entwickelte Konzept und ist heute das einzige Land in Europa, in dem die Zahl der Obdachlosen drastisch abgenommen hat. In fünf Jahren will Finnland die Obdachlosigkeit ganz abgeschafft haben.

Juha Kahila: „Stellen wir uns die Welt vor, wenn die Obdachlosigkeit ausgerottet ist. Brauchen die Wohlfahrtsverbände die Obdachlosen mehr, als die Obdachlosen diese Hilfsorganisationen?“
https://www.nzz.ch/international/finnland-mit-housing-first-gegen-die-obdachlosigkeit-ld.1639943

Die beiden Zitate vermitteln was der Unterschied ist, zwischen Housing First und dem  bisherigen Hilfesystem in den Städten, das von einem Machtgefälle bestimmt wird, das zwischen den Empfängern von Hilfe und den professionellen Helfern besteht. Die daraus folgende Machtdynamik ist kontraproduktiv und mit echter Hilfe nicht vereinbar.

Kai Hauprich kam in seinem Vortrag verschiedentlich auf das Misstrauen und die Kritik von Seiten der Sozialarbeiterinnen aus dem Kölner Hilfesystem ihm gegenüber und seiner Arbeit zu sprechen. Dabei wünscht er sich, sie für die notwendige Transformation des Hilfesystems zu gewinnen.

Unser Kommentar:  Das haben weder Sozialdezernet Rau noch viele Sozialarbeiter bis heute nicht verstanden, dass es menschenunwürdig ist, Obdachlose in Mehrbettzimmern unterzubringen, bei ausgehängten Türen, ohne jede Privatsphäre, und sie morgens um 8 Uhr  bei jedem Wetter auf die Straße zurück zu schicken.  Diese Hilfesysten konnte nicht dazu beitragen die Lebenserwartung der Obdachlosen dem Altersdurchschnitt der Menschen mit Wohnungen anzupassen. Obdachlose auf der Straße sterben 20 Jahre früher als Menschen die in Wohnungen leben.

Der Vortrag ist leider nicht aufgezeichnet worden. Marian Kirwel von fakE hat auf ein Video von Dr. Mark Benecke’s Official Youtube Channel verwiesen. In dem Film berichten Kai Hauprich und Andreas, der erste Obdachlose, der in Köln nach Housing First einen Mietvertrag bekam,  dem Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke vom wissenschaftlich abgesicherten Projekt, bei dem Wohnungs- und Obdachlose zuerst eine Wohnung erhalten und danach alles weitere folgt. Menschenfreundlich, wie Mark Benecke kommentiert, und es spart allen viel Geld.
https://www.youtube.com/watch?v=WDj5-3Q_dD8

6. März 2022

Zur Abschaffung der Obdachlosigkeit im Kapitalismus

Gerhard Trabert, der Kandidat der Linken zur Wahl des Bundespräsidenten, hat über die „Gesundheitssituation und medizinische Versorgung von wohnungslosen Menschen“ promoviert. 1994 gründete er in Mainz eine medizinische Versorgungseinrichtung für wohnungslose Menschen. Mit einem „Arztmobil“  fahren Gerhard Trabert und seine Kolleginnen zu den Obdachlosen und bieten kostenlos ärztliche Hilfe an. 2013 richtete Gerhard Trabert in Räumlichkeiten der Stadt Mainz die „Ambulanz ohne Grenzen“ ein. Dort sind 20 Ärzte, Krankenschwestern/Krankenpfleger und Sozialarbeiter tätig. Wohnungslose Menschen und Patienten ohne Versicherungsschutz werden kostenfrei medizinisch behandelt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gerhard_Trabert

 „Steinmeier dankt seinem Herausforderer Trabert für dessen Kandidatur und lädt ihn zum gemeinsamen Einsatz für dessen Herzensthema, die Bekämpfung der Obdachlosigkeit, ein.“  So stand es im Bericht des Kölner Stadt-Anzeiger vom 14.02.2022 zur Wahl des Bundespräsidenten. Vor über 30 Jahren hat Frank-Walter Steinmeier über „Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit“ promoviert. In all diesen Jahren seither ist nicht bekannt geworden, dass er eine Initiative zur Verhinderung und Beseitigung der Obdachlosigkeit gestartet hätte. Öffentlichkeitswirksam hat er sich vor Weihnachten immer mal wieder bei der Essensausgabe für Obdachlose filmen und fotografieren lassen. In den wohlwollenden Berichten der Medien über seine demonstrative Mildtätigkeit wurde nie überlegt, ob er durch seine Beteiligung bei der Einführung von Hartz IV, und der damit verstärkten Zunahme der sozialen Ungleichheit, selbst zur zunehmenden Wohnungs- und Obdachlosigkeit beigetragen haben könnte.

Wie DER SPIEGEL meldet, hat Steinmeier  Gerhard Trabert ins Schloss Bellevue eingeladen. Da er ihm kaum vorschlagen wird, an den kommenden Weihnachten gemeinsam Essen an Obdachlose zu verteilen, sind wir gespannt, was für die Obdachlosen dabei rumkommt. https://www.spiegel.de/politik/deutschland/frank-walter-steinmeier-laedt-gerhard-trabert-ins-schloss-bellevue-ein-a-c258f97b-4a9b-4904-a5b9-704136a7fd44

Die zunehmende soziale Ungleichheit und ihre Überwindung war kein Thema in der hochgelobten Rede Steinmeiers. Aber er hat natürlich den Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP gelesen, in dem die Überwindung der Obdachlosigkeit angekündigt wird:

„Wir setzen uns zum Ziel, bis 2030 Obdach- und Wohnungslosigkeit zu überwinden und legen einen Nationalen Aktionsplan dafür auf.“ Das steht so auf Seite 92 im Koalitionsvertrag „Mehr Fortschritt wagen“.
https://www.spd.de/fileadmin/Dokumente/Koalitionsvertrag/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf

Ein paar Zeilen davor war allerdings zu lesen: „Zur Problematik der Obdachlosigkeit von EU-Bürgern richten wir eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe ein“ (S.78)

Wer die Obdach- und Wohnungslosigkeit überwinden will, brauch Wohnungen. Im Koalitionsvertrag steht dazu u.a.:

„Dafür starten wir einen Aufbruch in der Bau-, Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik. Unser Ziel ist der Bau von 400.000 neuen Wohnungen pro Jahr, davon 100.000 öffentlich geförderte Wohnungen. Dafür werden wir die finanzielle Unterstützung des Bundes für den sozialen Wohnungsbau inklusive sozialer Eigenheimförderung fortführen und die Mittel erhöhen.“ (S.88)

„Wir setzen im Rahmen des Bündnisses die Arbeit der Baukostensenkungskommission fort. Wir gliedern die nicht bahnnotwendigen Immobilien des Bundeseisenbahnvermögens in die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) ein und richten die BImA auf unsere bau-, wohnungs-, stadtentwicklungspolitischen und ökologischen Ziele aus. Wir werden der BImA mehr Freiheiten verschaffen und ihr die Aufnahme von Krediten ermöglichen. Die BImA soll künftig selbst investieren und bauen sowie weiterhin kommunales Bauen unterstützen können. Dazu wollen wir die Verantwortung für Planung, Bau und Betrieb der Bundesbauten und Bundesliegenschaften bei der BImA konzentrieren.“(S.89)

Ob die BImA mit ihrer neuen Freiheit verantwortlich umgeht, ist nicht ausgemacht. Von der  Bielefelder Initiative für sozialökologische Stadtentwicklung (BISS) erreichte uns ein Hilferuf. Lest bitte ihre Petition und helft mit Eurer Unterschrift:
https://weact.campact.de/petitions/bodenspekulation-der-bundesregierung-in-bielefeld-stoppen

Einen virtuellen Spaziergang durch die Offizierssiedlung in Bielefeld hat die BISS mitgeschickt: https://biss.buerger-initiative.org/walk-of-chance/

In Köln hat die BImA 2019 einen Wohnungsbaupakt mit der Stadt beschlossen. Auf ihrer Homepage bietet die BImA Kaufpreisnachlässe für sozialen Wohnungsbau an:

„München, 7. Oktober 2019. Die Stadt Köln und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) treiben die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Köln jetzt gemeinsam voran: Auf der internationalen Immobilienmesse EXPO REAL haben heute Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker und Paul Johannes Fietz, Mitglied des Vorstands der BImA, einen Wohnungsbaupakt unterzeichnet. Ziel des Paktes ist es, in kurzer Zeit möglichst viele neue und bezahlbare Wohnungen im Kölner Stadtgebiet zu bauen. In einem ersten Schritt sollen 1.000 neue Wohnungen entstehen. Damit unterstützen Stadt und BImA die Wohnraumoffensive von Bund, Ländern und Kommunen.“
https://www.bundesimmobilien.de/stadt-koeln-und-bima-unterzeichnen-wohnungsbaupakt-1-000-neue-wohnungen-06dc396660db86e2

Gerade hat der Mieterbund NRW einen Mietenstopp für sechs Jahre gefordert. Auch die Bau- und Förderpolitik von Bund, Ländern und Kommunen müsse sich ändern, verlangte der Mieterbund. Derzeit würden hauptsächlich Ein- und Zweifamilienhäuser gebaut, während der größte Mangel im bezahlbaren Geschosswohnungsbau bestehe. https://www.recklinghaeuser-zeitung.de/regionales/mieterbund-nrw-fordert-mietenstopp-fuer-sechs-jahre-w-6000142268/?

Die Wohnungslosigkeit und die Obdachlosigkeit in den nächsten acht Jahren abzuschaffen, könnte gelingen, wenn die Ampel bereit wäre, in ihrem 400.000 neue Wohnungen pro Jahr-Programm die Zahl der Sozialwohnungen von 100.000 auf 200.000 zu verdoppeln oder zu verdreifachen. Man muss nur an das Jahr 1973 zurückdenken, als in der alten Bundesrepublik 714.000 Wohnungen gebaut wurden.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/manuskript-das-ende-der-wohnungszwangswirtschaft-per-gesetz.media.609061d15cda13794adc621e380590ed.pdf

Peter Frase: „Diese Forderungen können zweifelsohne im Kapitalismus durchgesetzt werden. Ob jedoch ein Kapitalismus mit einem starken Wohlfahrtsstaat und einer ermächtigten Arbeiter*innenbewegung auf lange Sicht stabil ist, ist eine kompliziertere Frage. So wie ich die Krise der sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaaten nach den 1970er Jahren verstehe, ist dem nicht so. Ab einem bestimmten Punkt werden die Einschränkungen ihrer Profitabilität und Privilegien für das Kapital untragbar. Daraus entsteht eine Krise, die entweder zu neoliberalen Kürzungen oder zu einem Bruch mit dem Kapitalismus führt. Deshalb müssen unsere Bewegungen auf diese Eventualität vorbereitet sein, doch zugleich anerkennen, dass wir heute noch ein Stückchen davon entfernt sind.“ https://www.rosalux.de/news/id/39236/der-kapitalismus-wird-enden

Mahnwache Klimanotstand

In meiner Schulzeit gab es hin und wieder mal hitzefrei, was wir Kinder und Jugendlichen immer mit Begeisterung aufgenommen haben. Was wir nicht kannten, gab es heute in ganz NRW: schulfrei wegen einer Orkanwarnung.
https://www.focus.de/panorama/wetter-aktuell/wegen-unwetterwarnung-schulen-bleiben-am-donnerstag-in-ganz-nordrhein-westfalen-dicht_id_54482557.html

Ich dachte, dass nehmen alle zum Anlass dem Aufruf der Mahnwache zum Klimanotstand zu folgen und auf dem Alter Markt zu kommen. Das war naiv. Immerhin habe ich mich gefreut, nicht ganz so alte Bekannte wiederzusehen, die ich in Lützerath beim Tribunal gegen die RWE kennenlernte.

Anwesend waren Engagierte von Attac, von der Bürgerinitiative Merkenich, vom RWE-Tribunal, von den Parents-, Grannies- und Scientists for Future, Klimawende, Verkehrswende und Extinction Rebellion. Christiane Niesel hat Trompete gespielt. Aus dem Rat kamen zur Kundgebung Nicolin Gabrysch (Klimafreunde), Heiner Kockerbeck (Die Linke) und Elisabeth Lange (Sachkundige Einwohnerin auf Vorschlag der Linken).

Anlass der Mahnwache war die heutige Sitzung des Ausschuss für Klima, Umwelt und Grün.
Wer den Ausschuss noch nicht kennt, kann sich hier informieren:  
https://www.stadt-koeln.de/artikel/06895/index.html

Betont wird mit der Sprechblase „Meinung für Köln. Beteiligung für alle: „Der Ausschuss Klima, Umwelt und Grün gehört gemäß Ratsbeschluss vom 18.06.2020 zu den Gremien, welche die Leitlinien für Öffentlichkeitsbeteiligung der Stadt Köln verpflichtend umsetzen.“

Warum auch dieser Ausschuss einen nichtöffentlichen Teil hat, fragt sich der Laie:

Einladung zur Sitzung des Ausschusses Klima, Umwelt und Grün am 17.2.2022:
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=862140&type=do

Die Tagesordnung des Ausschusses Klima, Umwelt und Grün am 17.2.2022:
https://ratsinformation.stadt-koeln.de/getfile.asp?id=863805&type=do

William Wolfgramm, der neue Dezernent für Umwelt, Klima und Liegenschaften hat in der Februar-Ausgabe von „Eigentum aktuell“, der Zeitung des Kölner Haus- und Grundbesitzervereins, zum Klimaschutz in Köln geschrieben. In seinem Artikel erklärte er: „Es steht außer Frage, dass umfassende Anstrengungen unternommen werden müssen, um den Anstieg der Erderwärmung und die damit verbundenen Auswirkungen einzudämmen.“ Angesichts dieser dramatischen Zeilen, nimmt sich die Tagesordnung des Ausschuss für Klima, Umwelt und Grün geradezu gemütlich aus.

Welche Wirkung die heutige Mahnwache gegen den Klimanotstand auf die Mitglieder des Aussschusses hat, bleibt abzuwarten. Dass nicht alle Mitglieder des Ausschusses und auch nicht der Dezernent Wolfgramm zur Mahnwache gekommen sind, ist kein gutes Zeichen.

17.Februar 2022
Klaus Jünschke

PS

2019 hat Köln den Klimanotstand ausgerufen.
https://www.report-k.de/koeln-will-klimawende-mit-einem-massnahmenpaket-staerken-20-millionen-euro-fuer-solaroffensive/

Mülheimer Arche

Zu Beginn der heutigen Pressekonferenz an der neuen Überlebensstation für Obdachlose am Bergischen Ring 40 lief das Video mit dem aktuellen AG Arsch Huh Lied „Alles verlore 2022“.
https://www.youtube.com/watch?v=Gsnn93XSzSY

Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs schilderte, wie alles anfing, als er mit Konstantin Neven DuMont und Franco Clemens im letzten Frühjahr am Wiener Platz unterwegs war, um nach einem Ort Ausschau zu halten, an dem etwas zum Schutz der Obdachlosen geschehen konnte.  Es dauerte dann aber doch noch bis Dezember, bis mit dem neuen Verein Arche für Obdachlose e.V. , dem Arsch huh e.V., der FC-Stiftung und der Bethe-Stiftung die Finanzierung stand. Am Ende seiner ausführlichen Rede bezog sich Nobert Fuchs auf den aktuellen Rundbrief 73 des Aktionsbündnis gegen Wohnungsnot und Stadtzerstörung, in dem stand, dass diese Überlebensstation nur eine Übergangslösung sein kann – für den Übergang zur Unterbringung aller Obdachlosen in richtigen Wohnungen.

Die zehn Container beherbergen nicht nur einen großen Aufenthaltsraum, eine Küche, WC und Duschen, sowie Büros für sozialarbeiterische Beratung,  auch eine vollwertige Arztpraxis wird es geben. Während der Pressekonferenz waren die Handwerker noch zu Gange. Morgen soll erstmals für Obdachlose und andere Hilfe Suchende geöffnet werden. Anfangs vier Stunden täglich an den Werktagen mit der Perspektive 8 Stunden an allen sieben Wochentagen.  

Das Zustandekommen dieser neuen Überlebensstation ist das Werk von vielen. In der Pressemappe zur Eröffnung waren am Ende acht Handwerksbetriebe genannt, die zum Gelingen beigetragen haben. Wenn es einer verdient hervorgehoben genannt zu werden, dann ist es Franco Clemens. Er hat in den letzten Jahren den Wiener Platz und die von ihm so bezeichnete Straßenkultur-Scene kennengelernt und in Zusammenarbeit mit Linda Rennings und ihrem Verein Heimatlos in Köln Anerkennung auf dem Platz erfahren. Er weiß welche Entlastung und Entspannung eine gut geführte Überlebensstation für die Menschen vo Wiener Platz, für die er ihr Wohnzimmer wurde, sein kann. Dazu gehört auch, dass Linda in der Mülheimer Arche einen Platz für ihre Sozialberatung bekommt.

Manfred Post von der AG Arsch Huh und der Präsident des FC Köln, Werner Wolf, machten in ihren eindrücklichen Reden deutlich, dass es nicht nur darum geht, die Notlagen von Obdachlosen zu lindern, sondern die Obdachlosigkeit überhaupt zu überwinden.  Die Frage, wie es sein kann, dass in einem reichen Land wie der Bundesrepublik, die Zahl der Wohnungslosen schneller steigt, als der Neubau bezahlbarer Wohnungen, richtete sich direkt an die Stadtspitze, die Stadtverwaltung  und das sogenannte „Gestaltungsbündnis“ aus Grünen, CDU und Volt. Sie haben es vorgezogen nicht zur Eröffnung zu kommen.

Mark Oette, Chefarzt im Severinsklösterchen und Vorstand im CAYA e.V., erläuterte, was die Arztpraxis in der Überlebensstation wird leisten können.  Er wies darauf hin, dass die durchschnittliche Lebenserwartung der Obdachlosen in der Bundesrepublik und Köln nur 50 Jahre beträgt – 20 Jahre weniger als die durchschnittliche Lebenserwartung bei denen, die eine Wohnung haben. Sozialdezernent Rau, der unermüdlich das „differenzierte Hilfesystem“ für Wohnungs- und Obdachlose in Köln lobt und rechtfertig, steht dagegen für die Realitätsblindheit einer Stadtregierung, die jede Verantwortung für dieses Elend von sich weist. Auch von den freien Trägern, die in Köln die Obdachlosigkeit mitverwalten, war noch keine Selbstkritik zu hören, auch heute nicht, bei der Eröffnung der Mülheimer Arche.  

14.Februar 2022
Klaus Jünschke